Stand: 14.05.2019 08:30 Uhr

Missbrauch in Lügde: Anklage erhoben

Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden Hauptbeschuldigten erhoben. Dies bestätigte das Landgericht Detmold auf Anfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung". Das Gericht leitet die Anklageschrift den Angeschuldigten nun mit der Bitte um Stellungnahme zu, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Dann werde geprüft, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen werde.

"Was in Lügde passiert ist, übersteigt jede Vorstellung"

Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte bereits in der vergangenen Woche den Opferanwälten Einsicht in die Hauptakte gewährt. Darin: Einzelheiten aus den Aussagen der Kinder, aufgeschrieben auf mehr als 1.000 Seiten. Dazu weitere Dossiers, zu jedem der mutmaßlichen Opfer eines. Darüber hat das "Westfalen-Blatt" mit Peter Wüller gesprochen. Der Rechtsanwalt aus Bielefeld vertritt vier Opfer vor Gericht. Wüller sagte: "Was in Lügde passiert ist, übersteigt jede Vorstellung." Mehrere Eltern beklagen nach NDR Informationen darüber hinaus den Umgang mit den betroffenen Kindern: Viele von ihnen hätten noch keine Therapie begonnen.

Ein Fall ist bereits verjährt

Im Abschlussbericht legen die Ermittler dem 56 Jahre alten Hauptbeschuldigten aus Lügde den Missbrauch von 28 Kindern zur Last. Sein 34 Jahre alter Komplize aus Steinheim (Landkreis Höxter) soll sich an 18 Kindern vergangen haben. Ein weiteres Opfer des älteren Mannes sei dem Blatt zufolge vor rund 30 Jahren vergewaltigt worden - und der Fall damit verjährt. Der Dritte, ein 49 Jahre alter Beschuldigter aus Stade in Niedersachsen, soll sich die Taten über einen Chat angeschaut haben. Ein Großteil der Datenträger soll ihm gehören.

Opfer-Anwalt: Aussagen der Kinder reichen für 15 Jahre Haft

Der Jurist lobt die Arbeit der Ermittler. Die Kinder seien "einfühlsam und sehr geduldig befragt worden". Nach NDR Informationen mussten manche Kinder allerdings bis zu viermal aussagen, was für sie sehr belastend gewesen sei. Anwalt Wüller sprach von schaurigen Details. "Wenn ich mir die Gesichter der Kleinen ansehe und dann lese, was ihnen angetan wurde, wird mir schlecht", sagte Wüller. Seit er die Akte gelesen habe, seien die gefundenen Fotos und Filme nicht mehr entscheidend. Wüller glaubt, dass die Aussagen der Kinder reichten, "um die beiden Haupttäter für die nächsten 15 Jahre einzusperren", anschließende Sicherungsverwahrung nicht ausgeschlossen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.05.2019 | 12:00 Uhr

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