Stand: 28.03.2018 16:28 Uhr

Messerangriff: Opfer außer Lebensgefahr

Nach dem Messerangriff in Burgwedel (Region Hannover) ist das Opfer aus dem künstlichen Koma erwacht. "Das ist ein ganz toller Schritt nach vorne", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Mittwoch. Lebensgefahr bestehe nicht mehr. Die 24-Jährige sei ansprechbar, aber noch nicht vernehmungsfähig. Staatsanwaltschaft und Polizei wollen daher einige Tage abwarten, bis sie die junge Frau befragen können. Sie war am Sonnabend mit einem Messer lebensgefährlich verletzt worden. Der 17 Jahre alte mutmaßliche Haupttäter sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Tatvorwurf geändert

Die Anklagebehörde hat ihren Vorwurf gegen den Verdächtigen unterdessen geändert: Sie wirft ihm keine versuchte Tötung mehr vor, sondern gefährliche Körperverletzung. "Im Rahmen der bisher durchgeführten Ermittlungen hat sich gezeigt, dass es einen einzigen Stich gegeben hat", sagte Klinge. Die Frau soll in diesem Moment gestanden und auch nicht am Boden gelegen haben, als die Täter verschwanden. Juristisch sei dies wichtig, so Klinge: Der Verdächtige habe die Tat nach dem Stich abgebrochen, weil er offenbar nicht vorhatte, das Opfer zu töten. Sollte der 17-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt werden, droht ihm eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und sieben Jahren.

Ermittlungen gegen 14-jährigen Bruder

Ermittelt wird auch gegen den 14 Jahre alten Bruder des Verdächtigen. Er war an den Streitigkeiten im und später vor dem Supermarkt beteiligt, gemeinsam mit seinem 13-jährigen Cousin. Ob die beiden sich äußern werden, sei noch unklar, so Oberstaatsanwalt Klinge. Der 25-jährige Freund des Opfers soll in dieser Woche als Zeuge befragt werden. Er stand nach der Tat zunächst unter Schock.

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Opfer wollte offenbar Streit schlichten

Kurz vor der Messerattacke war es laut Polizei in dem Supermarkt in der Dammstraße zwischen der Frau und ihrem 25-jährigen Begleiter zu einem Streit mit den zwei 13 und 14 Jahre alten Jungen gekommen. "Offenbar nachdem das Opfer und ihr Begleiter die Jungen darauf hingewiesen hatten, sich zu benehmen", sagte Klinge. Nach dem Einkauf trafen die 24-Jährige und der 25 Jahre alte Mann erneut auf die beiden Jugendlichen - nun in Begleitung des 17-jährigen Familienangehörigen. Ob er zufällig hinzukam oder von den beiden Jungen zur Verstärkung hinzugerufen wurde, ist laut Behörde noch nicht bekannt. Es soll zunächst wieder zu einem Wortgefecht, dann zu einer Rangelei zwischen dem Begleiter und den drei minderjährigen aus Syrien eingereisten Flüchtlingen gekommen sein. Die 24-Jährige wollte in der Auseinandersetzung offenbar schlichten.

Die Polizei Hannover bittet Zeugen des Vorfalls um Hinweise unter der Telefonnummer (0511) 109 55 55.

Burgwedel bekräftigt Willen zur Integration

Die Stadt Burgwedel hat am Montag auf ihrer Internetseite großes Bedauern über die Tat geäußert - und sich für die Integration von Zugereisten ausgesprochen: "Integration wird in Burgwedel gelebt", heißt es. "Diesen Weg möchten wir weiterhin mit allen Akteuren beschreiten und das gute Zusammenleben in unserer Stadt trotz des schrecklichen Vorfalls positiv gestalten." Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ, Dienstagausgabe) berichtet, dass die Stadt das Statement auch auf ihrer Facebook-Seite gepostet habe - nachdem darunter zahlreiche Hasskommentare eingegangen seien, habe die Stadt die Seite vom Netz genommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 28.03.2018 | 17:00 Uhr

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