EU-Ranking: Göttingen ist deutsche Stadt mit sauberster Luft

Stand: 17.06.2021 18:22 Uhr

Wie steht es um die Luftqualität in europäischen Städten? Das hat die EU-Umweltagentur EEA anhand der Feinstaubbelastung in 323 Städten ausgewertet. In Deutschland schnitt Göttingen am besten ab.

Unter den 52 gelisteten deutschen Städten ist Göttingen Spitzenreiter. Im europaweiten Vergleich belegt die Stadt im Süden Niedersachsens den 29. Platz. Europaweit den ersten Platz in der Luftqualitäts-Rangliste belegt die Stadt Umeå in Schweden, gefolgt von Tampere in Finnland, Funchal auf der portugiesischen Insel Madeira und Estlands Hauptstadt Tallinn. Die Schlusslichter finden sich dem Ranking zufolge überwiegend in Polen und im Norden Italiens.

Stadt Göttingen: Wir tun was für saubere Luft

Im Göttinger Rathaus ist man stolz auf den ersten Platz. Die Verwaltung habe in den vergangenen Jahren auch einiges für bessere Luft getan, sagte Stadtsprecher Dominik Kimyon dem NDR Niedersachsen. Beispielsweise sei der Fahrradverkehr kräftig gefördert worden. Auf einem neu gebauten Rad-Schnellweg gehe es für Fahrradfahrerinnen- und -fahrer zwischen dem Süden und dem Norden der Stadt seit einiger Zeit flotter voran. Außerdem habe die Stadt Fahrradstraßen eingerichtet, auf denen die Radler Vorrang vor Autos haben. Die Fahrradstraßen wolle die Stadt weiter ausbauen. Mehr als jeder vierte Göttinger steige inzwischen regelmäßig vom Auto aufs Rad um, sagte Kimyon. Auch beim ÖPNV habe sich schon einiges getan. Geplant sei, die Flotte von Hybridbussen mit Diesel- und Elektromotor zu erweitern und auch reine E-Busse anzuschaffen.

Gute Luftqualität auch in Hannover und Osnabrück

Die EU-Umweltagentur hat die Liste am Donnerstag veröffentlicht. Grundlage sind die Messdaten zur Feinstaubbelastung in 323 Städten in 26 EU-Ländern sowie in Island, Norwegen und der Schweiz. Im Ranking vertreten sind außerdem die niedersächsischen Städte Hannover - auf Platz 56 - und Osnabrück auf Platz 61. Den drei niedersächsischen Städten und 27 weiteren deutschen Städten attestiert die EU-Umweltagentur eine "gute Luftqualität". In den 22 anderen deutschen Städten wird die Luftqualität als "moderat" eingestuft. Schlusslicht unter den deutschen Städten ist Berlin auf Rang 219.

WHO-Empfehlung liegt deutlich unter EU-Grenzwert

Die Einordnung bezieht sich auf die durchschnittliche Luftbelastung mit Feinstaub in den Jahren 2019 und 2020. Die WHO empfiehlt, dass die Langzeitbelastung 10 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten sollte. Die EU gibt einen Wert von 25 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft als jährliche Belastungsgrenze an. Folgende Belastungswerte liegen dem Ranking zugrunde:

  • gut: weniger als 10 Mikrogramm
  • moderat: zwischen 10 und 15 Mikrogramm
  • schlecht: zwischen 15 und 25 Mikrogramm
  • sehr schlecht: mehr als 25 Mikrogramm

Feinstaub als "Luftschadstoff Nummer eins"

In keiner deutschen Stadt stufte die Behörde die Luftqualität als "schlecht" oder "sehr schlecht" ein. Allerdings wurden mehrere Großstädte nicht mit eingeordnet - wie auch in anderen Ländern. Laut EEA kann das daran liegen, dass Messstationen oder bestimmte Daten fehlten. In ihrem Bericht wies die EEA darauf hin, dass Luftverschmutzung weiter ein ernsthaftes Problem und ein reales Gesundheitsrisiko in vielen europäischen Städten sei. Feinstaub bleibe dabei der Luftschadstoff Nummer eins, der den größten Einfluss auf vorzeitige Todesfälle und Erkrankungen habe, sagte die Leiterin der EEA-Fachgruppe für Luftverschmutzung, Umwelt und Gesundheit, Catherine Ganzleben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.06.2021 | 12:00 Uhr

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