Stand: 29.04.2019 15:46 Uhr

Rodewalder Wolf: Kritik an Abschussplan erneuert

Der Rodewalder Leitwolf darf seit Januar geschossen werden. (Symbolbild)

Seit Monaten sorgt der Leitwolf des Rodewalder Rudel für Schlagzeilen. Mehrfach hatte das Raubtier größere Nutztiere gerissen. Für seine Gegner hat er genügend auf dem Kerbholz. Doch seinen Jägern, die ihm bereits seit Januar mit einer vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg erteilten Abschussgenehmigung nachstellen, ist er bisher nicht vor die Flinte gelaufen. Die Morgen endende Erlaubnis hat das Umweltministerium nach Aussage von Umweltminister Olaf Lies (SPD) inzwischen um vier weitere Wochen verlängert. Zuvor hatte das Ministerium die Genehmigung bereits zweimal verlängert. Kritik daran hat jetzt der Wolfsexperte des Wolfscenters Dörverden, Frank Faß, geübt.

Wolfsexperte: "Abschuss löst nicht das Problem"

Es stelle sich die Frage, wieso ein Umweltminister den Abschuss auch in der Zeit der Welpenaufzucht genehmige, sagte Faß der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Auch der Wolfsvater ziehe die Welpen mit auf. Zudem seien in letzter Zeit weniger Nutztiere gerissen worden. Das deute auf einen verbesserten Herdenschutz hin. Der Abschuss des Leitwolfs löse das Problem nicht, so Faß. Sein Platz werde von einem anderen Rüden übernommen. Dieser werde ebenfalls ungeschützte Nutztiere reißen.

Warum keine dauerhafte Abschussfreigabe?

Derweil wächst im Landkreis Nienburg die Sorge, dass auch der Rest des Rudels die Jagdtechniken des Leitwolfs übernimmt. Das Landvolk Mittelweser fürchtet eine zusätzliche Gefahr für den Menschen und hatte deshalb die Abschussfreigabe für das gesamte Rudel gefordert - bisher ohne Erfolg. Allein der Rudelführer mit der Kennung "GW717m" darf vorerst bis Ende des Monats erlegt werden. Eine fristlose Freigabe zum Abschuss ist laut Umweltministerium nicht möglich. Grund dafür: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) prüft zum jeweiligen Zeitpunkt der Verlängerung, ob die Kriterien für eine Abschussfreigabe noch erfüllt sind.

NABU und Tierschützer kritisieren die Maßnahme

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Der geplante Abschuss des Rodewalder Leitwolfs sorgt nach wie vor für Widerstand von Natur- und Tierschützern. Sie fordern statt der Tötung des Wolfs mehr Investitionen in Maßnahmen für den Herdenschutz, darunter hohe Elektrozäune oder die Überwachung durch Herdenschutzhunde. Laut Naturschutzbund (NABU) schüren Landesjägerschaft und Landvolk unbegründete Ängste gegenüber Wölfen, insbesondere dem Rodewalder Rudel. "Bei den gerissenen Rindern handelt es sich fast ausnahmslos um Kälber und Jungrinder", so der NABU Niedersachsen in einer offiziellen Mitteilung. Mehrfach haben Wolfsschützer versucht, die Jagd auf den Rudelführer zu behindern.

Jäger gegen Wolfsschützer

Mitglieder einer Jagdgenossenschaft aus dem Landkreis Nienburg beschwerten sich, dass Wolfsschützer das Rodewalder Rudel mit lauten Geräuschen vertreiben, um den Abschuss zu verhindern. Nach Recherchen von Hallo Niedersachsen sind einige der Jagdgenossen gleichzeitig Waldbesitzer und Jäger. Bei der Beschwerde ginge es ihnen weniger um den Wolf. Der Lärm behindere die Jagd auf Wildschweine, was erhebliche Schäden für Wiesen und Äcker zur Folge habe. Um die Bejagung der Wildschweine ungestört fortzusetzen, wurde der Zutritt in Teile des Waldes nachts gesperrt. Das einwöchige Betretungsverbot entpuppte sich nach anfänglicher Verwirrung als rechtlich gültig.


26.04.2019 10:10 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es "Jäger aus dem Landkreis Nienburg beschwerten sich, dass Wolfsschützer das Rodewalder Rudel mit lauten Geräuschen vertreiben, um den Abschuss zu verhindern." Um Missverständnisse aufzuheben, wurde der Text entsprechend ergänzt.

 

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.04.2019 | 19:30 Uhr

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