Stand: 11.08.2020 18:52 Uhr

Umfrage: Gastronomen sehen Existenz gefährdet

Auf einem Tisch in einem Restaurant ist eine kleine Tafel, die auf Hygiene- und Abstandsregeln hinweist. © dpa - Bildfunk Foto: Martin Schutt
In der Gastronomie können die fehlenden Umsätze nicht ausgeglichen werden. (Archivbild)

Gastronomen und Hoteliers haben schwere Monate hinter sich - auch in Niedersachsen. Erst mussten sie wegen der Corona-Pandemie komplett schließen. Dann durften sie unter Auflagen wieder öffnen. Trotzdem bleiben die Umsätze seitdem bei vielen auf niedrigem Niveau. Zudem kann das verloren gegangene Geschäft nicht aufgeholt werden. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Demnach sehen zwei von drei Betrieben ihre Existenz gefährdet.

Dehoga: Hilfen müssen ausgeweitet werden

Um die Branche sei es schlecht bestellt, so Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbandes Niedersachsen. Seit März seien den Betrieben zwei Drittel der Umsätze im Vergleich zum Vorjahr weggebrochen. Und die Aussichten seien nicht besser. Laut Umfrage rechnen die Dehoga-Mitglieder für das gesamte Jahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu 60 Prozent. Bei Hoteliers sind von August bis Oktober etwa 50 Prozent weniger Zimmer reserviert als im Vorjahreszeitraum. Der Staat müsse helfen, so Balke. Kurzarbeitergeld, Finanzhilfen vom Staat - all das müsse ausgeweitet werden. Viele Betriebe würden Berge von Rückständen vor sich herschieben. Gestundete Pachten und Steuern müssten bald gezahlt werden. Viele Insolvenzen würden nicht verhindert, sondern nur verzögert.

Mehr Aufwand, weniger Gäste

Die Lage sei schlimm, der Sinkflug nur nicht mehr so steil. So beschreibt auch der Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Region Hannover, Jörg Lange, die vergangenen Wochen. In vielen Lokalen würden mehr Mitarbeiter benötigt, um zu desinfizieren und das Einhalten der geltenden Auflagen zu kontrollieren. Gleichzeitig könnten aufgrund der Abstandsregeln aus Platzgründen oft weniger Gäste bewirtet werden. Die Einbußen seien noch gar nicht zu beziffern, sagt Lange. Sorge bereitet ihm unter anderem die abnehmende Akzeptanz der Corona-Regeln: Das beste Hygienekonzept wirke nicht, wenn die Gäste es nicht einhalten und beispielsweise falsche Kontaktdaten angeben.

Landkreis Nienburg: Landgasthöfe besonders getroffen

Im Landkreis Nienburg leiden vor allem die Landgasthöfe. Ihnen fehlten die großen Familienfeiern, sagt der Kreisvorsitzende Friedrich-Wilhelm Gallmeyer. Er rechnet mit einer zunehmenden Zahl von Insolvenzen. Die Außengastronomie laufe derzeit vergleichsweise gut, so Christine Reimer, vom Kreisverband Celle. Dennoch gehe sie davon aus, dass die Lokale nur zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet seien. Sorge bereiten ihr Herbst und Winter - dann könnten die Gäste nicht mehr draußen sitzen und auch staatliche Hilfen endeten irgendwann, so Reimer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.08.2020 | 06:00 Uhr

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