Auswertung von Mammografieaufnahmen © dpa/piture-alliance Foto: Wolfgang Thieme

Rostock: Internationale Studie zur Brustkrebs-Therapie

Stand: 18.02.2021 11:41 Uhr

In Rostock ist eine neue Brustkrebs-Studie gestartet. Fünf Jahre lang wird untersucht, ob bei der Therapie auf eine Lymphknotenentfernung verzichtet werden könnte.

Mehr als 1.000 Frauen in Mecklenburg-Vorpommern erhalten pro Jahr die Diagnose Brustkrebs. An dieser Krebsart erkranken Frauen am häufigsten. Forscher der Universitätsfrauenklinik in Rostock haben nun eine europaweite Studie gestartet, um eine schonendere Behandlung für diese Patientinnen zu entwickeln. Dabei geht es um den sogenannten Wächterlymphknoten. Der befinde sich in der Achselhöhle und werde bei mindestens jeder zweiten Brustkrebs-Patientin im Zuge der Behandlung entfernt, erklärte der Studienleiter Professor Toralf Reimer.

Ist eine Lymphknotenentfernung notwendig?

Nach dieser OP hätten die Patientinnen oft bleibende Schmerzen oder Lymphödeme, also sichtbare und fühlbare Flüssigkeitsansammlungen im Körper. Die Studie soll herausfinden, ob diese Lymphknotenentfernung notwendig ist oder ob inzwischen auch die Behandlung mit Chemotherapie und Medikamenten beziehungsweise mit einer gezielten Tumorbehandlung funktioniert. Falls das nicht notwendig sei, könne die Lebensqualität der Patientinnen deutlich erhöht werden.

Erste Ergebnisse in etwa drei Jahren

Untersucht werden in den kommenden fünf Jahren 330 Patientinnen aus fünf verschiedenen Ländern. „Alle Patientinnen in der Studie erhalten dann keine Achselhöhlen-OP mehr", so Reimer. Die Teilnehmerinnen müssten vorher ihr Einverständnis zu dieser Vorgehensweise erklären. "Zwei Drittel der Probandinnen kommen aus Deutschland, einige aus Schweden, Österreich und Spanien - ein großer Anteil auch aus Italien. Die ersten Ergebnisse werden in etwa drei Jahren erwartet.

Gute Heilungschancen bei Brustkrebs-Früherkennung

Die Heilungschancen für Patientinnen mit Brustkrebs sind relativ gut. Laut Professor Reimer werden 90 Prozent der Erkrankten wieder gesund. Voraussetzung sei aber, dass der Krebs rechtzeitig erkannt werde. Dazu gibt es in Deutschland das Angebot der Brustkrebs Früherkennung für Frauen ab 50. In Mecklenburg-Vorpommern wird das nach Aussage Reimers gut angenomnen. "Mecklenburg-Vorpommern hat im bundesweiten Vergleich mit die höchsten Teilnehmerraten. Wir haben für das Mamographiescreening eine Rate von 60 Prozent." Luft nach oben gebe es beim Thema Vorsorge aber natürlich trotzdem noch.

Weitere Informationen
Diagnostik anhand einer Mammodraghie-Aufnahme © dpa/picture alliance Foto: Jan-Peter Kasper

Familiärer Brustkrebs: Krankheitsrisiko durch Genmutation

Eine erbliche Veranlagung für Brustkrebs erhöht das Risiko zu erkranken. Welche Untersuchungen stehen Betroffenen zu? mehr

Ein Mann tastet seine Brust ab. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Christin Klose

Brustkrebs bei Männern: Oft spät erkannt

Brustkrebs wird bei Männern oft erst spät erkannt. Die Ursache ist häufig ein zu hoher Östrogenspiegel - durch starkes Übergewicht und starken Alkoholkonsum. mehr

Schematische Darstellung: meschlicher Torso. © NDR

Ganzheitliche Brustkrebs-Nachsorge

Eine Brustkrebs-Behandlung kann Körper und Seele stressen. Um nach Therapieabschluss wieder Kraft zu schöpfen, ist eine Ernährung mit vielen Vitalstoffen hilfreich. mehr

Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

Ernährung in der Brustkrebs-Nachsorge

Entzündungshemmende Antioxidantien, wenig Fleisch, viel frisches Gemüse und gute Öle: Der Speiseplan in der Nachsorge sollte sich an der Mittelmeer-Kost orientieren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.02.2021 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, spricht bei der Sitzung des Landtags zum Nachtragshaushalt. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Schwesig: "Wir brauchen Perspektivplan für ganz Deutschland"

Ministerpräsidentin Schwesig hat vor dem Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch ihre Forderung nach einem Ausstiegsszenario aus dem Lockdown erneuert. mehr