Stand: 04.10.2018 11:16 Uhr

Weltnutztiertag: "Beendet das Leiden der Schweine"

"Beendet das Leiden der Schweine" - dieses Motto hat der Deutsche Tierschutzbund für den heutigen Welttierschutztag gewählt. Der internationale Aktionstag wird seit 1925 begangen und soll auf menschengemachtes Leid von Tieren aufmerksam machen.

Appell: Haltung den Bedürfnissen der Tiere anpassen

Der Tierschutzbund prangert an, dass Schweineschwänze kupiert, Ferkel betäubungslos kastriert und Sauen in Kastenständen gehalten werden. Mit europäischen Tierschutzorganisationen sammelt der Verein Unterschriften dagegen, dass Schweine immer noch ihren Haltungssystemen angepasst werden, anstatt die Systeme den Tierbedürfnissen anzupassen.

Kerstin Lenz, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern meint, die Schweinehaltung hierzulande müsse sich grundlegend ändern. Ein Schwein sei eigentlich ein robustes Tier, "aber wir haben daraus Fleischberge gemacht, wo das Futter vorne reingeht und die nach einem halben Jahr getötet werden, damit wir ein billiges Schnitzel auf dem Tisch haben", so Lenz.

Schwänze kupieren - Quälerei oder Tierschutz?

Michael und Andreas Kühling bewirtschaften einen knapp 1000 Hektar - Kreislaufhof mit Schweinezucht, Biogasanlagen und Pflanzenbau in Zemmin bei Jarmen. © NDR
Michael und Andreas Kühling bewirtschaften einen knapp 1000 Hektar - Kreislaufhof mit Schweinezucht, Biogasanlagen und Pflanzenbau in Zemmin bei Jarmen.

Seit 1994 ist es beispielweise verboten, die Schwänze der Schweine zu kupieren. Paktiziert wird es bis heute dennoch. Eine Ausnahmegenehmigung macht es nicht nur möglich, es sei sogar üblich, damit die Tiere sich nicht gegenseitig die Schwänze abbeißen und es zu Infektionen kommt.

Auch Michael Kühling aus Zemmin bei Jarmen entfernt das letzte Drittel des Ferkelschwanzes. In seinen Augen sei das Tierschutz, auch weil er seine Schweine weitgehend antibiotikafrei produzieren wolle. Denn wenn eine Entzündung erst einmal da ist, sei es nicht möglich, ohne Antibiotika zu arbeiten - am Ende müsse er die Schweine andernfalls nottöten. Die Forschung habe noch keine andere Lösung parat, sagt er. Selbst auf Stroh gehaltene Bio-Schweine würden sich gegenseitig die Schwänze anfressen.

Ferkel-Kastration ohne Betäubung

Der Zemminer Landwirt darf seine Ferkel nun auch noch weitere zwei Jahre betäubungslos kastrieren. Dafür setzt sich die Bundesregierung ein. Michael Kühling ist erleichtert, denn Fleisch vom Eber wolle der Handel nicht. Die Kosten für die Narkotisierung der Ferkel seien hoch und etwa drei Prozent der Ferkel würden die Prozedur nicht überleben, weil keine Kreislaufüberwachung stattfände. Schweinehalter wie die Kühlings begrüßen deshalb die Fristverlängerung. Der eigentlich für 2019 geplante Aussteig aus der betäubungslosen Kastration hätte ihrer Meinung nach das Ende für viele Schweinehalter im Land bedeutet.

Diese Lücke hätte der Verbraucher jedoch nicht einmal bemerkt, so Michael Kühling. "Jeder Deutsche isst 60 Kilogram Schweinefleisch, das muss irgendwo herkommen." Ob dem Tierschutz genüge getan wäre, wenn das Fleisch stattdessen woanders produziert würde, das bezweifelt Kühling. Tierschützerin Lenz hingegen findet, Schweine müssten europaweit artgerecht gehalten werden. Dafür sollten sich Bauernverband und Politik stark machen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nordmagazin | 04.10.2018 | 12:00 Uhr

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