Stand: 19.11.2018 15:26 Uhr

Tat in Wittenburg: Rentner ist verblutet

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Der Rentner wurde in seinem Haus nachts im Schlaf getötet.

Nach dem mutmaßlichen Mord an einem Renter in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) liegt ein erstes Obduktionsergebnis vor. Demnach ist der 85-jährige Mann verblutet. Die schweren Halsverletzungen seien ihm offenbar mit einem scharfen Gegenstand beigebracht worden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass es sich dabei um ein großes Messer handeln könnte. Die Tatwaffe ist aber noch nicht gefunden worden. Die Kriminalpolizei fand am Montag Faserspuren von der Kleidung des mutmaßlichen Täters an der Kleidung des Toten, zudem seien Schuhabdrücke von ihm im Schlafzimmer gesichert worden.

Tatverdächtiger schweigt zu Vorwürfen

Das Motiv für die Tat ist weiter unklar. Der Tatverdächtige - ein 20-jähriger abgelehnter Asylbewerber - schweige bisher weiter zu den Vorwürfen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin am Montag. Der Mann steht unter dringendem Verdacht, dem schlafenden 85-Jährigen in der Nacht zum Sonnabend die tödliche Stichverletzung am Hals zugefügt zu haben.

Keine Hinweise auf religiös oder politisch motivierte Tat

Hinweise auf eine politisch oder religiös motivierte Tat gibt es laut den Ermittlern nicht. Auch für ein Raubmotiv gebe es keine Anhaltspunkte. Es sei nichts gestohlen worden. Zudem sei dem Beschuldigten bekannt gewesen, dass in dem Haus keine nennenswerten Wertgegenstände aufbewahrt wurden. Der Verdächtige sitzt jetzt in der Jugendhaftanstalt Neustrelitz ein.

Durfte Tatverdächtiger Sachsen verlassen?

Der Beschuldigte ist nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein abgelehnter Asylbewerber. Der Afghane verfüge bis Ende Januar 2019 über einen Duldungsstatus einer sächsischen Behörde, hieß es. Die Ermittler prüfen nun auch, ob er sich überhaupt in Mecklenburg-Vorpommern hätte aufhalten dürfen. In Sachsen gilt die Residenzpflicht, das heißt, der Taverdächtige dürfte sich eigentlich auch nur in dem Bundesland aufhalten. Über eventuelle Vorstrafen sei den Ermittlungsbehörden in Mecklenburg-Vorpommern zum jetzigen Zeitpunkt nichts bekannt.

Opfer und Beschuldigter kannten sich

Der Tatverdächtige war laut Staatsanwaltschaft mit dem Opfer persönlich bekannt und im August 2018 eine Woche lang mit der Pflege des Rentners betraut gewesen. Die Tochter des Opfers, die in der Region Zwickau in der Flüchtlingshilfe engagiert ist, habe ihn vermittelt. Kurz vor der Tat war der in einer Flüchtlingsunterkunft im Raum Zwickau lebende Beschuldigte nach Wittenburg gereist, wo er im Haus des Opfers lebte. Er sollte dort Reparaturarbeiten ausführen.

Haushaltshelfer sieht Verdächtiges im Babyfon

Auf die Spur des mutmaßlichen Täters kamen die Ermittler durch einen Haushaltshelfer, der ebenfalls mit im Haus des Rentners lebte. Dieser habe über das Babyfon gesehen, dass sich der Beschuldigte über das schlafende Opfer beugte. Er sei zunächst davon ausgegangen, dass der Flüchtling den alten Mann haben zudecken wollen. Als der Haushaltshelfer jedoch Röchel-Geräusche hörte, habe er nachgesehen und die tiefe Schnittwunde bei dem Mann entdeckt. Der Zeuge habe daraufhin die Polizei alarmiert. Der Beschuldigte sei unmittelbar nach der Tat mit dem Auto des Opfers geflohen. Nachdem er den Wagen schon nach wenigen Metern in eine Hecke steuerte, sei er zu Fuß weitergelaufen.

An der A24 aufgegriffen

Am Sonnabendnachmittag wurde er von Beamten der Autobahnpolizei an der A24 bei Geesthacht in Schleswig-Holstein leicht bekleidet und unterkühlt aufgegriffen, wie Steffen Baudler vom Polizeipräsidium Rostock sagte. Wie er dorthin gelangte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Der Mann wurde dann zunächst in ein Krankenhaus gebracht. Bei der Überprüfung der Identität habe sich herausgestellt, dass es sich um den Tatverdächtigen handelte. Er sei dann festgenommen und der Haftrichterin vorgeführt worden, die Untersuchungshaft anordnete.

Große Betroffenheit in Wittenburg

In der 6.000-Einwohner-Stadt ist die Betroffenheit über den gewaltsamen Tod des Rentners sehr groß. "Die Tat ist für uns unfassbar, der 85-Jährige hatte sich unter anderem stark beim Förderkreis Mühle eingebracht", sagte Bürgermeisterin Margret Seemann (SPD). Der Mann habe nach dem Tod seiner Frau vor wenigen Jahren allein gelebt und sei bei ihrem letzten Besuch zwar körperlich eingeschränkt, aber geistig fit gewesen.

Caffier: Tat nicht instrumentalisieren

Die Bürgermeisterin warnte davor, den Vorfall für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Als Beispiel führte sie mehrere Aufrufe zu Mahnwachen im Internet seitens der rechtsextremen NPD und der AfD an. "Ich hoffe, dass sich die Bürger gegen solche Versuche zur Wehr setzen", so Seemann. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) zeigte sich erschüttert. Die Tat dürfe aber nicht dafür missbraucht werden, zu Hass und Gewalt aufzurufen. "Ich bin davon überzeugt, dass die Justiz die Umstände und Motive der Tat restlos aufklären und den Täter einer gerechten Strafe zuführen wird", so der Minister.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.11.2018 | 16:00 Uhr

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