Stand: 28.05.2018 11:26 Uhr

Neue Abgastests: VW erwartet Produktionsengpässe

Wegen der Umstellung auf einen neuen Abgas-Teststandard rechnet Volkswagen von August an bei der Kernmarke VW mit Engpässen in der Produktion. Das bedeute dann zeitweilig auch weniger Beschäftigung wegen geringerer Auslastung, sagte Personalleiter Martin Rosik dem Mitarbeiter-Magazin "Inside", das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Der neue Prüfzyklus WLTP wird im September für sämtliche Neuwagen bindend, von September 2019 an werden zudem realitätsnahe Straßen-Abgastests Pflicht.

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In Kürze Information der Belegschaft

Es werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, betonte Rosik. Dennoch seien Lieferengpässe bei bestimmten Modellen möglich. Laut Rosik werde derzeit ein Produktionsprogramm entwickelt, mit dem die Umstellungsphase optimal gemeistert werden soll. Voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni werde mit dem Betriebsrat die Umsetzung besprochen. Sobald es Entscheidungen gebe, solle die Belegschaft informiert werden.

Fertigungsstopp für bestimmte Diesel-Modelle

Einige Varianten, die bis dahin noch kein WLTP-Zertifikat hätten, müssten vorläufig aus dem Programm genommen werden, sagte Rosik. Aktuell hat Volkswagen einen vorübergehenden Fertigungsstopp für wichtige Diesel-Modelle angeordnet, um die fehlerhafte Anzeige einer Warnleuchte zu beheben. Wie der Konzern bestätigte, müsse ein Software-Update für den vielfach verbauten 2.0-TDI-Motor entwickelt werden. Für betroffene Modelle vom Typ Passat mit Frontantrieb und 7-Gang-DSG sowie das damit ausgerüstete Modell Arteon sei die Produktion bis zur "Bereitstellung einer Abstellmaßnahme" vorübergehend ausgesetzt worden.

Das neue Testverfahren WLTP

Die Verbrauchs- und Schadstoffangaben der Fahrzeughersteller sollen künftig realitätsnäher sein. Das soll durch das "Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure" (WLTP) erreicht werden. Das neue Testverfahren zur Bestimmung von Abgasemissionen und Kraftstoffverbrauch gilt ab dem 1. September 2018 EU-weit für die Typzulassung neuer Pkw. Das WLTP ersetzt den seit 1992 gültigen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Im Unterschied zum NEFZ gelten neue Beschleunigungs- und Geschwindigkeitswerte. Außerdem müssen die Hersteller künftig alle Ausstattungsvarianten eines Modells testen lassen. Durch diese Faktoren dürften die ermittelten Kraftstoffverbräuche spürbar über den bisherigen Werten liegen.

Kunden sollen Fehlerhinweis ernst nehmen

Nach VW-Angaben kann es bei Modellen, die mit 2,0-Liter-TDI-EU6-Motor mit 140 kW und DSG-Getriebe ausgestattet sind, vorkommen, dass über die gelbe Motorkontrollleuchte auf ein Problem mit dem Abgasnachbehandlungssystem hingewiesen wird, obwohl tatsächlich kein derartiges Problem besteht. Kunden sollten das Aufleuchten der gelben Motorkontrollleuchte dennoch ernst nehmen und eine Vertragswerkstatt aufsuchen, um den angezeigten Fehler analysieren zu lassen.

Probleme auch bei BMW

Auch BMW hatte kürzlich bekanntgegeben, dass die Umstellung auf WLTP nicht reibungslos verläuft. Demnach stoppt der Konzern vorübergehend die Produktion mehrerer Modelle mit Benzinmotoren für den europäischen Markt, um sie für die neuen EU-Verbrauchsmessungen fit zu machen. Der 7er-BMW soll als Benziner in Europa sogar ein Jahr lang aus dem Angebot genommen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 28.05.2018 | 11:30 Uhr

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