Stand: 08.06.2020 18:23 Uhr

Tropenmediziner Reisinger: Abstandsregeln einhalten

Prof. Emil Reisinger, Dekan der Medizinischen Falkutät der Universität Rostock © picture alliance Foto: Bernd Wüstneck/dpa/picture alliance
Durch die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sinkt die Infektionsgefahr laut dem Rostocker Tropenmediziner Prof. Emil Reisinger um bis zu 40 Prozent. (Archivbild)

Die Antirassismus-Demonstrationen am Wochenende und der Corona-Ausbruch nach Gottesdiensten in Vorpommern haben die Corona-Abstandsregel wieder in die Diskussion gebracht. Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger glaubt nicht, dass solche Demonstrationen wie etwa die Antirassismus-Kundgebung am Wochenende in Rostock mit 600 Teilnehmern die derzeit niedrigen Infektionszahlen in Mecklenburg-Vorpommern gefährden. Dennoch seien die derzeit geltenden Corona-Schutzmaßnahmen weiter wichtig. "Ich habe zwar Verständnis für die Leute, dass sie sich öffentlich äußern, aber dennoch sollten die Leute auch bei Demonstrationen im Freien die Abstandsregeln und die bisher eingeübten Maßnahmen einhalten", so der Mediziner im Gespräch mit NDR 1 Radio MV und dem Nordmagazin.

VIDEO: Sind Demos zu gefährlich für den Corona-Schutz? (4 Min)

Das Infektionsrisiko hängt vom Abstand ab

Ebenfalls für Diskussionen sorgte der Corona-Ausbruch bei Mitgliedern einer katholischen Gemeinde in Vorpommern, nachdem ein infizierter Priester mehrere Pfingstgottesdienste gefeiert hatte. Wie genau sich die sieben weiteren Gottesdienstbesucher angesteckt haben, ist noch nicht geklärt. Allerdings wurden bei den Gottesdiensten Hostien an die Gläubigen ausgegeben. Er wolle der Kirche zwar keine Empfehlungen geben, so Reisinger, allerdings wäre es sinnvoll, bei der Hostienausgabe oder beim Abendmahl genug Abstand einzuhalten. "Wenn man sich umarmt, wenn man sich die Hände gibt mit Abstand 60 Zentimetern, ist das Infektionsrisiko deutlich größer, als wenn man einen Abstand von 1,5 Metern einhält", so Reisinger weiter.

Neuere Studien belegen Mundschutz-Wirksamkeit

Auch das Tragen des Mundschutzes sei geboten. "Es gibt neuere Studien in den vergangenen Wochen, die zeigen, dass der Mundschutz und auch der nicht-medizinische Mundschutz eindeutig schützt. Sowohl denjenigen der ihn trägt als auch die ihn Umgebenden." Nach wie vor gelte: "Das Virus ist da, deshalb bitte Mundschutz tragen in öffentlichen Räumen", so Reisinger.

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Schneeball-Effekt vermeiden

Reisinger hatte bereits am Wochenende davon gesprochen, dass kleinere Coronavirus-Ausbrüche auch weiterhin durchaus erwartbar seien. Grund zur übermäßigen Besorgnis bestehe deshalb aber nicht. "Ich denke, wenn wir zehn bis 20 Neuinfektionen an einem Ort haben, dann könnte man das noch als relativ kleinen Ausbruch bezeichnen. Wenn es mehr Fälle werden, wird es durch den Schneeball-Effekt exponentiell mehr. Dann würden wir von keinem kleinen Ausbruch mehr sprechen."

Zweite Welle bei Einhaltung der Regeln unwahrscheinlich

Allerdings ist Reisinger optimistisch, dass es zu keinen größeren Ausbrüchen im Nordosten kommt. Entscheidend dafür sei wiederum die Einhaltung der geltenden Schutzmaßnahmen: "Die allseits bekannten Hygiene- und Abstandsregeln sind nach wie vor die wichtigsten Regeln. Mit diesen Regeln und dem Maskentragen kann man schon 30 bis 40 Prozent aller Infektionen vermeiden, sodass eine zweite Welle dann sehr unwahrscheinlich würde."

Reisinger: Ansteckungsrisiko bei Kindern gering

In der Diskussion um weitere Öffnungen im Kita-Betrieb kommt der Mediziner nach einer eigenen Studie zu dem Schluss, dass das Ansteckungsrisiko bei Kindern relativ gering ist. Nur wenige getestete Mütter hätten Antikörper gehabt, was auf eine zurückliegende Corona-Infektion schließen lasse Die Studie soll demnächst veröffentlicht werden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 08.06.2020 | 17:10 Uhr

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