Staatsanwaltschaft: Angeklagter wollte zur "Legende" werden

Stand: 07.12.2020 17:15 Uhr

Ein 22-Jähriger muss sich seit Montag vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Er soll geplant haben, Muslime zu töten. Einer Familie soll er in einem Chat mit dem Tod gedroht haben.

Zwei professionelle Armbrüste, mehrere Messer und einen Schlagstock hatte der junge Mann der Anklage zufolge bereits erstanden. Ausgelöst wurde sein Vorhaben laut Generalstaatsanwaltschaft durch die Anschläge auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 2019. Seither habe sich der heute 22-Jährige mit rechtsradikalem Gedankengut und eigenen Anschlagsplänen beschäftigt. Er ist unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Tateinheit mit Terrorismusfinanzierung angeklagt.

Anklage: Mann wollte mindestens 20 Menschen töten

Der 22-Jährige wollte mindestens 20 Menschen töten und damit eine "Legende" werden, es sei "das Bedeutendste" in seinem Leben, zitierte ihn die Staatsanwältin am Montag bei der Verlesung der Anklage. Der junge Mann blieb äußerlich ungerührt, antwortete klar und deutlich auf die Fragen der Richterin zu seinen Personalien. Er sei arbeitslos und wohne in Hildesheim. Auch zu der Anklage wolle er sich äußern, wie sein Anwalt versicherte.

Chat-Partner alarmiert Polizei

Gefasst wurde der Mann, weil er Ende Mai in einem anonymen Internet-Chat einem Gesprächspartner geschrieben hatte, dass er sich mit Waffen vor einer Moschee befinde. Er habe vor, Muslime zu töten. Sein Chat-Partner informierte daraufhin die Polizei. Einen Tag später wurde der 22-Jährige in seiner Wohnung von Spezialkräften in Gewahrsam genommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Angeklagter soll Familie mit dem Tod gedroht haben

Dem Angeklagten wird außerdem vorgeworfen, im Mai 2017 in Chat-Nachrichten ein damals 15 Jahre altes Mädchen beleidigt zu haben. Dem Stiefbruder und der Mutter soll er, ebenfalls in Chat-Nachrichten, angedroht haben, das Mädchen und die Mutter zu töten. Im Jahr 2019 soll er sich in einem Chat zudem rassistisch geäußert haben.

Prozess wird vor Jugendkammer verhandelt

Weil der Angeklagte zur Zeit einzelner Vorwürfe mit 18 Jahren noch als Heranwachsender galt, verhandelt die als Jugendkammer tätige 3. große Strafkammer den Fall. Der nächste Prozesstermin ist für den 18. Dezember angesetzt. Dann könnte sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.12.2020 | 12:00 Uhr

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