Stand: 01.02.2019 18:21 Uhr

Missbrauch in Lügde: Zahl der Opfer steigt auf 29

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Tatort der Missbrauchs ist der Campingplatz Eichwald in Lügde.

Im Fall des jahrelangen Missbrauchs auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde ist die Zahl der identifizierten Opfer inzwischen auf 29 gestiegen. Das teilten die Ermittler am Freitag mit. Details wie Altersangaben wollten sie nicht nennen. Drei Männer sollen in Lügde nahe Bad Pyrmont Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren über mehrere Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Haupttatort soll ein Campingplatz sein, auf dem der 56-jährige Hauptverdächtige als Dauercamper lebte. Vermutlich mehr als 1.000-mal sollen sich die Täter an Kindern vergangen haben. Darunter sind auch Opfer aus Niedersachsen. Die Männer - neben dem 56-jährigen Dauercamper ein 48-Jähriger aus Stade und ein 33-Jähriger aus Steinheim - wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft.

Auch Polizeibeamte im Visier der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft in Detmold ermittelt inzwischen nicht nur gegen die mutmaßlichen Täter und die Jugendämter in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Lippe sondern auch gegen lippische Polizeibeamte. Dass mit dem hauptverdächtigen Dauercamper und seiner Pflegetochter etwas nicht stimmte, war offenbar schon längerbekannt: Laut Staatsanwaltschaft gab es schon im Jahr 2016 deutliche Hinweise von zwei Zeugen zum möglichen Missbrauch eines Pflegekindes durch den Hauptbeschuldigten. Weder den Aussagen eines Anrufers noch denen einer Mitarbeiterin des Jobcenters sei die Polizei nachgegangen, sagte ein Sprecher der Behörde.

Neue Ermittlungskommission eingerichtet

Nach Angaben der Ermittler in Bielefeld wird der Fall nun vom Polizeipräsidium Bielefeld geführt. Die neue Ermittlungskommission "Eichwald" - benannt nach dem Campingplatz - besteht aus den bisherigen Mitgliedern der EK "Camping" in Lippe und Bielefelder Kriminalbeamten. Die große Menge sichergestellter digitaler Daten macht es erforderlich, weitere Fachleute anderer Polizeibehörden in die Bearbeitung einzubinden, hieß es am Freitag.

Kinderschutzbund Bad Pyrmont gab Hinweis an Polizei und Jugendamt weiter

Unterdessen hat der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) die Einsetzung einer Untersuchungskommission sowie Änderungen im Kinder- und Jugendhilferecht gefordert. Der DKSB-Ortsverbandes Bad Pyrmont habe bereits im August 2016 einen Hinweis erhalten und diesen an Polizei und Jugendamt weitergeleitet, teilte der Verband am Freitag mit. Daraufhin sei dem Ortsverband zurückgemeldet worden, dass der Hinweis überprüft werde. "Damit hat sich der Ortsverband vorbildlich verhalten und alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die einem gemeinnützigen Träger, der keine behördlichen Vollmachten hat, zur Verfügung stehen", sagte der DKSB-Präsident Heinz Hilgers.

Tatort Campingplatz: Zehn Jahre Kinder missbraucht

Landkreis Hameln-Pyrmont plant Vorwarnsystem

Der Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont, Tjark Bartels, forderte am Freitag im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen ein neues Konzept, das es Kindern einfacher macht, über solche Vorfälle zu sprechen. Der SPD-Politiker kündigte eine Art Vorwarnsystem in Kindergärten und Schulen an, um Verdachtsmomenten frühzeitig nachgehen zu können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.02.2019 | 17:00 Uhr

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