Stand: 08.05.2019 09:34 Uhr

Tod nach Masern? Reimann weiter gegen Impfpflicht

Nachdem der Tod einer Person aus dem Landkreis Hildesheim mutmaßlich im Zusammenhang mit einer Masern-Infektion steht, hat sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) am Dienstag erneut gegen eine Impfpflicht ausgesprochen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die größten Impflücken gebe es bei Erwachsenen und Jugendlichen, so die Ministerin. Da brauche es Information und Aufklärung. Eine Impfpflicht schon im Kindesalter, wie sie unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gefordert wird, sei dagegen nicht notwendig und helfe in dieser Situation nicht. Die Ministerin appellierte dagegen an alle Niedersachsen, den eigenen Impfstatus zu prüfen und gegebenenfalls auffrischen zu lassen. Laut Reimann hätte eine rechtzeitige Impfung der nun verstorbenen Person aus dem Landkreis Hildesheim wohl das Leben retten können.

Impfung kam zu spät

Der oder die Verstorbene hatte sich im April zwar gegen Masern impfen lassen, nachdem in der Famile ein Masernfall aufgetreten war. Wenig später sei sie dennoch erkrankt - und drei Tage später gestorben, so das Gesundheitsamt. Die Maserninfektion sei inzwischen durch eine Obduktion bestätigt worden. Ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, wollte die Behörde aus Datenschutzgründen bisher nicht bekannt geben. Lediglich, dass die verstorbene Person zwischen 30 und 40 Jahre alt war. Auch zu der Frage, ob der Todesfall im Zusammenhang mit einer Masern-Erkrankungswelle an Hildesheimer Schulen steht, wollte sich eine Landkreissprecherin noch nicht äußern. Nach Informationen der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" handelt es sich um eine Frau, die mit ihrem Mann und ihren Kindern nahe Hildesheim gelebt hat.

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Masern: Ist eine Impfpflicht sinnvoll?

06.05.2019 19:30 Uhr
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Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann lehnt eine Masern-Impfpflicht ab. Sie und auch der Obmann der Kinderärzte Hannover fordern eine bessere Impfberatung. Video (02:26 min)

Unklar, warum Krankheit schweren Verlauf nahm

Der Verlauf der Masern sei typisch gewesen, auch ein entsprechender Hautausschlag sei aufgetreten, hieß es weiter. Deshalb deute alles darauf hin, dass die Maserninfektion maßgeblich zum Tod beigetragen habe. Ob sie aber tatsächlich die Ursache gewesen sei, werde erst in einigen Wochen feststehen, so die Sprecherin. Unklar sei auch, warum die Infektion in diesem Fall einen so schnellen und so schweren Verlauf nahm. Letzte Untersuchungsergebnisse stünden noch aus. Sie werden laut Behörde in den kommenden Wochen erwartet.

Erster Todesfall seit 2001 im Kreisgebiet

Seit dem Jahr 2001 sei dies der erste Todesfall im Zusammenhang mit Masern im Landkreis Hildesheim, heiß es weiter. Tödliche Masern-Verläufe seien durchaus bekannt, sagte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Katharina Hüppe. Etwa jede 1.000. Maserninfektion führe zum Tod. Nach Daten des Statistischen Bundesamts gibt es bundesweit jährlich drei bis sieben Todesfälle durch Masern. Der nun bekannt gewordene Fall unterstreiche einmal mehr, wie wichtig ein wirksamer Impfschutz auch für Erwachsene sei, so Hüppe. Nach Angaben des Landesgesundheitsamts hatten bei der verstorbenen Person aus dem Landkreis Hildesheim Wildviren und nicht Impfviren die Infektion ausgelöst.

71 Masern-Fälle in Niedersachsen

In Niedersachsen hat es seit Jahresbeginn 71 Fälle von Masern gegeben. 2018 waren es laut Landesgesundheitsamt (NLGA) gerade einmal 18. Das Gros der diesjährigen Erkrankungen hänge mit einem Ausbruch in Hildesheim zusammen. In diesem Zusammenhang seien 39 Personen erkrankt. An mehreren Schulen mussten im März ungeimpfte Schüler und Mitarbeiter vorübergehend zu Hause bleiben. Der jüngste Masern-Fall betrifft einen Mitarbeiter einer Grundschule in Hannover. Angesichts auch bundesweit zunehmender Masern-Fälle diskutieren Politiker, Verbände und Institutionen seit Monaten über den Umgang mit der Viruserkrankung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.05.2019 | 10:00 Uhr

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