Stand: 18.04.2018 16:57 Uhr

Online-Hetze wegen "Chico": Staatsanwalt ermittelt

Auf der Facebook-Seite von "Animal Peace" wird "Chico" derart betrauert, dass nun die Staatsanwaltschaft ermittelt.

"Chico" ist tot - doch der Streit um die Umstände der Einschläferung des für den Tod von zwei Menschen verantwortlichen Staffordshire-Terriers ist in vollem Gange. Viele Kommentare und Beiträge sind hoch emotional, nicht selten wird die gute Kinderstube vergessen. Wegen einer Wortmeldung auf Facebook ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Hannover. Dort werde unter anderem die Todesstrafe für die Verantwortlichen gefordert, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Derzeit werde geprüft, inwieweit die Botschaften an Mitarbeiter der Veterinärbehörde und die beteiligten Tierärzte eine juristisch relevante Aufforderung zu Straftaten darstellen.

Todesstrafe für Behördenmitarbeiter gefordert

Konkret geht es um einen Post der Tierrechts-Aktivisten von "Animal Peace", einem in Moers ansässigen Verein. "Chico wurde heute ermordet", heißt es auf dessen Facebook-Seite am 16. April. Und etwas später: "Tod den Entscheidungsträgern! Wir fordern die Todesstrafe für die verantwortlichen unberechenbaren Mörder". Aufgezählt werden dann Stadt Hannover, Tiermedizinische Hochschule, Tierheim und Landwirtschaftsministerium. Starker Tobak, doch die Vorsitzende von "Animal Peace", Silke Ruthenberg, hatte schon in der Vergangenheit durchaus kalkulierten Ärger mit der Justiz: In einem Porträt der "Süddeutschen Zeitung" von 2015 heißt es, sie habe schon "Dutzende Male" vor Gericht gestanden. "Wenn ich damit ein paar Veganer weg von Zucchini-Spaghetti-Rezepten hin zu den eigentlichen politischen Themen bewege, wird es mir eine Freude sein, wieder einmal vor Gericht zu stehen", wird Ruthenberg zitiert.

Nutzer teilen Haltung nicht

Die Kommentare unter dem Post machen deutlich, dass die allermeisten Nutzer diese Haltung nicht teilen: "Ihr tragt das Wort 'peace' im Namen - schämt ihr euch nicht? (...) Wie soll man eine solche Organisation ernst nehmen?", schreibt Birgit P. - auch Petra M. argumentiert ähnlich: "Sagt mal was bitte läuft denn bei Euch nicht richtig im Kopf ab ? (...) Durch Euch wird der Name Tierschutz in den Dreck gezogen". Gaby F. kommentiert: "Viele schlimme Fehler wurden in dem Fall gemacht, aber mit dieser Forderung disqualifiziert ihr euch gerade selbst", und Jessica S. klagt: "Warum müssen Tierrechtler und Aktivisten nur immer so furchtbar durchdrehen und übertreiben?".

Einschläferung "unter Betrachtung der Gesamtsituation"

Zur Begründung für die Einschläferung hatten die Behörden neben der "gesteigerten Aggressivität" des Tieres auch auf Verletzungen am Kiefer hingewiesen, die aufwendige Behandlungen notwendig gemacht hätten. "Chico" sei darüber hinaus nicht an andere Hunde gewöhnt und hätte isoliert von diesen sowie von Menschen gehalten werden müssen, hieß es weiter. Die Entscheidung zur Einschläferung des Hundes sei "unter Betrachtung der Gesamtsituation" gefallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.04.2018 | 17:00 Uhr

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