Stand: 28.06.2019 19:00 Uhr

Todesliste? Prepper wollten Leichensäcke bestellen

Unter den "Nordkreuz"-Mitgliedern sind auch Ehemalige und ein aktives Mitglied des Spezialeinsatzkommandos. (Archivbild)

Das Netzwerk "Nordkreuz", eine Gruppe von Rechtsextremisten aus Mecklenburg-Vorpommern, soll Angriffe auf politische Gegner geplant haben. Dazu wollten sie offenbar 200 Leichensäcke und sogenannten Ätzkalk bestellen. Darüber berichtet die Ostsee-Zeitung und bezieht sich auf Informationen des Inlandsnachrichtendienstes. Vor wenigen Wochen soll das Bundesamt für Verfassungsschutz dem Bundestag eine entsprechende Materialliste der Rechtsextremisten mit Bestelladressen und Kontakten übergeben haben. Zuvor hatte die Bundesanwaltschaft einen Antrag auf "erweiterte Überwachungsmaßnahmen" gegen die rechtsextremistische Gruppe gestellt.

"Nordkreuz" wollte politische Feinde liquidieren

Diese dreiseitige, handgeschriebene Materialliste soll von der Gruppe "Nordkreuz" stammen. Seit zwei Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen die Mitglieder des Netzwerkes, wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat. "Nordkreuz" gehören mehr als 30 sogenannte Prepper an. Sie bereiten sich auf einen theoretischen Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vor - zum Beispiel durch eine erneute Flüchtlingswelle oder islamistische Anschläge. Dafür legen sie Lebensmittelvorräte an und horten Waffen. Im Falle von Unruhen sollen sie es darauf angelegt haben, Politiker zu liquidieren, die für eine liberale Flüchtlingspolitik eintreten.

Polizei und Bundeswehr im Fokus

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Im Landtag hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) vergangene Woche die Gefahr durch Prepper relativiert. (Archivbild)

Die meisten "Nordkreuz"-Mitglieder, die in einem Messenger-Dienst verbunden sind, stammten aus dem Umfeld von Bundeswehr und Polizei. Darunter seien auch Ehemalige und ein aktives Mitglied des Spezialeinsatzkommandos (SEK) in Mecklenburg-Vorpommern, so die Ostsee-Zeitung. Gegen die Beamten ermittele auch die Staatsanwaltschaft Schwerin. Ihnen werde vorgeworfen, rund 10.000 Schuss Munition sowie eine Maschinenpistole aus Beständen des Landeskriminalamtes beiseite geschafft zu haben. Obwohl die Beschuldigten bestritten, Todeslisten angelegt zu haben, sei in Sicherheitskreisen die Rede davon, dass die Prepper bis zu 25.000 Namen und Adressen zusammengetragen haben. Es seien hauptsächlich Lokalpolitiker von SPD, Linke und CDU, die als flüchtlingsfreundlich gelten. Außerdem soll es eine Liste mit 29 Namen von Personen aus Mecklenburg-Vorpommern geben.

Innenminister hält Gefahr für gering

Im Landtag hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) vergangene Woche die Gefahr durch Prepper relativiert. Die Liste mit den 29 Personen sei bereits 2017 gefunden worden und das Bundeskriminalamt habe sich zwei Jahre Zeit genommen, die Zeugen zu befragen. Das zeige doch, dass keine Gefahr für die Zeugen bestehe. Die Existenz einer Todesliste lasse sich gegenwärtig nicht bestätigen. Das reine Sammeln von Informationen zu politisch Andersdenkenden sei im Bereich der politisch motivierten Kriminalität nicht unüblich und gehe in der Regel nicht mit einer unmittelbaren Gefährdungslage einher.

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NDR 1 Radio MV | 28.06.2019 | 13:00 Uhr

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