Stand: 30.08.2020 16:24 Uhr

Bildungscloud: Der Schritt zum digitalen Lernen?

Ein Schüler arbeitet in seinem Klassenzimmer am Tablet. © dpa picture alliance Foto: Carmen Jaspersen
Der Unterricht übers Netz soll mit der Bildungscloud besser gelingen. (Themenbild)

Die Corona-Pandemie hat Schwung in die Digitalisierung niedersächsischer Schulen gebracht. Das steht außer Frage. Es fließt viel Geld. Zaghafter Unterricht fand vor den Sommerferien im Netz statt. Mittlerweile sollen Kinder mit Tablets ausgestattet werden, Tausende Lehrer hätten sich über die Sommerferien weitergebildet, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) vor dem Schulstart lobend hervorhob. Doch so oder so, es bleibt dabei: Es liegt noch ein langer Weg vor den Bildungseinrichtungen, der Politik und den Lehrkräften.

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Diethelm: "Das Land stellt sich besser auf"

In Niedersachsen sei aber schon einiges im Fluss, viele Schulen hätten sich "seit langem auf den Weg gemacht", erklärt Ira Diethelm, Professorin für Didaktik der Informatik an der Universität Oldenburg und Expertin im Bereich digitaler Bildung. "Schon vor der Corona-Krise haben wir beobachten können, dass sich das Land besser aufstellt, als das in den vergangenen Jahren der Fall war." Informatik als Unterrichtsfach an der weiterführenden Schule sei bereits angekündigt, "jetzt hoffen wir, dass es auch umgesetzt wird", sagt Diethelm, die bei der Debatte um die digitale Bildung auf sieben Handlungsempfehlungen verweist, die der Zusammenschluss "Offensive Digitale Schultransformation" erarbeitet hat.

Während Schülerinnen und Schüler vom Land mit Tablets für den Unterricht ausgestattet werden sollen, herrsche aber noch Unklarheit bei der Ausstattung der Lehrkräfte. "Da ist noch Nachholbedarf", sagt Diethelm.

Mehr Schulen nutzen die Bildungscloud

Die Bildungscloud komme langsam an den Schulen im Land an, so Diethelm. Sie dient als Lernplattform im Netz, die mehr und mehr die digitale Kommunikation vereinfachen und den digitalen Unterricht ermöglichen soll. Rund 2.000 von 3.000 niedersächsische Schulen haben seit März Interesse an der von der Bundesregierung geförderten Plattform bekundet, 1.100 von ihnen haben mittlerweile auch die Möglichkeit, sie zu nutzen. Das teilte das Hasso-Plattner-Institut (HPI) jüngst mit, das maßgeblich an der Entwicklung der Cloud beteiligt ist. In den vergangenen Wochen sei die Cloud um weitere Lernsoftware ergänzt worden, sagte Minister Tonne. Dazu gebe es nun mehr Lernbeispiele für Lehrkräfte.

Kritik an der Plattform

Unumstritten ist die Bildungscloud aber nicht - nicht zuletzt, weil Hackerangriffe unter anderem im Saarland und in Brandenburg die Einführung hierzulande verzögerte. Und auch der Umstand, dass es bereits Plattformen wie etwa IServ gibt, mit denen viele Schulen bereits seit Jahren arbeiten, warf bei vielen der Beteiligten Fragen auf. Kritik gibt es auch von Diethelm. Diese beziehe sich hauptsächlich auf die Entwickler der Schul-Cloud, die behaupten, es hätte zuvor keine anderen praktikablen Lösungen gegeben. Das hatte HPI-Chef Christoph Meinel zu Beginn der Corona-Krise in einem Interview gesagt.

"Bei der Debatte um die Bildungscloud habe ich häufig das Gefühl, dass nicht berücksichtigt wird, dass sich bereits viele Schulen im Land schon auf den Weg gemacht haben," erklärt Diethelm.

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Professorin Ira Diethelm im Skype-Interview. © NDR
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Ist der Staat der richtige Initiator?

Mit der Cloud werde ein System eingeführt und so getan, als ob das ganz neu wäre. Diethelm sagt, sie habe außerdem Schwierigkeiten damit, dass es von staatlicher Seite etabliert werde. Die Digital-Expertin sei dafür, dass sich so etwas am Markt von allein regeln solle. Das nenne man digitale Gewaltenteilung und die sollte auch in diesem Fall eingehalten werden. "Denn immer dann, wenn der Staat solche großen Projekte angeschoben hat, dann ist da noch nie etwas wirklich Gutes draus geworden", meint Diethelm.

"Dinge, die diskutiert werden, haben wir damals schon gemacht"

Die gewisse Standardisierung für Anbieter, die die Inhalte liefern, sei natürlich sinnvoll, "aber auch das kann man anders regeln, indem man sich auf einheitliche Austausch-Formate und Protokolle organisiert." Sie habe Schwierigkeiten, "wenn etwas, das andere, wie IServ, schon seit 20 Jahren erfolgreich tun, als etwas Neues verkauft wird". Da sollte man die bereits vorhandenen Kompetenzen nutzen, weil sich schon viele Schulen seit Jahren mit der Digitalisierung auseinandersetzten. Als Beispiel nennt sie die Schule, an der sie gearbeitet hat. "Dinge, die heute diskutiert werden, haben wir damals schon gemacht", sagte Diethelm. Das zeige, dass es große Unterschiede gebe im Land.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.08.2020 | 06:00 Uhr

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