Impfung für alle: Zehntausende lassen sich registrieren

Stand: 07.06.2021 20:46 Uhr

Die Impfpriorisierung ist auch in Niedersachsen vorbei - seit diesem Montag kann sich jeder um einen Termin für eine Corona-Impfung bemühen. Zehntausende Menschen haben das direkt gemacht.

Das Impfportal des Landes hätte allein zwischen 8 Uhr am Morgen und der Mittagszeit mehr als zwölf Millionen Zugriffe verzeichnet, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) dem NDR in Niedersachsen. Über die Telefonhotline hätten sich mehr als 20.000 Anrufer gemeldet. Zudem hätten sich mehr als 90.000 Menschen für einen Impftermin in den Impfzentren registriert.

Andrang geringer als vom Ministerium erwartet

Das Interesse sei allerdings nicht so stark gewesen wie zuvor vermutet worden war, sagte Behrens. "Es gibt einen Andrang, aber er ist überschaubar", sagte die Ministerin am Montagnachmittag. Ein Grund sei, dass von Anfang an kommuniziert worden sei, dass es derzeit mehr Impfwillige als Impfstoff gebe. Technische Probleme habe es bislang nicht gegeben. "Sowohl das Impfportal als auch unsere Hotline laufen seit 8 Uhr einwandfrei", sagte die Ministerin.

Behrens: Warteliste wird erst abgearbeitet

Behrens betonte erneut, dass alle Menschen, die bereits vor dem Wegfall der Priorisierung auf den Wartelisten standen, dort Vorrang haben. Alle Menschen aus den nicht-priorisierten Gruppen, die sich nun anmelden würden, müssten sich hinten anstellen. "Von daher geht es relativ gerecht zu in Niedersachsen", sagte Behrens. Nach Angaben des Ministeriums standen am Montag 650.000 Menschen auf der Warteliste. Das Land hatte in der vergangenen Woche betont, dass man mit Wartezeiten von mehreren Wochen rechnen müsse.

Ärzte bitten um Geduld bei Terminvergabe

Neben dem Gesundheitsministerium rufen unter anderem auch die niedergelassenen Mediziner in Niedersachsen zu Geduld bei der Vereinbarung von Corona-Impfterminen auf. "Wenn die Telefonleitungen zu den Arztpraxen ständig belegt sind und die E-Mail-Postfächer überlaufen, kommen andere Patienten, zum Beispiel solche mit einer chronischen Erkrankung, nicht mehr durch", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Detlef Haffke, am Montag.

KVN: Kommunikation hat absurde Züge angenommen

Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich nicht direkt alle in dieser Woche an die Praxen wenden, sondern es im Laufe des Monats versuchen. Belastet sehen sich die niedergelassenen Ärzte laut Haffke nicht vom Impfaufwand selbst, sondern vor allem wegen der Vereinbarung der Termine. Die Kommunikation mancher Bürgerinnen und Bürger mit dem Praxispersonal habe in den vergangenen Wochen absurde Züge angenommen. Haffke rief dazu auf, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Praxen "nicht so hart ins Gericht zu gehen".

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Kritik am Vorgehen der Landesregierung äußerte FDP-Fraktionsvorsitzender Stefan Birkner. Die Regierung habe viele Erwartungen geweckt - und damit den Erwartungsdruck auf Hausärzte und Impfzentren umgeleitet. Die Frustration der Menschen, die keinen Impftermin bekommen, müsse nun von den Mitarbeitenden der Praxen und Impfzentren ausgehalten werden. "Das führt bei vielen Arztpraxen zu extremer Frustration, weil sie da an der Front der mangelnden Verwaltung sind", sagte Birkner. Die Landesregierung müsse offensiver und klarere kommunizieren, wie viel Impfstoff wann zur Verfügung stehe und wie der Impfstoff verteilt werde, forderte Birkner.

Aufhebung der Impfpriorisierung vergangene Woche beschlossen

Die Landesregierung hatte die Aufhebung der Priorisierung vergangene Woche auch für die Impfzentren beschlossen. Eine Reihenfolge sei durch das Abarbeiten der Wartelisten gegeben. Außerdem sei die Impfquote im Land bei besonders gefährdeten Gruppen hoch, hieß es aus dem niedersächsischen Gesundheitsministerium. Bisher standen bei der Corona-Impfung ältere und besonders kranke Menschen sowie Personen, die beruflich höheren Infektionsrisiken ausgesetzt sind, im Fokus.

Online-Anmeldung wird empfohlen

Anmeldungen für einen Termin in den Impfzentren sind über das Impfportal des Landes sowie über die Hotline unter der Telefonnummer (0800) 99 88 665 möglich. Das Gesundheitsministerium empfiehlt, vor allem das Onlineportal für die Anmeldung zu nutzen. Wer einen Termin bekommen habe, solle zudem unbedingt sicherstellen, dass er auf keiner anderen Warteliste mehr steht, teilte das Ministerium mit.

Betriebsärzte impfen auch mit

Seit Montag sind auch die Betriebsärzte landesweit in die Impfkampagne eingestiegen. Einige Unternehmen haben das Impfen im Betrieb in den vergangenen Wochen bereits getestet. Im Juni erhält Niedersachsen vom Bund für die 52 Impfzentren den Angaben zufolge weiterhin rund 235.000 Dosen pro Woche. Niedergelassene Ärzte bekommen in der Woche 350.000 Dosen für ihre Praxen. Niedersachsens Betriebsärzte sollen zunächst rund 70.000 Dosen pro Woche erhalten.

 

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.06.2021 | 17:00 Uhr

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