Ein Wolf steht im Freigehege im Tierpark Wisentgehege. © picture alliance/Holger Hollemann/dpa Foto: Holger Hollemann

NABU reicht Beschwerde gegen Wolfsverordnung bei EU ein

Stand: 05.01.2021 17:20 Uhr

Der Naturschutzbund (NABU) hat bei der Europäischen Union Beschwerde gegen die neue Wolfsverordnung des Landes Niedersachsen eingereicht.

Die Ende November erlassene Verordnung verstoße gegen den Artenschutz, teilte der NABU am Dienstag in Hannover mit. Außerdem weiche Niedersachsen mit seiner Verordnung weit von Beispielen anderer Bundesländer sowie vom EU-Recht ab.

Zahl der Wölfe steigt auf etwa 350

Mit der Wolfsverordnung hatte das Land einen einfacheren Rahmen zum Abschuss sogenannter Problemwölfe geschaffen. Dabei handelt es sich um Tiere, die etwa Schutzzäune überspringen und Rinder und Pferde töten. Die Zahl der Wölfe in Niedersachsen ist innerhalb eines Jahres von etwa 230 auf aktuell rund 350 angestiegen. Inzwischen gibt es landesweit 35 Rudel und zwei Paare, wie aus dem Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft hervorgeht.

Mehr Nutztierrisse im vergangenen Jahr

Trotz ausgebauter Schutzzäune wurden 2020 mehr Nutztiere gerissen als im Vorjahr. Und: Es wird mit einer weiteren Zunahme der Wolfszahlen gerechnet. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) stuft den Wolf in Niedersachsen nicht mehr als akut gefährdet ein. Mithilfe einer Studie soll bestimmt werden, welche Mindestzahl von Wölfen geschützt werden muss. Dies soll den Abschuss problematischer Tiere erleichtern.

NABU-Chef: Abschuss kann mehr Risse zur Folge haben

Der NABU-Landesvorsitzende Holger Buschmann warf dem Land vor, sich nicht den Herausforderungen eines Zusammenlebens mit dem Wolf zu stellen, sondern den Schutz des Tieres aufzuweichen. Das Abschießen von Wölfen verhindere keine Nutztierrisse, sondern könne durch eine Zerstörung der Rudelstruktur in dem betroffenen oder Nachbargebiet sogar mehr davon zur Folge haben.

Lies verteidigt Verordnung

Minister Lies wies die Nabu-Vorwürfe zurück. Die Wolfsverordnung halte sich in allen Punkten an das Bundesnaturschutzgesetz, sagte er am Dienstag. Es gehe keineswegs um die Einrichtung wolfsfreier Zonen, sondern lediglich um das Abschießen von den Wölfen, die in der Kulturlandschaft Niedersachsens die größte Gefahr für die Akzeptanz und damit die langfristige Überlebensfähigkeit der Art darstellten.

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Zwei Wölfe stehen auf einer Wiese vor einem Wald, der vordere hat ein Halsband um. © dpa-Bildfunk Foto: Konstantin Knorr

Niedersachsens Wolfsverordnung kurz vor Veröffentlichung

Sie soll den Abschuss von Wölfen rechtssicherer machen. Das Land plant zudem eine Bundesratsinitiative zu Schutzzäunen. (09.11.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.01.2021 | 13:00 Uhr

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