Stand: 09.08.2020 08:00 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Nordstemmen: Hoffnung für den Königsbahnhof?

Eine historische Postkarte zeigt den Bahnhof von Nordstemmen im Jahr 1908. © Wikimedia Commons/Michael Gäbler
Die glanzvollen Zeiten des Königsbahnhofs sind vorbei - aber in Nordstemmen kämpft man für den Erhalt des historischen Bauwerks.

Bahnhof Nummer 4581 trägt noch einen weiteren, einen weitaus klangvollereren Namen: Königsbahnhof wird die Station in Nordstemmen (Landkreis Hildesheim) auch genannt. Doch seine glanzvolle Vergangenheit liegt lange zurück - der Lack ist ab und das schon seit Jahrzehnten. Am 11. August will sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ein Bild vor Ort machen. Gibt es also noch Hoffnung für das verfallene Bauwerk?

Das "Eingangstor zur Marienburg"

Erbaut wurde der Bahnhof Mitte des 19. Jahrhunderts von Conrad Wilhelm Hase, seines Zeichens königlich-hannoverscher Baurat. Hase schuf auch die Marienburg bei Pattensen; der Nordstemmer Bahnhof komplettiert das Ensemble. Die königliche Familie fuhr einst im eigenen Salonwagen vor. "Eingangstor zur Marienburg" nennt Nordstemmens Bürgermeister Norbert Pallentin (SPD) demnach den Bahnhof.

Niedergang seit 1975

Aber dieses Eingangstor verfällt zusehends. Der Niedergang beginnt 1975, als die Gaststätte im Bahnhof geschlossen wird. Anschließend verlegt die Bahn ihre Büros ins nahegelegene Elze, 1986 wird auch das Empfangsgebäude für Reisende geschlossen. Seit dem Jahr 2000 herrscht zwischenzeitlich an einigen Stellen gar Einsturzgefahr. Der Ortstrat stimmt einem Abriss zu. Doch die Stimmung in Nordstemmen dreht sich.

"Bahn ist nicht in die Pötte gekommen"

Bald kursieren Pläne, das historische Bauwerk zu erhalten. Der Kultur- und Heimatverein veranstaltet regelmäßige Protestkundgebungen auf dem Bahnhofsvorplatz gegen den drohenden Abriss. Ein Investor will 2013 im großen Stil einsteigen, doch er springt wieder ab. "Die Bahn ist nicht in die Pötte gekommen", heißt es dazu in Nordstemmen. Seit Ende 2019 gibt es immerhin wieder einen Dialog mit der Bahn - zumindest unregelmäßig.

Bahn will sich noch nicht äußern

Eine Sprecherin antwortet NDR.de zur Zukunft des Bahnhofs: "Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu den Details und den unterschiedlichen Optionen nicht äußern, bevor wir hier eine gemeinsame Lösung gefunden haben." Darüber hinaus verweist sie auf geleistete Sicherungsarbeiten. Es sei vor allem das Ansinnen, den sicheren Betrieb der Infrastruktur nachzukommen und die Sicherheit der Kunden zu gewährleisten.

Skepsis und Hoffnung

Der Bahnhof ist weiter recht gut frequentiert. Etwa 1.800 Pendler pro Tag will der potenzielle Investor 2013 ausgemacht haben. Vom Besuch des Ministerpräsidenten als Zeichen, auch an die Bahn, erhoffen sie sich viel in Nordstemmen. Allerdings herrscht auch Skepsis nach den letzten Jahren. "Ich glaube nicht eher, dass etwas passiert ist, bis ich es sehe", sagt etwa Adelheild Berker, die Ortsheimatpflegerin.

Noch kein Volksaufstand

"Ein Volksaufstand ist nicht in Gang gekommen", sagt auch Rolf Müller. Er leitet heute den Kultur- und Heimatverein, der einst die Demos auf dem Vorplatz organisiert hat. Es würden bislang lediglich Nadelstiche gesetzt, aber es sei gut, dass das Thema nun wieder zurück in der Öffentlichkeit sei. "Aus solchen Dingen entsteht vielleicht etwas Neues", so Müller. Aber: Die Bahn müsse mitmachen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 11.08.2020 | 08:00 Uhr

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