Ein Kreuz vor einem wolkenverhangenen Himmel. © picture alliance

Missbrauch: Evangelische Landeskirche sucht mögliche Opfer

Stand: 10.02.2022 17:35 Uhr

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers sucht nach einem Missbrauchs-Vorwurf mögliche weitere Betroffene. Ein späterer Pastor soll eine 17-Jährige missbraucht haben. Laut Kirche konnte man ihn nicht versetzen.

Die Frau ist heute 42 Jahre alt. Sie hatte der "Celleschen Zeitung" berichtet, der Mann habe sie in den 1990er-Jahren sexuell missbraucht. Die hannoversche Landeskirche hat andere Betroffene aufgerufen, sich zu melden. Zudem sollten Opfer von Missbrauch die Taten direkt der Polizei anzeigen, hieß es. 2018 hatte die heute 42-Jährige den mutmaßlichen Täter angezeigt, die Taten waren jedoch verjährt. Aufgrund der beschriebenen Übergriffe im Jahr 1997 zahlte die Kirche ihr 26.000 Euro Anerkennungsleistung.

Pastor immer noch im kirchlichen Dienst

Der mutmaßliche Täter habe zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten noch nicht für die Landeskirche gearbeitet, teilte diese am Mittwoch mit. Deshalb sei ein Disziplinarverfahren gegen ihn nicht möglich gewesen. Die Landeskirche bestätigte, dass der heutige Pastor noch immer im kirchlichen Dienst ist, wenn auch nicht mehr in Celle.

Kirche: Kein Beweis, dass Betroffene minderjährig war

"Eine Rücknahme seiner Ernennung zum Pastor oder die Versetzung in eine andere Aufgabe, in der er nicht mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, scheiterte daran, dass die Landeskirche ihm nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen konnte, dass die Betroffene bei Beginn der von ihr geschilderten Taten noch minderjährig war", sagte ein Sprecher. "Anders als in Verfahren über eine Anerkennungsleistung, die die Betroffene erhalten hat, muss das Vorliegen sexualisierter Gewalt in dienstrechtlichen Verfahren in vollem Umfang nachgewiesen werden", erklärte der Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Rainer Mainusch.

17-Jährige war in der Ausbildung

Der mutmaßliche Täter war laut Landeskirche damals bei der diakonischen Einrichtung "Lobetalarbeit" in Celle tätig, wo er "wahrnehmbar als Geistlicher agierte", jedoch noch kein ordinierter Pastor war. Die Betroffene absolvierte dort dem Zeitungsbericht zufolge eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Ihr zufolge hatte sich der Beschuldigte zunächst in einer schwierigen Lage um sie gekümmert. Später habe er sie dann mehrfach missbraucht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 10.02.2022 | 06:30 Uhr

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