Stand: 01.02.2018 16:03 Uhr

Schlosskeller Neustrelitz: Wie weiter?

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Im abgesperrten Keller des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosses lagern heute Müll und historische Fliesen des alten Schlosses.

Im Streit um die historischen Kellerräume auf dem Schlossberg Neustrelitz setzen sich jetzt auch die Neustrelitzer Stadtvertreter für eine Änderung der Pläne ein. In einem gemeinsamen Antrag fordern sie, dass das Land als Eigentümer den früheren Schlosskeller nicht wie geplant mit Sand verfüllt.

Beräumen ja, verfüllen nein

Man begrüße das Vorhaben, den Schlossberg aufzuwerten, Bäume und Sträucher zu roden und auch die Kellerräume des zerstörten Schlosses zu beräumen, heißt es in dem Antrag. Allerdings solle sich Bürgermeister Andreas Grund beim Land dafür einsetzen, dass auf das Verfüllen der Kellerräume verzichtet wird.

Ein Modell eines Schlosses.

Streit um das Neustrelitzer Schlossareal

Nordmagazin -

Wie soll mit dem einsturzgefährdeten Keller des ehemaligen Neustrelitzer Schlosses umgegangen werden? Das Land möchte ihn zuschütten und sorgt damit für Proteste.

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Gefahr für das Mauerwerk?

Die Stadtvertreter befürchten, dass dadurch das historische Mauerwerk zerstört wird und für eine mögliche spätere Nutzung unwiederbringlich verloren wäre. Davor hatten Experten bei einer Konferenz am Montag gewarnt.

Während dieser Sitzung hatten sich 200 Neustrelitzer und Landespolitiker sowie Heiko Kärger (CDU), Landrat des Kreises Mecklenburgische Seenplatte, dafür ausgesprochen, die geplante Zuschüttung zu überdenken. Man befürchtete, der Landesbetrieb für Bau und Liegenschaften wolle unumkehrbare Fakten schaffen.

Experte: Entscheidung ohne Spielraum

"Wir werden die Ruine sach- und fachgerecht verfüllen und so konservieren", so Christian Hoffman, Sprecher des Landesbetriebes für Bau und Liegenschaften am Mittwoch. Einen Spielraum gebe es bei dieser Entscheidung nicht, hieß es. Landrat Kärger kann diese Haltung nicht nachvollziehen. Seiner Meinung nach werde so ein Denkmal unwiederbringlich zerstört, erklärte er gegenüber NDR 1 Radio MV.

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Bei Kriegsende 1945 abgebrannt

Das Neustrelitzer Schloss wurde zwischen 1726 und 1731 gebaut und später erweitert. Es war Hauptresidenz der regierenden Herzöge und Großherzöge des Landesteils Mecklenburg-Strelitz. 1918 wurde das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz aufgelöst und 1933 in der NS-Herrschaft mit Mecklenburg-Schwerin zwangsvereinigt. Seitdem war das Schloss Landesmuseum und Landesbibliothek. Zum Kriegsende 1945 brannte das Schloss ab. Leuchtgeschosse deutscher Flugzeuge, die die anrückenden sowjetischen Panzer bekämpfen wollten, trafen das Dach und setzten es in Brand. Die Ruine des Schlosses wurde 1949 auf Veranlassung der SED-Herrschaft gesprengt. Seitdem sei Neustrelitz eines wichtigen Bezugspunktes beraubt, sagen Denkmalkundler.

Kritik aus der Landespolitik

Der Landtagsabgeordnete und Landesvorsitzende der Linken, Torsten Koplin, sprach sich dafür aus, das Thema Neustrelitzer Schlosskeller auf die Tagesordnung der nächsten Finanzausschusssitzung setzen zu wollen. Ein "Es-wird-verfüllt-und-basta" sei definitiv nicht hinnehmbar, sagte er. Laut Hoffmann soll die Kellerruine im Frühjahr mit speziellem Fließsand verfüllt werden, der bei Wiederaufbauplänen später wieder entfernt werden kann. Kritiker bezweifeln dies jedoch. Rund 1,2 Millionen Euro sind für die Verfüllung veranschlagt.

Unterstützung aus der Landespolitik

Erst am Montag hatte die Stiftung Mecklenburg zu einem "Gedankenaustausch" nach Neustrelitz geladen. Anlass waren die Pläne des Landesfinanzministers Mathias Brodkorb (SPD), die Restaurierung des Schlossgartens abzuschließen, indem die Kellerräume des Schlosses geräumt und verfüllt werden sollen. Massive Kritik übten am Montag unter anderem Koplin, der Landes-CDU-Vorsitzende Vincent Kokert und die Kunsthistorikerin Sabine Bock.

Wiederaufbau statt Verfüllung?

Die Kunsthistorikerin plädierte dafür, die für die Verfüllung veranschlagten Mittel als Anschubfinanzierung für einen möglichen Wiederaufbau zu nutzen. Sie schlug einen "experimentiellen Neubau" vor, bei dem historische Bauwerke mit Materialien und Handwerk aufgebaut würden, wie sie damals zur Verfügung standen. Ein solches Projekt wäre bereits in der Aufbauphase touristisch interessant und könnte so möglicherweise weitere finanzielle Mittel einspielen.

Pläne für Verfüllung von Stadtvertretern mitgetragen?

Ein Sprecher des Finanzministeriums reagierte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV zurückhaltend. Man werde ein Gespräch mit dem Bürgermeister sicher nicht zurückweisen. Er wies aber darauf hin, dass auch die jetzigen Pläne, den Keller mit Fließsand zu konservieren, vor einigen Jahren unter Beteiligung von Fachleuten und der Stadtvertretung entstanden seien.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.02.2018 | 15:00 Uhr

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