Ein ICE der Deutschen Bahn ist auf der Reise Richtung Hannover. © picture-alliance Foto: Sören Stache

Neubaustrecke Hannover-Bielefeld: Bahn startet Bürgerdialog

Stand: 14.01.2021 09:14 Uhr

Noch ist unklar, wo die neue Bahnstrecke zwischen Hannover und Bielefeld genau verlaufen wird. Die Bahn startet jetzt einen digitalen Bürgerdialog, um Anwohner in den Entscheidungsprozess einzubinden.

Die Bahn will mit der geplanten Neubaustrecke die Fahrtzeit zwischen Köln und Berlin auf vier Stunden reduzieren. Dazu sollen die ICEs auf dem geplanten Abschnitt zwischen der niedersächsischen Landeshauptstadt und der ostwestfälischen Großstadt künftig mit Tempo 300 verkehren. Die Pläne sehen vor, die bisherige Strecke auf vier Gleise auszubauen.

Kosten von bis zu 5,9 Milliarden Euro

Ein Transparent mit der Aufschrift "ICE-Trasse? Nein!" ist während einer Demonstration gegen die geplante ICE-Trasse in Groß Munzel (Niedersachsen) zu sehen. © dpa-Bildfunk
Die Deutsche Bahn will bei den Planungen einer Neubaustrecke zwischen Hannover und Bielefeld die betroffenen Anwohner mit einem Dialog einbinden.

An dem Dialog beteiligt sind Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), Nordrhein-Westfalens Verkehrsstaatssekretär Hendrik Schulte, Bundesverkehrsstaatssekretär Enak Ferlemann (CDU), Spitzenvertreter der Deutschen Bahn sowie Bürgermeister und Landräte der betroffenen Regionen. Fünf Modell-Varianten, wie der Ausbau aussehen könnte, sind Grundlage der Planungsberatungen. Die geschätzten Kosten liegen zwischen 1,9 und 5,9 Milliarden Euro.

Fünf Varianten für Streckenverlauf

Variante 1 sieht eine Ortsumfahrung für Wunstorf, Bückeburg und Minden sowie zusätzliche Gleise auf einem Teilabschnitt vor. Maximal Tempo 230 können die ICEs dabei erreichen, auch wenn die Ausbaukosten vergleichsweise gering sind, werden nur acht Minuten Fahrzeit eingespart. Dieser Streckenverlauf, der seit 2016 bekannt ist, gilt wohl als wegen der geringen Fahrtzeitersparnis als ungeeignet.

Variante 2 würde als Neubaustrecke mit langen Tunnelabschnitten entlang der Autobahn 2 verlaufen. Dies schont Anlieger, sorgt für das gewünschte Tempo, die Gesamtkosten aber sind hoch.

Variante 3 sieht einen Neubauabschnitt an der A2 und ein früheres Einfädeln in die bestehende Strecke bei Bad Oeynhausen vor. Die Kosten je eingesparter Minute Fahrtzeit sind höher, es wird nicht das gewünschte Tempo erreicht und die Arbeiten sind kompliziert.

Variante 4 wäre eine abgespeckte Version. Sie sieht weniger Ausbauten vor. Dafür steigen die relativen Kosten, außerdem wird nicht der erwünschte Fahrzeitgewinn erreicht.

Variante 5 könnte ein Favorit werden, bei der Kosten und Nutzen der anderen Optionen kombiniert werden sollen. Nahe an der bestehenden Trasse sind neue Gleise vorgesehen, Wunstorf soll umfahren und das Wesergebirge in einem langen Tunnel unterquert werden.

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Hannover-Hamm in unter einer Stunde?

In welchem Umfang die neuen Gleise in Landschaft und Natur eingreifen, was die Belastung für Anlieger an Neubau- und auch bestehenden Streckenabschnitten sein wird und natürlich Kosten und Nutzen könnten zu den möglichen Streitpunkten werden. Bürgerinitiativen in der Region mobilisieren seit längerem gegen neue Trassen nahe von Siedlungen, der Stadt Minden indes ist an einer weiteren Anbindung an das Intercity-Netz gelegen. Um im künftigen Deutschland-Takt die Ballungsgebiete auch mit schnellen Umsteigeverbindungen besser zu verknüpfen, soll die Fahrzeit zwischen Hannover und Bielefeld von derzeit 48 auf künftig 31 Minuten sinken. Damit das Umsteigen zwischen wichtigen Linien besser klappt, soll zudem die Fahrzeit zwischen Hannover und Hamm auf unter eine Stunde verringert werden.

IC- und Regionalzug-Verbindungen könnten sich verbessern

Schneller fahren soll dank der ausgebauten Strecke künftig auch der IC zwischen Berlin und Amsterdam, auch Osnabrück rückt nach dem Ausbau zeitmäßig dichter an Hannover heran. Aber es geht nicht nur um schnelle Fernzüge. Auch im Regionalverkehr sind erhebliche Verbesserungen möglich, wenn mehr Gleise zur Verfügung stehen. Zwischen Hannover und Minden könnte der Regionalexpress alle 30 Minuten verkehren und dann jeweils abwechselnd weiter nach Bielefeld beziehungsweise Osnabrück/Rheine fahren. Das wäre doppelt so häufig wie bisher. Und auch die S-Bahn von Hannover nach Minden soll für Pendler zu einem verlässlicheren Angebot werden, wenn die Züge nicht mehr durch Fernzüge und Güterzüge ausgebremst werden.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.01.2021 | 09:00 Uhr

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