Stand: 04.03.2020 12:39 Uhr

Norddeutsche Länder wollen Geflüchtete aufnehmen

Innenminister Boris Pistorius (SPD) im Interview. © NDR
Innenminister Pistorius begrüßt die Kehrwende Seehofers. (Archivbild)

Horst Seehofer (CSU) macht den Weg für die Flüchtlings-Pläne von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) frei. Nach Monaten des Zauderns zeigt sich der Bundesinnenminister offen dafür, Kinder nach Deutschland zu holen. "Ich freue mich sehr, dass wir heute wohl so weit sind, endlich die Kinder aus dem Elend der Lager auf den griechischen Inseln zu holen", sagte Pistorius am Mittwoch. Viele Städte im Land, darunter Hannover, seien bereit für die Aufnahme, so der Minister. "Dazu haben wir in den letzten Wochen immer in Kontakt gestanden." Der SPD-Politiker hatte schon nach einer Griechenlandreise im vergangenen Herbst vorgeschlagen, minderjährige Flüchtlinge, die allein in den Camps auf den griechischen Inseln sind, nach Niedersachsen zu holen. Auch andere norddeutsche Bundesländer ziehen mit.

VIDEO: Pistorius will geflüchtete Kinder aufnehmen (4 Min)

Schleswig-Holstein und Hamburg wollen helfen

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) erneuerte sein Angebot, minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Wie Günther plädierten auch Politiker von Grünen, SPD und Linke für eine Aufnahme von Geflüchteten. Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) hat in einem Brief an Seehofer bekräftigt, dass die Hansestadt ebenfalls minderjährige Geflüchtete und Familien aus Griechenland aufnehmen wolle.

Generell sieht sich Hamburg gut darauf vorbereitet, dass wegen der Entwicklungen an der türkisch-griechischen Grenze möglicherweise wieder mehr Geflüchtete in die Stadt kommen. Das teilte die Innenbehörde auf Anfrage von NDR 90,3 mit. Bei Bedarf könnte Hamburg innerhalb kurzer Zeit 3.000 Unterkunftsplätze für Geflüchtete einrichten.

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Weil für kontrollierte und gesteuerte Aufnahme

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte sich ebenfalls dafür ausgesprochen, eine begrenzte Anzahl an Flüchtlingen aus Griechenland aufzunehmen. Es gehe um eine kontrollierte und gesteuerte Aufnahme. Weil will damit eine chaotische Lage wie im Jahr 2015 verhindern. Aber: "Im Vordergrund muss stehen, dass das eigentliche Problem auch bei den Wurzeln gepackt wird", sagte Weil NDR 1 Niedersachsen. "Und das ist, dass endlich ein stabiler Frieden in Syrien hergestellt wird." Weils Koalitionspartner CDU sieht den Vorstoß kritisch. Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", Vorschläge aus einzelnen Bundesländern würden nicht weiterhelfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Aktuell | 04.03.2020 | 08:00 Uhr

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