Stand: 21.12.2018 17:45 Uhr

Hannover: Weihnachtsfeier der Polizei entgleist

Die Weihnachtsfeier der Zentralen Polizeidirektion in Hannover (ZPD) ist in diesem Jahr aus dem Ruder gelaufen - und sorgt für alles andere als ein besinnliches Fest bei der Behörde mit ihren knapp 2.000 Beschäftigten. Eine Strafanzeige gegen unbekannt ist die Folge, zudem drohen mehrere Disziplinarverfahren.

Polizisten nehmen Kollegen "in den Schwitzkasten"

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Ein Aushang der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen informiert über den Verlauf der ZPD-Weihnachtsfeier.

Die Feier bei der Polizei in Hannover am vergangenen Freitag, an der mehrere Hundert Beamte sowie geladene Gäste teilnahmen, entglitt offenbar gleich in mehrfacher Hinsicht. Dies schildert das Organisationsteam in einem Aushang, der dem NDR vorliegt. Detailreich wird darin beschrieben, dass es mehrere Beamte mit dem Alkoholkonsum, der auf dem Gelände der Polizei nur ausnahmsweise genehmigt war, deutlich übertrieben haben. Demnach habe ein Mitarbeiter "in den Schwitzkasten genommen werden" müssen, um eine körperliche Auseinandersetzung zu verhindern.

Verletzte Mitarbeiterin, verschwundene Geldkassette

Ein anderer ZPD-Mitarbeiter soll - wohl auch unter Alkoholeinfluss - gegen ein Gebäude uriniert haben und anschließend zusammengebrochen sein. Zudem wurde ein auf dem Gelände abgestellter Pkw beschädigt. Dabei soll es sich um den Wagen des eigens für die Weihnachtsfeier engagierten DJs handeln. In mindestens zwei Fällen eskalierte die Lage dann vollends: Eine Mitarbeiterin wurde, offenbar von einer geworfenen Bierflasche, am Kopf verletzt. Sie erlitt eine Platzwunde. Zudem wurde an einem Verkaufsstand eine Geldkassette mit mehreren Hundert Euro entwendet - "als krönender Abschluss", wie es in dem Aushang heißt.

ZPD stellt Strafanzeige gegen unbekannt

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Der Konsum von Alkohol ist auf dem Gelände der ZPD eigentlich untersagt. Für die Weihnachtsfeier wurde eine Ausnahme gemacht.

Die Behörde hat die geschilderten Aktionen bestätigt. "Es gab einzelne Vorfälle auf der Weihnachtsfeier, die bei uns für Betroffenheit sorgen und in dieser Art nicht zu akzeptieren sind", sagte ZPD-Pressesprecher Karsten Wolff NDR.de. Im Fall der verschwundenen Geldkassette sei bereits Strafanzeige gegen unbekannt erstattet, die Polizeidirektion Hannover ermittele bereits.

Disziplinarverfahren werden geprüft

Auch in den anderen Fällen läuft die Aufarbeitung. Man sei da aber noch in den Anfängen, sagte Wolff. Im Fall der verletzten Mitarbeiterin sei beispielsweise nicht klar, ob sie vorsätzlich verletzt wurde oder ob es ein Unfall war. Mögliche Täter seien noch in keinem Fall identifiziert. Eindeutig sieht es dagegen im Fall jener Beamten aus, die es mit dem Alkohol wohl übertrieben haben: In allen Fällen wird die Einleitung von Disziplinarverfahren geprüft. "Wir haben eine Vorbildfunktion. So etwas darf einfach nicht geschehen", sagte Wolff. Konsequenzen ziehen wollen auch die Organisatoren der Weihnachtsfeier: Wegen des missbrauchten Vertrauens werde man die nächste Weihnachtsfeier "nicht mehr in diesem Rahmen" ausrichten, heißt es in dem Schreiben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.12.2018 | 17:00 Uhr

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