Stand: 22.03.2019 14:23 Uhr

Niedersachsen zeigt Solidarität mit Neuseeland

Recep Bilgen (r.), Michael Fürst (l.) und Innenminister Boris Pistorius besuchten gemeinsam das Freitagsgebet in der Ayasofya Moschee.

Für zwei Minuten stand heute das Leben in Neuseeland still. Mit den beiden Schweigeminuten hat das Land der Opfer des rassistischen Terroranschlagsgedacht. Genau vor einer Woche hatte ein 28-Jähriger in zwei Moscheen 50 Menschen ermordet. Auch in Niedersachsen herrscht über diese Tat noch immer Entsetzen. In Hannover haben heute Vertreter aus Politik und Religion ein Zeichen gesetzt: mit einem gemeinsamen Freitagsgebet. In Hannover stehen die großen Religionen und die Politik Seite an Seite - diese Botschaft sollte von dem besonderen Freitagsgebet ausgehen.

Fürst: "Muslime leben hier mit uns, nicht neben uns"

Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, hat die Aktion maßgeblich initiiert. "Die Muslime müssen merken, dass sie hier nicht neben uns leben, sondern mit uns leben. Sie sind genau wie wir Bürger dieses Staates", sagte Fürst. "Sie müssen wissen, dass wir genauso mit ihnen empfinden, wie sie mit uns empfinden, wenn es bei uns Probleme gibt. Und deswegen ist Solidarität hier die Überschrift für alles." Die furchtbaren Ereignisse von Christchurch hätten in Neuseeland eine unglaubliche Welle des Mitgefühls für Muslime ausgelöst, sagt Fürst. So etwas gebe es in Deutschland noch nicht.

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Viele folgten dem Aufruf zum Gebet

Mitorganisator des interreligiösen Freitaggebetes ist Recep Bilgen, Vorsitzender des muslimischen Dachverbandes Schura. Er ist froh darüber, dass innerhalb kürzester Zeit so viele Politiker- und Religionsvertreter dem Aufruf gefolgt sind. "Ich glaube auch diese Aktion zeigt, dass wir bundesweit als Niedersachsen eine besondere Stellung haben", so Bilgen. "Das ist was Einmaliges, soweit ich gesehen habe." Bilgen gibt aber auch zu bedenken: Nicht erst seit dem Massaker von Christchurch gebe es unter Muslimen ein ungutes Gefühl. Er fürchtet, dass auch hier mal etwas passieren könnte, wenn viele Menschen zu einem Freitagsgebet zusammen kommen und es keine Sicherheitsvorkehrungen gibt.

Pistorius: "Die Polizei ist sensibilisiert"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius nahm auch an dem Gebet teil - und er kann die Sorgen der Muslime aus Hannover verstehen. "Ich versichere Ihnen, dass wir auch in Zukunft ganz eng an Ihrer Seite stehen", sagte Pistorius. Auch die Polizei sei, was den Schutz von Moscheen angeht, entsprechend sensibilisiert. "Aber es gibt bisher in Niedersachsen und in Deutschland keinerlei Anhaltspunkte für irgendeine besondere Gefährdung über das hinaus, was wir als abstrakte Gefährdung beschreiben." Aktuell gebe es jetzt keinen Anlass für besondere Sicherheitsmaßnahmen.

Das Fazit des außergewöhnlichen Gebetes fällt bei allen Teilnehmern gleich aus. Solch ein Zusammentreffen müsse es häufiger geben - das nächste Mal am besten ohne einen traurigen Anlass.

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Nach Anschlag auf Moscheen: Neuseeland betet

Eine Woche nach dem Anschlag von Christchurch gedenkt Neuseeland heute der Opfer. Die Freitagsgebete an der Al-Noor-Moschee wurden live im Fernsehen und Radio übertragen. extern

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Hallo Niedersachsen | 22.03.2019 | 19:30 Uhr

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