Der Juror Xavier Naidoo sitzt beim Finale der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar 2019" (DSDS) auf der Bühne. © dpa-Bildfunk Foto: Henning Kaiser

Rostock: Keine Bürgerschaftsmehrheit gegen Naidoo-Auftritt

Stand: 16.06.2021 17:52 Uhr

Der Sänger Xavier Naidoo darf nun doch in der Rostocker Stadthalle auftreten. Ein Antrag, der das Konzert verhindern wollte, fand in der Bürgerschaft am Mittwochnachmittag keine Mehrheit.

Der Antrag scheiterte denkbar knapp: 20 Bürgerschaftsmitglieder hatten dem Sänger Xavier Naidoo keine Bühne in der Stadthalle bieten wollen - ebensoviele waren mit seinem Auftritt einverstanden. Da der Antrag keine Mehrheit erhielt, darf Naidoo nun auftreten.

Madsen hatte rechtliche Bedenken

Die erneute Abstimmung war nötig geworden, weil Oberbürgermeister Madsen nach der ersten Entscheidung gegen Naidoo seinen Widerspruch eingelegt hatte, wegen rechtlicher Bedenken. Schützenhilfe kam danach aus dem Innenministerium, das den Widerspruch als begründet bezeichnete.

Auch keine Mehrheit für Abgrenzungsantrag

Die Grünen in der Rostocker Bürgerschaft hatten ihre ursprüngliche Unterstützung für den Antrag zuvor zurückgezogen. Sie wollten sich stattdessen mit einer Erklärung gegen Naidoo abgrenzen, dafür fand sich aber auch keine Mehrheit. SPD und Linke in der Bürgerschaft warnten in Redebeiträgen allerdings davor, dass Naidoo sich öffentlich gegen die demokratische Ordnung stelle sowie mit Rechtsextremisten zusammenarbeite.

Grüne: Naidoo unvereinbar mit Rostock

Die Grünen hatten in ihrer Resolution festhalten wollen, dass Äußerungen und Handlungen Xavier Naidoos mit den Werten der "weltoffenen und bunten Stadt Rostock" unvereinbar seien. Dazu zählen die Grünen unter anderem Bekenntnisse und Verbindungen des Sängers zur Reichsbürgerbewegung, seine offene Solidarität mit rechtsextremen Akteuren und seine klare Haltung gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die auf Naidoos Telegram-Kanal zum Ausdruck kommen würden.

Verbot schon länger auf der Kippe

Schon vor der Versammlung hatte das Verbot auf der Kippe gestanden: Die Fraktionen waren davon ausgegangen, dass es für das Konzert einen Vertrag mit der Stadthalle gibt, der nicht durch die Bürgerschaft aufgelöst werden kann. Zuvor hatte Oberbürgermeister Madsen in seinem Widerspruch erklärt, der Beschluss der Bürgerschaft sei rechtswidrig - sowohl formal-juristisch als auch unter Aspekten der Gleichbehandlung. So heißt es unter anderem in der fünfseitigen Begründung des Widerspruchs, die dem NDR vorliegt.

Stadthalle und Veranstalter äußern sich nicht

Wie viele Karten für das geplante Konzert von Xavier Naidoo in Rostock verkauft worden sind, bleibt vorerst unklar. Die Betreibergesellschaft der Stadthalle wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Auch vom Veranstaltungsunternehmen Live Nation Entertainment, das für Naidoos Rostocker Konzerttermin zuständig ist, gab es bisher keine Stellungnahme rund um die Entscheidung der Rostocker Bürgerschaft. Auch in anderen Städten regt sich Widerstand gegen geplante Konzerte des umstrittenen Sängers. Zum Beispiel wurde im Landtag von Baden-Württemberg die Forderung laut, den Vertrag für ein Naidoo-Konzert in Kloster Wiblingen aufzulösen. Und die Geburtstadt des Sängers, Mannheim, will den dort geplanten Auftritt am 9. Oktober verhindern. Damit reagieren die lokalen Behörden unter anderem auf ein Video, das Naidoo kürzlich zusammen mit einer Reihe von Rappern veröffentlicht hatte. Darin werde zur Bewaffnung und zur Auflehnung gegen die Corona-Maßnahmen aufgerufen.

Weitere Informationen
Xavier Naidoo live auf der Waldbühne in Berlin 2009. © picture-alliance/ dpa Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Bürgerschaft gegen Naidoo-Auftritt in Rostocker Stadthalle

Der Sänger Xavier Naidoo darf wegen seiner umstrittenen Äußerungen nicht mehr in der Stadthalle auftreten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.06.2021 | 06:00 Uhr

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