Weitere Helfer aus MV auf dem Weg ins Überschwemmungsgebiet

Stand: 20.07.2021 11:32 Uhr

Nachdem das Land Rheinland-Pfalz um weitere Hilfe gebeten hatte, machen sich am Dienstag 85 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer von Grimmen aus auf den Weg zum Bereitstellungsraum an den Nürburgring.

Es handelt sich um ein großes Kriseninterventionsteam, um Überlebende und auch die Einsatzkräfte zu betreuen. Die 85 Ehrenamtler sind auch mit großer Technik ausgestattet. Nach Angaben eines Landkreissprechers ist darunter eine große Einsatzleitzentrale - also ein Fahrzeug, auf dem alle derzeit verfügbaren elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten zusammenlaufen. Außerdem ist weitere Technik und eine Gruppe mit Psychosozialarbeitern dabei.

Innenminister bedankt sich

Außerdem gehört zum Tross ein Logistik-LKW mit 300 Feldbetten und Zelten. Vor Ort sollen sich die Einsatzkräfte laut Innenministerium um die Betroffenen in den Notunterkünften kümmern und weitere Notunterkünfte errichten. Wie lange der Einsatz genau dauern wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Innenminister Torsten Renz (CDU) sagte: "Hilfe muss jetzt schnell und unbürokratisch erfolgen. Deshalb gilt mein herzlicher Dank nicht nur den Helferinnen und Helfern, sondern auch den Arbeitgebern für ihr Engagement und die Unterstützung des Ehrenamts."

Hilfe für die Helfer

Die Ehrenamtlichen wurden entsendet vom Arbeiter-Samariter-Bund, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Deutschen Roten Kreuz sowie den Freiwilligen Feuerwehren der Landkreise Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald sowie Bad Doberan. Bereits am Wochenende war der THW-Landesverband Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein zu einem Einsatz an die Motorsportstrecke zum Nürburgring gefahren. Die Helfer sollen dort dafür sorgen, dass THW, Feuerwehren und andere im Einsatz befindliche Organisationen weiterhin konsequent Hilfe leisten können. Hierzu sagt Michael Buchholz, Zugführer des Fachzugs Logistik aus dem Ortsverband Ludwigslust: "Die Helferinnen und Helfer haben in Vorbereitung schwere Instandsetzungstechnik verladen, um vor Ort eine vollwertige Werkstatt für Technik, Fahrzeuge und Ausstattung aufzubauen. Damit können dann in kurzer Zeit auch aufwendige Reparaturen an beschädigter Einsatztechnik vorgenommen werden."

Belastung auch für Einsatzkräfte

Die ehrenamtlichen THW-Kräfte sind Teil des sogenannten "System Bereitstellungsraum Nord". Die THW-Bereitstellungsräume stehen allen an einem Einsatz beteiligten Organisationen zur Verfügung. Sie sind vergleichbar mit kleinen, autarken Städten. Hier können die Einsatzkräfte ausruhen, schlafen und duschen. Sie erhalten rund-um-die-Uhr Verpflegung, Material und Fahrzeuge können instand gesetzt werden. Eventuelle Wartezeiten werden so optimal verbracht und Verstärkung steht schneller bereit. Der Einsatz laufe derzeit gut, sei aber auch belastend für die Einsatzkräfte, schildert Florian Gottschalk die Lage im Gespräch mit NDR MV Live. Er ist momentan für das THW am Nürburgring. Nach seiner Einschätzung brauchen die Menschen vor Ort vor allem Wasser und Strom, aber auch Geld. Sachspenden sind laut Gottschalk ausreichend vorhanden.

Weitere Informationen
Das Logo von der Hilfsorganisation "Aktion Deutschland Hilft" © Aktion Deutschland Hilft

"Aktion Deutschland hilft": Spenden für die Hochwassergebiete

Das Bündnis aus etablierten Hilfsorganisationen ruft auch zu Spenden für die Hilfe in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz und NRW auf. extern

Katastrophenschutz bringt Transportwagen nach Rheinland-Pfalz

Schon am Sonnabend waren 31 Männer und Frauen nach Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz aufgebrochen, um den Menschen vor Ort zu helfen, die durch die Wassermassen ihr Haus und ihre Wohnungen verloren haben. Aus den Landkreisen und den Städten Schwerin und Rostock sind dafür elf Kleinbusse nach Rheinland-Pfalz gebracht worden. Die Stadt hatte wegen der immensen Schäden am Sonnabendmittag um Hilfe gebeten. Um 18 Uhr, also nur sechs Stunden später, sind die ehrenamtlichen Helfer dann bereits aufgebrochen und konnten in der Nacht die Transporter übergeben.

Wiederaufbau wird lange dauern

Jörg Beckmann vom Katastrophenschutz Mecklenburg-Vorpommern berichtet nach seiner Rückkehr aus Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz), dass die Helfer "erschüttert über das Ausmaß der Zerstörung im Süden" seien. "Es ist unglaublich, was die Natur da angerichtet hat. Man weiß auch nicht, wie das enden soll. Die Stadt ist vollkommen zerstört, die Infrastruktur ist weg", so Beckmann. Seit 19 Jahren ist er Ausbilder beim Katastrophenschutz, aber auf das, was sich dort abspielt, konnte auch er niemanden vorbereiten. Er gehe davon aus, dass der Wiederaufbau Jahre dauern werde.

Mindestens zwei Wochen soll es allein dauern, um die Strom und Wasser-Versorgung wieder herzustellen. Momentan sei zudem nicht abzusehen, wann man den Menschen vor Ort wieder normale Lebensbedingungen gewährleisten könne. Mittlerweile sind die Helfer aus MV wieder zurück, stehen aber bereit, sollte ihre Hilfe erneut gebraucht werden. Beckmann berichtet aber, dass momentan vor allem mehr Material (Fahrzeuge, etc.) benötigt wird. Feuerwehr- und Hilfskräfte seien ausreichend vor Ort.

Weitere Informationen
Die Seitenwand eines Transporters ist mit "Die Tafeln  - Essen, wo es hingehört" beschriftet. © NDR Foto: Thomas Karp

Schweriner Tafel sammelt Spenden für Hochwasser-Opfer

Die haltbaren Lebensmittel sollen in der kommenden Woche nach Wuppertal gebracht werden. mehr

Einsatzkräfte der Feuerwehr Wunstorf helfen im Hochwassergebiet. © NDR

Erste norddeutsche Helfer kehren aus Hochwassergebiet zurück

Der anstrengende Einsatz hat seine Spuren hinterlassen. Aber auch der enorme Zusammenhalt mit den Menschen vor Ort. mehr

Erfstadt (Nordrhein-Westfalen). Helfer der Wasserwacht untersuchen von einem Boot aus Lastwagen, die auf der überfluteten Bundesstraße 265 stehen.  Foto: Marius Becker/dpa

MV-Hilfe für Hochwasser-Gebiete steht bereit

Ein Hydrologe rät auch den Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern, für Hochwasserkatastrophen langfristig vorzubeugen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.07.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Hansa-Fans im Ostseestadion halten ihre Schals hoch. © dpa-Bildfunk

Hansa Rostock setzt gegen Schalke auf die "unfassbaren Fans"

Die Mecklenburger empfangen heute Abend den Bundesliga-Absteiger zum Topspiel vor wohl 15.000 Zuschauern im Ostseestadion. mehr