Wer zahlt für die "LUP-Kliniken"?

Stand: 02.11.2022 21:16 Uhr

Viel Beifall, aber auch Kritik: Der Landrat von Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), hat mit seinen Plänen für eine enge Kooperation der drei kleinen Krankenhäuser in Ludwigslust, Hagenow und Crivitz die Debatte über die künftige Klinik-Struktur im Land neu befeuert.

von Stefan Ludmann

Das Projekt segelt unter dem gängigen Marketing-Namen "LUP-Kliniken". Was einfach klingt, ist bei näherer Betrachtung durchaus kompliziert. Landrat Sternberg will eine Art Dachgesellschaft für die unterschiedlichen Häuser schaffen, vor allem um Kosten zu sparen und die Versorgung zu verbessern. Auf dem Weg dorthin muss er noch Hürden überwinden. Die Kliniken sind in ihrer Beteiligungsstruktur unterschiedlich: Crivitz gehört dem Landkreis nach dem Kauf aus dem Mediclin-Konzern zu 100 Prozent. Am Westmecklenburg Klinikum "Helene von Bülow" mit den Häusern in Hagenow und Ludwigslust ist der Landkreis dagegen nur zur Hälfte beteiligt, die andere Hälfte gehört dem evangelischen Stift Bethlehem.

Landkreis will Mehrheitsbeteiligung

Für eine einheitliche Dachgesellschaft unter der Führung des Kreises strebt der Landkreis nach NDR-Informationen eine Mehrheitsbeteiligung an. Denkbar sind Anteile von 51 Prozent oder auch 74,9 Prozent. Bisher ist jedoch nicht davon die Rede, dass die Kirche Anteile an ihren Kliniken abgibt. Allerdings könnten weitere Verluste der Kliniken den wirtschaftlichen Spielraum des Stifts einschränken, die Zahlen sind offenbar weiter alles andere als rosig.

Service-Leistungen zusammenfassen

Die "LUP-Kliniken" mit ihren zusammen etwa 400 Betten sollen den Umschwung bringen und vor allem Kosten senken - auch im nicht-medizinischen Bereich. Die Personalverwaltung könnte zentralisiert werden, ebenso der Einkauf von Material, Geräten oder einheitlicher Software. Gleiches gilt für Energie. Größere Einheiten sind wirtschaftlich gewichtiger als kleine. Denkbar ist auch, Service-Leistungen wie die Essenszubereitung zusammenzufassen. Landrat Sternberg will auch das Controlling zusammenfassen. Weitergedacht hieße das, das die Häuser künftig nur noch eine Geschäftsführung haben.

Kosten dämpfen und Versorgung verbessern

Auch medizinisch soll es sogenannte Synergien geben. Nicht jedes einzelne Haus müsse weiterhin sämtliche medizinische Angebote vorhalten, meinte Sternberg. Auch hier soll eine Spezialisierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Kostendämpfung und bessere medizinische Ergebnisse. Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) begrüßt die Pläne ihres Parteifreunds. Es sei "ein geeigneter Weg für eine zukunftsfeste medizinische Versorgung gerade auf dem Land", wenn Leistungen an einzelnen Krankenhausstandorten konzentriert würden, erklärte Drese. Sie findet es gut, dass nicht mehr jedes Krankenhaus alle Leistungen anbieten soll. Eine Arbeitsteilung sei wichtig. Das Konzept gewährleiste eine qualitativ gute Versorgung, die auch relativ nah am Wohnort sei.

Sechs Millionen Euro Zuschuss

Positiv sei auch, so die Ministerin, dass der Landkreis die Versorgung in die eigene Hand nehmen will. Das Prinzip "Rekommunalisierung" verfolgt das Land schon seit Dezember 2019, damals wurde mit der geplanten Schließung der Geburtshilfe in Crivitz die Schieflage des dortigen Krankenhauses deutlich. Das Land hat den Kauf des Krankenhauses mit sechs Millionen Euro gefördert. Drese sagte mit Blick auf die LUP-Kliniken, im Kreistag Ludwigslust-Parchim müssten jetzt Finanzfragen und der Weg zur Dachgesellschaft der drei Kliniken geklärt werden. Damit benannte Drese die Knackpunkte. Denn noch ist nichts in trockenen Tüchern. Der Landkreis setzt auf Hilfen des Bundes.

Helios-Beteiligung beerdigt

Die neuen Pläne machen auch klar: Sternberg hat seine Hoffnung beerdigt, mit dem Helios-Konzern einen starken Partner zumindest für die chronisch defizitäre Klinik in Crivitz ins Boot zu holen. "Kartellrechtlich" sei das nicht möglich gewesen, meinte er nach fast dreijährigen Bemühungen. Die Helios-Manager hatten dem Landrat schon vor Monaten erklärt, die von der Politik gewünschte Wiedereröffnung der Geburtshilfe sei nicht machbar. Jetzt steht Helios als sogenannter Maximalversorger zwar noch als medizinischer Kooperationspartner im Hintergrund, der Landkreis geht wirtschaftlich aber einige Wege.

Landrat hofft auf Hilfe von Bund und Land

Sternberg setzt mit seiner Idee der LUP-Kliniken auf den Bund, der - so die Hoffnung - werde vor allem die kleinen Krankenhäuser nicht im Regen stehen lassen, besonders nicht in seinem Kreis, den flächenmäßigen zweitgrößten in der Republik. Allerdings laufen offenbar auch schon Gespräche mit dem Land über eine Förderung. Ministerin Drese meinte, man werde "die Planungen des Landkreises Ludwigslust-Parchim positiv begleiten". Offensichtlich wird dem Landkreis eine Art Vorreiterrolle beigemessen. Die Idee des Landkreises bezeichnete Drese als "eine vorbildliche Grundlage", um das Ziel zu erreichen, die 37 Krankenhausstandorte in Mecklenburg-Vorpommern zu erhalten. Das könne nur gelingen mit einer Bereitschaft zum Kompromiss und zur Veränderung.

CDU: Viel Lärm um nichts

Kritik kommt von der Opposition. "Viel Lärm um nichts", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Katy Hoffmeister, zu den Plänen des Landrats. Es fehle ein klares Konzept. Aus drei defizitären Kliniken werde durch Zusammenlegung nicht einfach ein gesundes Krankenhaus. Ein gemeinsames Dach verbessere auch nicht die medizinische Versorgung, so Hoffmeister. Das Hauptproblem sei für alle Kliniken weiter der Fachkräfte-Mangel. Sie sei außerdem "erschüttert", dass es in Crivitz keine stationäre Geburtshilfe mehr geben werde, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) habe ganz andere Erwartungen geweckt.

Zustimmung von SPD-Experten

Der ehemalige Vorsitzende der Landtags-Enquete-Kommission "Zukunft der medizinischen Versorgung", Jörg Heydorn (SPD), hat dagegen grundsätzlich Sympathie für die Pläne. Er kenne die konkreten Details zwar nicht, so der ehemalige Landtagsabgeordnete, aber die Gesundheitsversorgung zusammenzufassen, "das sind richtige Überlegungen". Es werde wegen der "Innovationszyklen" in der Medizin außerdem immer schwieriger, Veränderungen zu finanzieren. Auch bei der Geburtshilfe komme man um eine Zentralisierung nicht herum. Die Politik hätte den Bürgern in Crivitz in dieser Sache von vornherein "reinen Wein einschenken müssen". Die finanzielle Situation der Kliniken sei angespannt, so Heydorn, außerdem müssten sie mit einem Fachkräftemangel fertig werden.

Unterschiedliche Tarife für die Beschäftigten

Die LUP-Kliniken sollen zum 1. Januar 2023 Wirklichkeit werden. Bis zu einer echten Fusion dürfte es noch dauern. So werden zum Beispiel die Mitarbeiter an den Standorten nach ganz unterschiedlichen Tarifen bezahlt. Für die einen verhandelt Verdi, bei den anderen gilt ein Lohn nach Kirchentarif.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 02.11.2022 | 16:00 Uhr

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