Stand: 17.04.2018 20:47 Uhr

Rechtsterror: "Für unser Volk das Beste"

Am frühen Dienstagmorgen hat es zeitgleich Hausdurchsuchungen bei vier Männern in Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein gegeben. Sie stehen im Verdacht, eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben. Unter dem Namen "Nordadler" sollen sie versucht haben, "dem Nationalsozialismus in Deutschland zum Wiedererstarken zu helfen", teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

Wladislav S. im Interview

"Nordadler"-Mitglied: Bekenntnis zu Nationalsozialismus

Panorama 3 -

Wladislav S., der von der Bundesanwaltschaft der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung verdächtigt wird, äußert sich in Panorama 3 erstmals zu den Vorwürfen.

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Beschuldigter Wladislav S. äußert sich im NDR

Nach Informationen des NDR handelt es sich bei einem der Männer um Wladislav S. aus Katlenburg-Lindau im Landkreis Northeim. Laut Bundesanwaltschaft hat die Gruppe Anschläge auf politische Gegner in Erwägung gezogen, jedoch noch nicht näher geplant. Die Beschuldigten sollen sich bemüht haben, Waffen, Munition und Baumaterial für Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen. Gegenüber dem NDR Magazin "Panorama 3" hat sich Wladislav S. zu den Vorwürfen geäußert. Er rechne sich selbst dem nationalsozialistischen Spektrum zu, sagte S.: "Das ist ein anderes Spektrum als Skinheads oder Rechtsextreme, es verfolgt schon die weltanschauliche Ideologie von damals. (...) Wir wollen für unser Volk das Beste, das heißt aber nicht, dass wir andere Völker diskriminieren."

Vorwurf: Listen mit Anschlagsopfern erstellt

Nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft haben S. und die anderen Beschuldigten Listen möglicher Anschlagsopfer wie Juden und Angehörige der Antifa erstellt und beschafft. Wladislav S. habe Dateien mit dem Titel "Antifa Göttingen" oder "Antifa Northeim" geführt. Laut Wladislav S. sind bei einem anderen Beschuldigten Listen mit Namen von Politikern sichergestellt worden. Diese sollten im Falle eines Staatszusammenbruchs "zur Rechenschaft" gezogen werden. Anschläge seien aber nicht geplant, so Wladislav S. gegenüber "Panorama 3".

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Bei einer Razzia in Norddeutschland sind Wohnungen mutmaßlicher Mitglieder der terroristischen Vereinigung "Nordadler" durchsucht worden. Festgenommen wurde niemand. Video (03:40 min)

Wladislav S.: Vorwürfe sind "lächerlich"

S. ist den Behörden schon länger bekannt: Der 22-Jährige wurde im vergangenen Jahr vom Landgericht Braunschweig zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Im Prozess machte er aus seiner rechtsextremen Gesinnung keinen Hehl. Für Irritationen sorgte allerdings, dass er mit anderen Angeklagten vor Gericht stand, die der islamistischen Szene zugerechnet werden. Dem damaligen Hauptangeklagten Sascha L. wurde vorgeworfen, Sprengstofffallen gebaut zu haben, mit denen er Polizeibeamte in die Falle locken wollte. Er hatte längere Zeit bei Wladislav S. gewohnt und war dann selbst wegen der Vorbereitung einer sogenannten staatsgefährdenden Gewalttat zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Gegenüber "Panorama 3" sagte Wladislav S. über Sascha L.: "Ich kannte ihn aus nationalsozialistischen Kreisen." Die Vorwürfe gegen seine Person in diesem Zusammenhang seien "lächerlich", so S. Weil im Zusammenhang mit L. sein eigener Computer beschlagnahmt wurde, seien die Ermittler auf seine Gruppe aufmerksam geworden.

Ein Blaulicht befindet sich auf einem Polizeiwagen. © picture alliance / dpa Fotograf: Friso Gentsch

Razzia gegen Terrorgruppe "Nordadler"

In Norddeutschland sind Wohnungen mutmaßlicher Rechtsextremisten durchsucht worden. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen die Gruppe "Nordadler" wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung.

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"Nordadler" auch bei Facebook

Wladislav S. wird auch als Kontakt auf einer Homepage aufgeführt, auf der der oder die Urheber aus ihrer offenkundigen Verehrung des Nationalsozialismus kein Geheimnis machen. Gesprochen wird hier von "weltanschaulichem Kampf", gerühmt werden "wertvolle Volksgenossen" und man phantasiert, "das Volk müsse sich erheben, um mit dem alten germanischen Geist ein Zweckbündnis einzugehen".

Auch bei Facebook findet sich eine Seite namens "Nordadler". Abonniert von mehr als 1.000 Personen ist sie eine wüste Mischung aus fremdenfeindlichen Beiträgen und einem klaren Bekenntnis zum Nationalsozialismus. Gepriesen wird ein Oppositionsprojekt der Gruppe "Nordadler", dessen Ziel es sei, eine "echte, auf völkischem Bewusstsein basierende Gemeinschaft germanischen Glaubens, Atamanen oder Nationalsozialisten" zu bilden, um das Volk auf die "kommenden Ereignisse" vorzubereiten.   

Keine Waffen gefunden

Bei den Durchsuchungen am Dienstag gab es keine Festnahmen - weder bei Wladislav S. noch im Emsland. Dort untersuchten Polizeibeamte nach NDR Informationen in der Nähe von Dörpen ein Objekt eines weiteren Beschuldigten. Außerdem wurden Wohnungen in Bremen und im Landkreis Pinneberg in Schleswig-Holstein untersucht. Auch dort gab es keine Festnahmen. Nach NDR Informationen wurden auch keine Waffen gefunden. Es wurden allerdings Datenträger und Computer beschlagnahmt. Patrick S. , der Verdächtige im Kreis Pinneberg, gab gegenüber dem NDR an, die Souveränität Deutschlands infrage zu stellen. Er sei aber kein Reichsbürger.

Weitere Informationen

Nach Razzia: Verdächtiger Rechtsterrorist äußert sich erstmals

Wladislav S., der von der Bundesanwaltschaft der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung verdächtigt wird, äußert sich in Panorama 3 erstmals zu den Vorwürfen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 17.04.2018 | 11:15 Uhr

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