Stand: 12.03.2019 16:59 Uhr

Hoffnungsvolle Entwicklungen bei Volkswagen

Volkswagen hat im vergangenen Jahr trotz der Zusatzkosten durch die Dieselaffäre mehr Geld verdient. Wie der Auto-Konzern mitteilte, erhöhte sich der Gewinn nach Steuern um etwa sechs Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Auch der Umsatz und die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge stieg an. In den kommenden zehn Jahren will VW den Wechsel in die Elektromobilität forcieren. Statt wie bisher geplant 50 sollen 70 neue E-Modelle auf den Markt kommen.

Ein Kommentar von Arne Schulz, NDR Info

In München könnte im Sommer der erste deutsche Strafprozess im Dieselskandal beginnen. Frühere Top-Manager wie Rupert Stadler, Audi-Chef bis 2018, müssen nun zittern. Nach vielen außergerichtlichen Vergleichen darf sich demnächst außerdem der Bundesgerichtshof wohl endlich mit dem Abgasbetrug befassen - ein Termin, auf den Millionen geschädigte Autofahrer seit Langem hin fiebern. Zwei Beispiele, die zeigen, dass die Aufarbeitung der kriminellen Machenschaften bei VW wohl noch über Jahre die Schlagzeilen bestimmen wird.

Das hat allerdings zur Folge, dass andere, hoffnungsvolle Entwicklungen bei dem Autobauer häufig von einer breiten Öffentlichkeit unbemerkt bleiben. Viele Menschen haben wahrscheinlich noch gar nicht mitbekommen, dass der Konzern sich den wohl größten Umbau seiner Geschichte verordnet hat - als Reaktion auf den Abgasskandal und schärfere staatliche CO2-Vorgaben. Diesel sei Dank!

Die Konzernführung meint es ernst

Innerhalb von zehn Jahren will Volkswagen 22 Millionen Elektro-Fahrzeuge produzieren. Am Ende dieser Dekade sollen mindestens 40 Prozent der Flotte elektrifiziert sein. Die auf der Jahres-Pressekonferenz vorgestellten Ziele sind deutlich ehrgeiziger als die bisherigen Pläne. Und es ist gut möglich, dass VW die Vorgaben demnächst noch weiter nach oben korrigieren wird.

Man kann es nach den Skandalen der Vergangenheit ja kaum glauben, aber es gibt tatsächlich einige Indizien, dass die Konzernführung es ernst meint. Zum Beispiel bei den Batterien: Bei der Herstellung der Batteriezellen entsteht ja bekanntlich viel CO2 - was bei den gesetzlichen Vorgaben bislang jedoch nicht berücksichtigt wird. So sind viele E-Autos nur auf dem Papier sauberer als die klassischen Verbrenner.

Volkswagen gibt das offen zu und verspricht, die gesamte Produktion CO2-neutral zu gestalten. Dafür hat der Konzern bereits erste Verträge mit den Zulieferern der Batteriezellen geschlossen: Sie dürfen in ihren Werken nur noch Ökostrom verwenden. Außerdem will Konzernchef Herbert Diess offenbar eine interne CO2-Steuer einführen. So würden Konzerneinheiten belohnt, die besonders umweltfreundlich arbeiten. Wie nachhaltig das alles ist, wird sich noch zeigen. Aber die Entwicklungen haben selbst langjährige Kritiker positiv überrascht.

VW kann auf große Erfahrung zurückgreifen

Oft wird ja die These vertreten, die deutsche Autoindustrie habe die Zeichen der Zeit verkannt und steuere nun geradewegs auf den Abgrund zu. Ich denke, damit machen wir es uns ein wenig zu einfach. Tesla mag ein Elektroauto-Pionier sein. Aber Volkswagen kann, anders als Tesla, auf seine große Erfahrung in der Massenproduktion zurückgreifen. Und mit den Milliardengewinnen aus dem klassischen Geschäft kann das Unternehmen seine groß angelegte Offensive beim autonomen Fahren, neuen Mobilitätsdiensten und der Elektromobilität leichter finanzieren.

Natürlich ist noch vollkommen offen, welcher Autobauer das Rennen gewinnt. Unklar ist auch, wie viel des Geschäfts sich Internetkonzerne wie Google abzwacken werden, wenn stark vernetzte selbstfahrende Autos in einigen Jahren Realität sind. Aber vielleicht stehen die Chancen für den Wolfsburger Autobauer gar nicht so schlecht.

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NDR Info | Kommentar | 12.03.2019 | 18:30 Uhr

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