Stand: 16.02.2018 15:33 Uhr

Stiftung gibt Geld für Gedenkort am Bückeberg

Auf dem Bückeberg versammelten sich in den 1930er-Jahren Hunderttausende, wenn die Nazis ihr "Reichserntedankfest" veranstalteten.

Die Entstehung einer NS-Gedenkstätte in der Gemeinde Emmerthal (Landkreis Hameln-Pyrmont) ist möglicherweise ein Stück näher gerückt: Die Stiftung Niedersachsen unterstützt eine entsprechende Umgestaltung des Bückebergs mit 50.000 Euro. Das teilte die Stiftung am Freitag mit. Auf dem Bückeberg hatte die NSDAP von 1933 bis 1937 "Reichserntedankfeste" veranstaltet, zu der neben Adolf Hitler weitere Nazi-Größen wie Propagandaminister Joseph Goebbels und der sogenannte Reichsbauernführer Walther Darré anreisten.

"Sensibler Umgang mit schwierigem Erbe"

Die Stiftung Niedersachsen engagiert sich seit 1987 für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung im Bundesland. Es sei der Stiftung ein Anliegen, dass die Propagandastätte Bückeberg als Bildungs- und Lernort erschlossen werde, sagte Präsident Gunter Dunkel. Das vorliegende Konzept gewährleiste einen "sensiblen und kompetenten Umgang mit diesem schwierigen Erbe". Das Konzept des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte um den Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom sieht vor, dass auf dem ehemaligen Gelände am Bückeberg ein Pfad angelegt wird. Dieser soll an acht Informationstafeln vorbeiführen, die historische Fotos und Dokumente, etwa über den "Führerkult", zeigen. Darüber hinaus soll auf einem etwa zwei Meter großen Schriftzug das Wort "Propaganda" zu lesen sein.

Kritiker: Geplanter Gedenkort zu auffällig und zu teuer

Einige Anwohner fürchten, der Ort würde dadurch stigmatisiert. Hinweistafeln würden doch völlig ausreichen, sagen auch CDU und Freie Wähler im Gemeinderat. Sie verlangt vor allem, dass die Gedenkstätte die Gemeinde nichts kostet. Die 50.000 Euro der Stiftung mögen dabei helfen, allerdings wird mit insgesamt etwa 450.000 Euro für die Umgestaltung gerechnet. Am kommenden Dienstag steht das Thema Bückeberg auf der Tagesordnung einer Ratssitzung.

Geschichtslehrer wollen Lernort für Schüler

Während eine Bürgerinitiative in Emmerthal seit Dezember Unterschriften gegen das Projekt sammelt, haben sich Pädagogen aus der Region für den Erinnerungsort ausgesprochen: Geschichtslehrkräfte von elf Schulen forderten Anfang Februar, dass der ehemalige Festplatz der NS-Reichserntedankfeste für den Unterricht erschlossen wird. Keine andere Gedenkstätte mache deutlich, warum so viele Menschen vom Nationalsozialismus begeistert waren und ihm bis in den Untergang folgten, so das Argument. Zu den Festen der Nazis hatten sich jeweils Hunderttausende Menschen versammelt und Hitler zugejubelt. 1937 sollen 1,2 Millionen Menschen auf den Bückeberg gekommen sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 16.02.2018 | 17:00 Uhr

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