Zahl der Krebstoten in MV seit 2011 um 13 Prozent gestiegen

Stand: 04.02.2023 13:18 Uhr

Laut Statistischem Landesamt sind fast ein Viertel aller Sterbefälle in Mecklenburg-Vorpommern Folge einer Krebserkrankung. Die Zahl der Krebstoten hat in den vergangenen zehn Jahren um 13 Prozent zugenommen. Gleichzeitig gehen immer weniger Menschen zur Vorsorge.Die Krebsgesellschaft MV warnt vor fatalen Folgen.

Wie das Statistische Landesamt mitteilte, starben im Jahr 2021 insgesamt 5.883 Personen - 3.388 Männer und 2.495 Frauen - aus dem Nordosten an den Folgen einer Krebserkrankung. Dies sei ein Anteil von 24,4 Prozent an den insgesamt 24.152 Sterbefällen im Land. Bei Männern führten den Angaben zufolge am häufigsten Lungen- und Bronchialkrebs, Prostatakrebs sowie Pankreaskrebs zum Tode. Bei Frauen waren Todesfälle besonders oft auf Brustkrebs, Lungen- und Bronchialkrebs sowie Pankreaskrebs zurückzuführen.

Weitere Informationen
Das sogenannte SPECT CT ist ein modernen Gerät, das zwei Verfahren kombiniert: Die Computertomographie und die Single-Photon-Emissions-Tomographie. © Universitätsmedizin Greifswald Foto: Christian Arns

Greifswald: Neues Gerät zur Behandlung von krebskranken Kindern

An der Universitätsmedizin Greifswald ist ein neues Gerät in Betrieb genommen worden, das sowohl die Diagnose als auch die Therapiemöglichkeiten bei krebskranken Kindern verbessern soll. mehr

Corona bremste Vorsorge zusätzlich aus

Zugleich hapert es bei der Krebsvorsorge. Die Corona-Pandemie hat die Vorsorge zusätzlich ausgebremst. Die Krebsgesellschaft MV warnt vor fatalen Folgen. Vor allem die Haut- und Gebärmutterhals- Krebsvorsorge wird von immer weniger Menschen in Mecklenburg- Vorpommern in Anspruch genommen. Laut einer AOK-Statistik ihrer Versicherten lag zum Beispiel die Zahl der Untersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs knapp 14 Prozent unter dem Wert von 2019. Die stärksten Rückgänge waren in der Inanspruchnahme der Hautkrebs-Früherkennung - verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 lag das Minus bei 19 Prozent.

Krebsgesellschaft: Besorgniserregende Zahlen

Die Zahlen seien besorgniserregend, so Dr. Ernst Klar, Geschäftsführer der Krebsgesellschaft MV. Denn im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig diagnostizierter Krebs sei in bis zu 90 Prozent der Fälle heilbar. Hinzu komme, dass nur durch die Vorsorge Krebsvorstufen erkannt werden, die noch rechtzeitig beseitigt werden können. Die Krebsgesellschaft fürchtet, dass das Ausmaß des Problems erst in zwei bis drei Jahren klar wird.

Weitere Informationen
Forschung im Labor. © fotolia.com Foto: Alexander Raths

Krebs frühzeitig erkennen: Neue Wege in der Forschung

Forscher versuchen, über kleinste molekulare oder genetische Veränderungen Hinweise auf eine Krebserkrankung zu erhalten. mehr

Fast jeder findet Vorsorge sinnvoll

Laut einer Forsa-Befragung, die die AOK in Auftrag gegeben hatte, gaben 94 Prozent von rund 1.500 Befragten an, dass sie die Untersuchungen zur Krebs-Früherkennung sinnvoll finden. Allerdings erklärte die Hälfte der Befragten, dass sie das Ausmachen von Terminen zur Gesundheitsvorsorge zumindest ab und zu aufschieben würden. Ein Viertel der Menschen gab an, dass sie wegen anderer Aufgaben keine Zeit und Energie für die Krebsfrüherkennung hätten. Fast 20 Prozent erklärten, schon einmal eine Untersuchung über den empfohlenen Kontrolltermin hinausgezögert zu haben, obwohl rückblickend genug Zeit dafür zur Verfügung gestanden hätte.

Manche Vorsorgeuntersuchungen schon ab 20 Jahren empfohlen

Früherkennungsuntersuchungen für Gebärmutterhalskrebs und Krebserkrankungen der äußeren Geschlechtsorgane können Frauen ab 20 Jahren wahrnehmen. Die Brustkrebsfrüherkennung beginnt mit 30 Jahren. Die Untersuchung auf Hautkrebs kommt im Alter von 35 Jahren dazu. Nur wenn der Tumor frühzeitig erkannt wird, kommt es kaum zur Metastasierung.

Beratungs- und Hilfsangebote in MV

Die Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern weist anlässlich des Weltkrebstages auf ihre Beratungs- und Hilfsangebote hin. Seit 2021 seien ambulante Krebsberatungsstellen landesweit etabliert worden. Von den Hauptstandorten in Rostock, Greifswald und Parchim würden sieben Außenstellen flächendeckend angefahren, um möglichst wohnortnahe Beratung anzubieten.

"Die Krebsberatungsstellen unterstützen überall dort, wo Fragen ohne Antwort bleiben", erklärt Ernst Klar, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Krebsgesellschaft MV. Sie würden Betroffene und deren Angehörige nach der Diagnose psychisch auffangen, sie aber auch während und nach der Therapie begleiten.

Weitere Informationen
Eine Hautärztin schaut sich den Rücken eines Patienten an. © Colourbox

Weißer Hautkrebs: Vorstufen erkennen und behandeln

Weißer Hautkrebs ist häufiger als schwarzer. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, sind Heilungschancen jedoch gut. mehr

Ein kleiner medizinischer Glasbehälter mit einer trüben Flüssigkeit wird gehalten. © colourbox Foto: Gamjai

Krebsvorsorge für Frauen: HPV-Test ist Kassenleistung

Eine HPV-Infektion kann zu Gebärmutterhalskrebs führen. Zur Früherkennung bieten die gesetzlichen Krankenkassen Frauen ab 35 Jahren einen HPV-Test an. mehr

Keine Angst vor einer Darmspiegelung

Sie ist eine effektive Form der Krebsvorsorge und harmlos, gilt aber vielen Menschen als unangenehm: die Darmspiegelung. Dabei bekommt der Patient in der Regel nichts davon mit. mehr

Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 04.02.2023 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Wolgast: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hält bei der Kiellegung der Fregatte F126 "Niedersachsen" auf der Peene-Werft einen Hammer in der Hand. Neben ihm stehen Manuela Schwesig (SPD, l), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und Stephan Weil (SPD, 2.v.r), Ministerpräsident von Niedersachsen. © Stefan Sauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Stefan Sauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

3,2 Milliarden Euro für zusätzliche Fregatten: Bau in Wolgast möglich

Ein erstes Schiff der neuen Baureihe von Fregatten des Typs 126 wurde in der vergangenen Woche in Wolgast auf Kiel gelegt. mehr

Die neue NDR MV App

Ein Smartphone zeigt die Startseite der neuen NDR MV App © NDR Foto: IMAGO. / Bihlmayerfotografie

Mecklenburg-Vorpommern immer dabei - die neue NDR MV App

Artikel, Podcasts, Livestreams: Die NDR MV App ist ganz neu: übersichtlich, kompakt, benutzerfreundlich, aktuell. mehr

Das Logo von #NDRfragt auf blauem Hintergrund. © NDR

Umfrage: Ist Wohnen bald unbezahlbar?