Stand: 18.09.2018 17:43 Uhr

Volkswagen spielt uns Transparenz-Theater vor

Auch drei Jahre nach Bekanntwerden des VW-Abgasskandals sind die Verantwortlichkeiten noch immer nicht geklärt. Wie positionieren sich die deutschen Autobauer in der Diesel-Affäre?

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VW geht es nach Meinung von Peter Hornung darum, die Ermittlungen in der Dieselaffäre auszubremsen, wo immer das möglich ist.

Aufklärung, Transparenz, Offenheit, am besten noch versehen mit Adjektiven wie schonungslos, rückhaltlos, vorbehaltlos. Um Worte waren die VW-Verantwortlichen in den drei Jahren seit Beginn des Skandals nie verlegen. Das will die Öffentlichkeit, wollen die Umweltverbände, Parteien, Regierungen und Medien so hören.

Die Botschaft von VW: Wir sagen Euch, wie es war und wer es war. Wir bestrafen die, die schuld sind am Skandal, oder stellen zumindest unser Wissen zur Verfügung, damit sie bestraft werden können. Wir machen ab jetzt alles besser, damit so etwas nie wieder vorkommt. Das ist uns jetzt richtig wichtig, steht "ganz oben auf der Agenda", hat "Top-Priorität".

Gesetze der Marktwirtschaft bestimmen VW-Taktik

Sorry, aber das ist wirklich Unsinn. Eine große Aktiengesellschaft wie Volkswagen funktioniert nach den Gesetzen der Marktwirtschaft. Da ist die Frage, wie das Unternehmen öffentlich dasteht, seine Reputation, extrem wichtig. Schließlich sollen wir ja die Autos kaufen!

Aber es ist eben nur einer von vielen Punkten, die VW bei seinen Entscheidungen mit einbezieht. Weitere sind: Wie sieht es rechtlich aus? Was kostet es uns, wenn wir etwas preisgeben? Was passiert, wenn wir dem Mitarbeiter Herrn X kündigen? Wird der vielleicht mit der Presse sprechen und für uns Unangenehmes ausplaudern? Wird uns in London wer verklagen, wenn wir in Washington was sagen?

VW-Flagge

Chronologie: VW und die Diesel-Affäre

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Im Geschäftsbericht 2007 hatte VW die weltweit sauberste Dieseltechnik angekündigt. Im Mai 2014 flog der Skandal dann auf: Hinter der technischen Meisterleistung steckte Betrug.

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Transparenz und Aufklärung steht nicht an erster Stelle

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Tatsächlich sieht es so aus: Manager werden mit Millionen abgefunden, die mit  Schweigeklauseln verknüpft sind. Ex-Mitarbeiter werden in Abhängigkeit gehalten, indem Volkswagen ihnen die Rechtsanwälte zahlt. Tief in die Dieselaffäre Verstrickten wird lieber nicht gekündigt, weil sie alle ja draußen reden könnten. Der VW-Justitiar, wie durch NDR Recherchen gerade bekannt wurde, hat sich absichtlich nicht über Ermittlungsdetails aus den USA informieren lassen, damit er sich bei Staatsanwälten in anderen Ländern dumm stellen kann. Ein 2015 angekündigter Untersuchungsbericht wurde nie erstellt.

Das alles zeigt: Für VW stehen Transparenz, Offenheit und Aufklärung nicht an erster Stelle. Es geht vielmehr darum, die Ermittlungen auszubremsen, wo immer es möglich ist. Ganz oben stehen stattdessen die Unternehmenszahlen, der wirtschaftliche Erfolg, das Funktionieren des Gesamtunternehmens. Wenn Vertuschen, Verschweigen, Verwirren dem Vorstand für das Unternehmen opportun erscheinen, dann wird das auch so gemacht.

Glauben muss man das nicht ...

Das Wohlergehen des Unternehmens, der Mitarbeiter, die Rendite für die Aktionäre - zu denen ja auch das Land Niedersachsen gehört-, das alles sind legitime Ziele. Und wenn Aufklärung zu teuer ist, dann senkt der Vorstand eben den Daumen. Sagen will man es aber auch nicht, sonst steht VW wieder als das böse Unternehmen da.

Für uns, die Öffentlichkeit, heißt das drei Jahre nach Beginn des Dieselskandals: Volkswagen wird uns weiter das Transparenz-Theater vorspielen. Aber glauben muss man diesem Theater trotzdem nicht.

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NDR Info | Kommentar | 18.09.2018 | 18:30 Uhr

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