Ostsee/Stettiner Haff: "Wir haben zurzeit keine toten Fische"

Stand: 14.08.2022 22:30 Uhr

Laut Umweltministerium in MV sind bis Sonntagabend noch keine toten Fische in Ostsee und Stettiner Haff entdeckt worden. Warum die Tiere in der Oder sterben, ist weiter unklar. Sonntagabend gab es ein Ministertreffen im polnischen Stettin.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus war am Sonnabend noch davon ausgegangen, dass auch im vorpommerschen Teil des Stettiner Haffs zeitnah Kadaver entdeckt werden könnten. Mit Stand Sonntagabend erklärte Backhaus im NDR Nordmagazin, dass bislang weder im Stettiner Haff noch in der Ostsee tote Fische entdeckt worden seien. "Von Mecklenburg-Vorpommern geht zurzeit keine Gefahr aus, aber wir müssen auch mit dem Schlimmsten rechnen." Zur nach wie vor ungeklärten Ursache der Verschmutzung sagte Backhaus: "Wir wissen eigentlich noch gar nichts." Es gebe aber Hinweise, dass Quecksilber nicht wie anfangs angenommen Auslöser des Fischsterbens ist und dass in den bislang untersuchten Fischkadavern keine Schadstoffe nachgewiesen worden seien. "Das ist erstmal eine gute Botschaft", so der Minister.

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Ivonne Tannhäuser, freiwillige Helferin, holt zwei tote und schon stark verweste Fische aus dem Wasser des deutsch-polnischen Grenzflusses Oder. © picture alliance/dpa Foto: Patrick Pleul

Fischsterben in der Oder: Proben aus dem Haff entnommen - Ergebnisse am Montag

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Spitzentreffen am Sonntagabend in Stettin

Am Sonntagabend war ein Treffen im polnischen Stettin (Szczecin) anberaumt. Es sollte um die Situation an der Oder und das weitere Vorgehen gehen. Neben Backhaus nahmen Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne), Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sowie Polens Umweltministerin Anna Moskwa daran teil. Lemke sagte nach dem Treffen, man habe lösungsorientiert diskutiert und "gute und gemeinsame Schritte" vereinbart. Ziel sei nun die Schadensminimierung, die Information und der Schutz der Bevölkerung sowie die Identifizierung des Verursachers der Umweltkatastrophe. Polens Umweltministerin Moskwa sagte, bei Laboruntersuchungen von verendeten Fischen seien bislang keine toxischen Substanzen entdeckt worden, die das Fischsterben verursacht hätten. Die Kadaver würden aber noch auf mehrere Hundert weitere Stoffe hin untersucht.

Backhaus sagte vor dem Treffen dem NDR Nordmagazin, er erwarte von der polnischen Seite Aufklärung über den Stand der Dinge und mögliche Ursachen der Verschmutzung. Es habe am Anfang in der Kommunikation "erhebliche Probleme gegeben." Backhaus schlug die Bildung einer Arbeitsgruppe mit Vertretern aller beteiligten Anrainer vor.

Im Notfall sollen Spezialschiffe zum Einsatz kommen

Nach Angaben des Umweltministeriums in Schwerin lässt sich kaum verhindern, dass etwaige Verunreinigungen aus der Oder das Stettiner Haff erreichen. "Eine Bekämpfung der Verunreinigung von im Wasser gelösten Schadstoffen ist in größeren Fließgewässern und in Küstengewässern praktisch nicht möglich", teilte eine Sprecherin mit. Backhaus betonte, dass dem Havariekommando Nord unterstehende Spezialschiffe des Landes gegebenenfalls zum Einsatz kommen würden. Lemke schloss nicht aus, dass die Behörden eine Badewarnung etwa im Bereich der Insel Usedom für die Ostsee aussprechen könnten.

Proben an drei Messstellen entnommen

Die am Sonnabend genommenen Proben hätten zudem unauffällige Werte für pH, Sauerstoffgehalt und Leitfähigkeit ergeben, hieß es am Sonntag aus dem Umweltministerium in Schwerin. Die Untersuchung auf Schadstoffe sei jedoch noch nicht abgeschlossen und könnte mehrere Tage andauern. Entnommen werden die Proben an drei Messstellen unter anderem bei Ueckermünde und nahe der deutsch-polnischen Grenze.

Laborergebnisse aus dem Kleinen Haff am Montag

Backhaus hatte am Sonnabend empfohlen, vorerst auf das Angeln und Fischen im Kleinen Haff zu verzichten und die Nutzung des Wassers zu vermeiden. Um herauszufinden, inwiefern das Haff bereits belastet ist, wurden Wasserproben entnommen. Erste Laborergebnisse würden am Montag erwartet, so Backhaus.

Kritik an Bundesumweltministerin Lemke

Backhaus hatte im Gespräch mit dem NDR zuvor scharfe Kritik am Bund und warf Bundesumweltministerin Lemke Untätigkeit vor. Es gebe "ernstzunehmende Hinweise, dass es einen Chemieunfall in Polen gegeben haben soll", aber die betroffenen Länder seien vom Bund nicht darauf eingestellt worden, so Backhaus am Sonnabend.

Lemke hatte bei einem Besuch in Frankfurt (Oder) am Samstagabend anfängliche Probleme bei der Zusammenarbeit zur Aufklärung des Fischsterbens mit Polen zugegeben. Nun sei eine bessere Koordinierung vereinbart worden.

Bundesumweltministerin Steffi Lemke bei einem Termin am Oder-Ufer in Frankfurt an der Oder. © dpa bildfunk Foto: Patrick Pleul
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Erhöhte Salzfrachten als ein Faktor?

Nach Angaben von Brandenburgs Umweltminister Vogel weist die Oder "sehr stark erhöhte Salzfrachten" auf, was atypisch sei. Dabei handelt es sich um im Wasser gelöste Salze. Dem Landesministerium zufolge könnte dies in Zusammenhang mit dem Fischsterben stehen. Den Erkenntnissen zufolge werde aber nicht nur ein Faktor die Ursache dafür sein.

Polen schließt erhöhte Quecksilberwerte als Ursache aus

Polens Regierung vermutet derweil, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde. Die ansässige Polizei setzte für Hinweise auf Täter eine Belohnung von 210.000 Euro aus. Erhöhte Quecksilberwerte wurden nach Laboruntersuchungen als Ursache für das Fischsterben ausgeschlossen, auch Schwermetalle seien nicht für die toten Fische verantwortlich. Dies hätten weitere Analysen durch das staatliche Veterinärinstitut ergeben, schrieb Polens Umweltministerin Anna Moskwa auf Twitter. Die Analysen wiesen aber auf erhöhte Salzwerte im Wasser hin und stimmten somit mit den Erkenntnissen der deutschen Behörden überein, sagte Moskwa der Nachrichtenagentur PAP.

Polens Regierung und Behörden in der Kritik

Polnische Behörden hatten nach Regierungsangaben bereits Ende Juli Hinweise, dass in dem Fluss massenweise verendete Fische treiben. Nun stehen Regierung und Behörden in der Kritik, gezögert zu haben. Am Freitagabend entließ Regierungschef Mateusz Morawiecki deshalb die Leiter der Wasserbehörde und der Umweltbehörde. Er selbst habe erst am Mittwoch von dem massiven Fischsterben erfahren.

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