Krise: Volkswagen verschiebt Planungsrunde zu Investitionen

Stand: 28.10.2021 19:09 Uhr

Die schlechten Nachrichten nehmen kein Ende: Jobabbau, negative Quartalszahlen, Streit zwischen dem Konzernchef und der Betriebsratschefin. Und nun verschiebt VW auch noch seine Investitionsrunde.

Die sogenannte Planungsrunde, die die milliardenschweren Ausgaben für die nächsten fünf Jahre festzurrt und damit auch über die Modellbelegung von Werken entscheidet, soll nun am 9. Dezember stattfinden, sagte VW-Chef Herbert Diess am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bislang sollte am 12. November über die mittelfristige Investitionsplanung und Verteilung der Gelder innerhalb des Konzerns entschieden werden.

Der Betriebsrat will ein zusätzliches E-Mobil für Wolfsburg

In den vergangenen Tagen hatte sich bereits angedeutet, dass die Gesprächspartner mehr Zeit brauchen, um zu einer gemeinsamen Linie zu finden. Traditionell wird im Volkswagen-Konzern in der Planungsrunde im November hart um die Gelder für neue Anlagen und Investitionen gerungen. Zuletzt kam es wieder zu deutlicher Kritik aus der Arbeitnehmervertretung, die in der Budgetrunde unter anderem ein zusätzliches Elektromodell für das Stammwerk in Wolfsburg fordert. Betriebsratschefin Daniela Cavallo monierte die niedrige Auslastung am Stammsitz.

Diess fordert mehr Geschwindigkeit bei Entscheidungen

Nach einer Telefonkonferenz zwischen VW-Vorstand Diess und Journalisten ebenfalls am Donnerstag hatte die Sorge vieler Beschäftigter um ihre Arbeitsplätze neue Nahrung bekommen. Diess hatte in dem Gespräch "etwas Personalabbau" angekündigt. Dieser stehe im Zusammenhang mit der Transformation des Unternehmens hin zu Elektromobilität. Künftig werde deutlich weniger Personal benötigt, sagte Diess. Betroffen sei vor allem das Stammwerk in Wolfsburg. "Wir brauchen mehr Geschwindigkeit in der Entwicklung neuer Fahrzeuge und bei der Entscheidungsfindung", so der 63 Jahre alte Manager.

Diess: "Geht das ohne Arbeitsplatzabbau? Nein."

Auf einer Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend sei beschlossen worden, dass Management und Betriebsrat eine gemeinsame Vision ausarbeiten, um Wolfsburg bis 2030 fit für den Wettbewerb zu machen. Denn der Druck von außen ist groß. Konkurrent Tesla baut gerade ein riesiges Elektroauto-Werk bei Berlin. "Das ist die Herausforderung, der Wolfsburg sich stellen muss", sagte Diess. "Geht das ohne Arbeitsplatzabbau? Nein." Auf der Streichliste stehen demnach Jobs in Produktion, Verwaltung und Entwicklung. Mitte Oktober war spekuliert worden, dass VW bis zu 30.000 Stellen abbauen will. Die Konzernspitze hatte diese Zahl dementiert.

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Quartals-Gewinn sinkt um 12,1 Prozent gegenüber Vorjahr

Aktuell macht die Chip-Krise dem Unternehmen schwer zu schaffen. Das lässt sich auch an den Zahlen des dritten Quartals ablesen, die Volkswagen am Donnerstag bekannt gegeben hat. Demnach ist der Gewinn um 12,1 Prozent gesunken, weil VW aufgrund fehlender Halbleiter rund ein Viertel weniger Neuwagen ausgeliefert hat als im Vergleichsquartal 2020 inmitten der Corona-Pandemie. Besonders betroffen seien die Marken Skoda und Seat sowie das China-Geschäft.

Chip-Mangel Experten zufolge dauert an

In der jüngeren Vergangenheit hatten Lieferausfälle und Versorgungsengpässe wiederholt zu Kurzarbeit an den Standorten geführt. Bänder standen still, die Werke - allen voran Wolfsburg - sind nicht ausgelastet. Durch die Kurzarbeit fallen Zuschläge für die Angestellten weg. Experten gehen davon aus, dass die Lieferengpässe für Halbleiter mindestens bis ins kommende Jahr andauern werden. Nach Rekordgewinnen im Sommer hatte VW die Renditeerwartungen für 2021 angehoben. Trotz der Ergebnisse des dritten Quartals will das Unternehmen dabei bleiben. Denn auf Konzernebene macht VW weiter Plus. Der Betriebsgewinn von Januar bis Ende September lag mit 14,2 Milliarden Euro "weiter auf einem soliden Niveau" und über dem Vorjahreszeitraum, hieß es in der Mitteilung.

Cavallo setzt sich im Streit um Betriebsversammlung durch

Am kommenden Donnerstag ist zudem eine Betriebsversammlung geplant, an der nach scharfer Kritik von Betriebsratschefin Cavallo auch Diess teilnehmen wird. Der Vorstandschef hatte ursprünglich geplant, sich auf einer USA-Reise mit Investoren, Politikern und Beschäftigten zu treffen. Cavallo sprach von einer Provokation. "Herbert Diess zieht die Investoren an der Wall Street der eigenen Belegschaft vor", so die Betriebsratschefin. Diess zeige in der Krise weder Empathie noch Gespür für die Situation der Belegschaft, warf sie ihm vor. Daraufhin hatte Diess die Reise ab - und seine Teilnahme zugesagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.10.2021 | 14:00 Uhr

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