Stand: 28.05.2019 10:29 Uhr

Private Schulen in Niedersachsen außer Kontrolle?

von Holger Bock

Mit Ausnahme kirchlicher Privatschulen verlangen offenbar viele der anderen Privatschulen seit Jahren zu hohe Schulgelder, sagen Bildungsforscher und befürchten eine soziale Auslese zulasten öffentlicher Schulen. Die staatliche Kontrolle über Privatschulen habe versagt, heißt es aus dem Landesrechnungshof. Allein in Niedersachsen fließen jedes Jahr rund 360 Millionen Euro Steuergelder in diese privaten Schulen, die im laufenden Schuljahr von rund 60.000 Schülerinnen und Schülern besucht werden. Die müssen deshalb für alle Kindern offen sein, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Sind sie aber meist nicht, wie Recherchen des NDR zeigen.

Schüler melden sich in einer Klasse. © imago/MITO

Spalten Privatschulen die Gesellschaft?

Panorama 3 -

Privatschulen boomen - schon im Grundschulbereich. Doch für Kinder ärmerer Eltern sind sie zumeist nicht finanzierbar. Welche Folgen hat das für die Gesellschaft?

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Schulgeld zwischen 200 und 645 Euro im Monat

Allein eine Stichprobe öffentlich zugänglicher Informationen im Internet zeigt: Die Gebühren vieler Privatschulen fangen bei mehr als 200 Euro pro Monat an. Für Normalverdiener werden bis zu 500 Euro und mehr fällig. So zum Beispiel in der privaten Grundschule Gut Spascher Sand in Wildeshausen (Landkreis Oldenburg). Spitzenreiter sind die Internate wie das im Solling (Holzminden). Dort werden Eltern monatlich mit 645 Euro zur Kasse gebeten. Die Ausstattung dafür ist top, die Lerngruppen klein, Kinder und Jugendliche sind automatisch Teil eines Netzwerkes von gehobenen sozialen Schichten.

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Privatschüler nicht prüfungsreif

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Viele Privatschulen sind für Kinder von Geringverdienern nicht zugänglich

Zwar haben viele Schulen eine soziale Staffelung ihrer Beiträge, aber schon Eingangsgebühren von mehr als 200 Euro sind durchaus verbreitet. Hartz-IV-Empfänger könnten sich Privatschulen nicht leisten, sagt Bildungsexperte Professor Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin. Mit Blick auf die Schulgeldkataloge spricht er von Verstößen gegen das Grundgesetz. Dieses verbiete nämlich, dass Kinder reicher Eltern weitgehend unter sich blieben. 2015 hatte das der Landesrechnungshof gerügt. Im Kultusministerium wurden daraufhin Vorschläge für eine bessere Kontrolle der Schulen erarbeitet.

Kommt eine Obergrenze für Schulgeld?

Der Bericht der Arbeitsgruppe liegt dem NDR vor. Darin wird beispielsweise eine regelmäßige Kontrolle der Privatschulen durch die Landesschulbehörde vorgeschlagen. Auch eine Obergrenze für das Schulgeld wurde diskutiert. Doch umgesetzt sind sie bis heute nicht.

Kultusminister: Private nicht unter Generalverdacht stellen

Auf NDR-Nachfrage teilte das Kultusministerium mit, dass Kontrollen der Landesschulbehörde keine Hinweise ergeben hätten, nach denen private Schulen ein zu hohes Schulgeld verlangten. Niedersachsens Kultusminister Grant Henrik Tonne (SPD) weist die Vorwürfe der Bildungsforscher und des Landesrechnungshofs demnach zurück. "Ich verwehre mich gegen die Vermutung, wir müssten unsere Schulen unter Generalverdacht stellen", sagte Tonne. Dennoch hätten sich freie Schulen an ein Regelwerk zu halten. Dort, wo es entsprechende Hinweise gebe, werde vermeintlichen Missständen - beispielsweise bei der Gebührenhöhe - nachgegangen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 28.05.2019 | 19:30 Uhr

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