Eine Boeing 737-800 fliegt zur blauen Stunde über die Anflugbefeuerung vom Hannover Airport. © dpa-Bildfunk Foto: Christoph Schmidt

Fluglärm in Hannover: SPD und CDU wollen mehr Schutz prüfen

Stand: 21.06.2021 17:16 Uhr

Reicht die Nachtflugregel am Flughafen Hannover aus oder muss sie verschärft werden? Die Regierungsfraktionen von SPD und CDU im Landtag wollen einen besseren Schutz der Flughafen-Anlieger prüfen.

Bei einer entsprechenden Anhörung im Landtag ist am Montag kontrovers über die mögliche Folgen diskutiert worden. Neben dem Flughafen Hannover, dem Wirtschaftsministerium, der Landeshauptstadt und den Airlines kamen dazu auch eine Bürgerinitiative und die Fluglärmkommission zu Wort. Die Nachtflugregel am Flughafen Hannover gilt seit Januar 2020. Sie besagt, dass besonders laute Flugzeuge nachts nicht mehr starten und landen dürfen. Ein komplettes Verbot gibt es allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nicht.

Flughafen-Chef verweist auf Millionenverluste

Auf mögliche Verluste im Falle weiterer Verschärfungen verwies Flughafen-Chef Raoul Hille auch am Montag in der Anhörung. Der Nachtflugverkehr sei existenziell für das Geschäftsmodell des Airports. Mit weniger Nachtflügen werde der Flughafen unwirtschaftlich und auf Stadt und Land als Gesellschafter kämen Millionenverluste und Schadensersatzansprüche des ebenfalls beteiligten privaten Finanzinvestors zu.

2.400 Arbeitsplätze bedroht

Der Leiter der Beteiligungsabteilung der Landeshauptstadt, Holger Ulbrich, unterstützte diese Argumentation. Er führte an, dass Eingriffe in die Nachtflugmöglichkeiten den Flughafen Hannover 30 Prozent seines Umsatzes und 2.400 Arbeitsplätze kosten würden. Die Hälfte der Luftfracht und 20 Prozent der Passagiere würden nachts vom Airport abheben, so Ulbrich.

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Fraktionen planen Studie

CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer betonte, dass man niemandem das Fliegen verbieten wolle. Dennoch müsste geprüft werden, wie Nachtflüge künftig gestaltet werden. Deren Anzahl habe in den vergangenen Jahren kräftig zugenommen, während die Anzahl der Flüge insgesamt zurückgegangen sei. Die Fraktionen haben im nächsten Schritt eine Studie geplant, die Möglichkeiten einer nächtlichen Fluglärmreduzierung untersuchen soll.

Arzt stützt Bürgerinitative

Für einen kompletten Ausstieg aus den Nachtflügen macht sich dagegen eine Bürgerinitiative stark. "Der Flughafen sollte nicht gezwungen sein, Gewinne auf Kosten der Gesundheit der Anwohner zu machen", sagte Poppe. Der Mainzer Kardiologe und Fluglärmexperte Thomas Münzel verwies auf gesundheitliche Folgen: Fluglärm verursache bei Betroffenen Stress, der wiederum Bluthochdruck und Herzkrankheiten auslöse. Selbst bei einem Menschen, der durch ein überfliegendes Flugzeug nicht aus dem Schlaf gerissen werde, steige der Blutdruck an, so Münzel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 21.06.2021 | 09:30 Uhr

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