Stand: 01.04.2019 15:01 Uhr

Kollege Roboter: Kleine Geste, große Wirkung

von Alexander Nortrup

Eine Industriemesse ohne Roboter wäre wohl wie ein Fußballspiel ohne Ball. Folgerichtig ist die Hannover Messe voll von Robotern: großen und kleinen, weißen und roten, mit Greifsystemen oder Sensoren aller Art, und fast immer sind sie in Bewegung. Doch um praktisch alle Roboter sind Glaskäfige errichtet, um die Besucher zu schützen. Und das ist nicht nur auf der Messe so: Auch viele Schwerlastroboter in der industriellen Fertigung sind abgeschirmt und sollen die menschlichen Mitarbeiter nicht gefährden. Ein Projekt des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz zeigt, dass es auch anders geht.

Hannover Messe: Wie Roboter auf Menschen achten

Eine Innovation: Gestensteuerung im Schwerlastbereich

Fraunhofer-Forscher Mohamad Bdiwi und sein Team bauen keine Roboter. Sie nutzen bestehende Robotersysteme aller Hersteller und wollen deren Effizienz deutlich erhöhen. "Viele bisherige Steuerungen sind höchst ineffizient", sagt Bdiwi im Gespräch mit NDR.de. Meist basierten diese auf Joysticks oder Tasten, seien ungenau und langsam. Doch bisher sind keine Gestensteuerungen im Schwerlastbereich verfügbar. "Wir haben deshalb eigens 3-D-Sensoren entwickelt, um eine realistische und für den Anwender intuitive Steuerung zu ermöglichen", sagt Bdiwi.

Roboter behält menschlichen Kollegen im Blick

Wer vor der Versuchsanordnung in Halle 26 steht, kann tatsächlich ohne Kalibrierung oder große Erklärung den Roboterarm mit der Hand in alle Richtungen lenken. Doch der kleine Roboter im Messebetrieb ist nicht der Maßstab für das Projekt. Dessen besonderer Reiz besteht darin, dass es erstmals Gestensteuerung ohne Sicherheitsglas im Schwerlastbereich ermöglicht: Für tonnenschwere Geräte, die bislang aus Sicherheitsgründen immer stoppen, wenn ein Mensch in die Nähe kommt. Das Fraunhofer-System berechnet anhand von aufwendig entwickelten Algorithmen, wie weit entfernt der menschliche Kollege vom Roboter ist. Und passt flexibel den Gefahrenbereich an, wenn der Roboter sich bewegt. Der Roboter behält die Hände des Gegenüber genauso im Blick wie dessen Gesicht - und versteht, dass eine Armbewegung im Gespräch mit einem Kollegen nicht ihm gilt.

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VW-Mitarbeiter können rückenschonend arbeiten

Eingesetzt wird das am IWU entwickelte System bereits in der Fertigung des Volkswagen-Werks in Zwickau. Dort werden Unterböden des Golf seit Jahresbeginn von einem Roboter mit Gestensteuerung an mehreren Punkten geschweißt. Bislang hatten VW-Mitarbeiter diese Arbeiten in sehr umständlichen Positionen ausgeführt und mussten dabei wenig rückenschonend arbeiten. Mit dem neuen System ist das nun ergonomischer möglich - und die Mitarbeiter zeigen dem Roboter ganz präzise, wo er schweißen soll. "Wir wollen zeigen, dass viele Forschungsergebnisse direkt industriell umsetzbar sind", sagt Matthias Putz, der Direktor des Chemitzer Fraunhofer-Instituts. "Es geht uns immer darum, Dinge in die Anwendung zu bringen."

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Hallo Niedersachsen | 01.04.2019 | 19:30 Uhr

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