Stand: 26.04.2020 07:27 Uhr

Schockdiagnose: Krebs bei jungen Erwachsenen

von Carolin Kock, NDR Nordmagazin

Die Diagnose Krebs ist für jeden Menschen einer der schlimmsten Einschnitte ins Leben. Junge Erwachsene haben es dabei besonders schwer. Zum Zeitpunkt der Diagnose stecken sie mitten in der Ausbildung, dem Studium, dem ersten Job, haben ihre erste eigene Wohnung - doch finanziell abgesichert sind sie nicht.

VIDEO: Schockdiagnose Krebs bei jungen Erwachsenen (7 Min)

Kinderwunsch sorgt für hohe Kosten

Zwischen Diagnose und Chemotherapie liegen häufig nur wenige Tage. Trotzdem müssen sich junge Patienten plötzlich auch über einen späteren Kinderwunsch klar werden, denn die Chemotherapie macht sie womöglich unfruchtbar. In Kinderwunschzentren können dafür vor Beginn der Therapie Ei- und Spermazellen eingefroren werden - mit erheblichen Kostenunterschieden. Das Einfrieren von Samenzellen kostet einmalig 500 Euro, für Eizellen müssen Frauen bis zu 4.300 Euro zahlen. Dazu kommen Lagerungskosten von rund 300 Euro pro Jahr. Seit Mai 2019 müssen per Gesetz eigentlich die Krankenkassen diese Kosten tragen. Doch für die gesetzliche Durchführung fehlt noch eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Durch die aktuelle Corona-Pandemie verzögert sich dieser Prozess. Bis es soweit ist, nutzt die Mehrheit der Krankenkassen diese Lücke aus und zahlt die Kosten für den späteren Kinderwunsch nicht.

Mit HartzIV in die Chemotherapie

Viele junge Patienten können diese Kosten nicht selbst tragen. Da sie durch die Diagnose und Chemotherapie ihre Ausbildung, das Studium oder den Job abbrechen müssen, fällt auch ihr Einkommen weg. Wer dadurch noch keinen Leistungsanspruch erworben hat und nicht von Eltern oder Verwandten unterstützt werden kann, muss mit Beginn der Therapie einen HartzIV-Antrag stellen.

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Gute Heilungschancen aber ungewisse Zukunft

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 16.500 junge Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 39 Jahren an Krebs. Von ihnen können mittlerweile mehr als 80 Prozent geheilt werden. Das bedeutet aber auch, dass eine immer größer werdende Zahl an Langzeitüberlebenden wieder in die Gesellschaft und das Arbeitsleben integriert werden müssen. Bisher kehren jedoch nur 63,5 Prozent der Krebspatienten und Patientinnen in ihre Ausbildung oder an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. und die Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs setzen sich seit Jahren für ein Überbrückungsgeld für junge Patienten während der Therapie ein und fordern, dass die finanziellen und sozialen Folgen von Krebs bei jungen Menschen besser erforscht werden.

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Nordmagazin | 22.04.2020 | 19:30 Uhr

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