Stand: 19.09.2019 17:37 Uhr

"Nordkreuz": Anklage gegen Ex-Polizisten erhoben

Bild vergrößern
Ein Teil der Datensätze wurde bei Razzien in Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt. (Archivbild)

Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat gegen einen ehemaligen Beamten des Spezialeinsatzkommandos Mecklenburg-Vorpommern Anklage wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz in zwei Fällen erhoben.

Politische Gegner auf "Feindeslisten" geführt

Der Beschuldigte soll Anfang 2016 die rechtsextremistische Prepper-Gruppe "Nordkreuz" gegründet haben, deren Mitglieder sich auf den "Tag X" vorbereiten - der Tag, an dem in ihren Augen das politische System in Deutschland zusammenbricht. Bei mehreren Durchsuchungen im Rahmen von Anti-Terror-Ermittlungen des Generalbundesanwalts in Karlruhe gegen die sogenannte "Prepper"-Szene wurden in Mecklenburg-Vorpommern neben Waffen und Sprengsätzen auch sogenannte "Feindeslisten" gefunden.

Bundesweit sind dort rund 25.000 Namen von überwiegend politischen Gegnern aufgeführt, davon rund 1.200 aus Mecklenburg-Vorpommern. Bei einer zweiten Hausdurchsuchung im Juni waren in diesem Zusammenhang auch Leichensäcke und Ätzkalk gefunden worden. Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) betont immer wieder, dass für die auf den Listen Aufgeführten derzeit keine Gefahr besteht.

Wer sind "Prepper" und "Doomer"?

Der Begriff "Prepper" ist vom englischen "to be prepared" ("vorbereitet sein") hergeleitet. Gewöhnliche "Prepper" sind Menschen, die sich gegen Katastrophen und Krisen aller Art schützen wollen - von Unwettern über den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung bis hin zum Untergang der Zivilisation ("Doomer"). Dazu horten sie Nahrungsmittel, Versorgungsgüter und manchmal auch Waffen. Unter den "Preppern" gibt es echte Vorsorge-Profis, aber auch Verschwörungstheoretiker aller Art. Die Bewegung kommt aus den USA und wächst angesichts von Klimawandel, Kriegsangst und Terrorbedrohung auch in Deutschland.

SEK-Beamter gilt als Gründungsmitglied

Der ehemalige Beamte soll unberechtigt Munition und Waffen besessen, gelagert und gesammelt haben. Bei mehren Hausdurchsuchungen fand die Polizei mehr als 50.000 Schuss Munition, zahlreiche Waffen und Blendgranaten. Außerdem wurde auch eine Maschinenpistole der Marke Uzi sichergestellt, die 1993 bei der Bundeswehr in Brandenburg entwendet worden war. Der 48-Jährige sitzt seit Juni in Untersuchungshaft. Gegen drei weitere Beschuldigte dauern die Ermittlungen noch an.

Weitere Informationen
Das Erste: Panorama

Wieder Waffenfund bei "Preppern": Keine systematische Erfassung bei Behörden

19.09.2017 21:15 Uhr
Das Erste: Panorama

Bei dem Gründer der rechten "Prepper"-Gruppe "Nordkreuz", Marko G., wurden offenbar illegale Waffen gefunden. Aktuell wird gegen ihn wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt. mehr

Auch AfD auf "Nordkreuz"-Listen aufgeführt

26.07.2019 15:00 Uhr

Auf der Namensliste der rechtsextremem Gruppierung "Nordkreuz" ist auch die AfD MV aufgeführt. Weiterhin herrscht Uneinigkeit darüber, ob für die Aufgelisteten Gefahr besteht. mehr

"Nordkreuz"-Mitglieder bleiben Reservisten

17.07.2019 14:00 Uhr

Vier Mitglieder des rechtsextremen Netzwerkes "Nordkreuz" dürfen im Reservistenverband der Bundeswehr bleiben. Sie waren ausgeschlossen worden, haben aber erfolgreich dagegen geklagt. mehr

"Nordkreuz": Morde in ganz Deutschland geplant

06.07.2019 08:00 Uhr

Die rechtsextremistische Gruppe "Nordkreuz" aus MV hat offenbar politisch motivierte Morde in ganz Deutschland geplant. Das Netzwerk soll "Todeslisten" mit Namen und Adressen gesammelt haben. mehr

Todesliste? Prepper wollten Leichensäcke bestellen

28.06.2019 13:00 Uhr

Rechtsextremisten aus MV haben Angriffe auf politische Gegner offenbar bis ins kleinste Detail geplant. Dafür haben die Prepper 200 Leichensäcke und Ätzkalk bestellen wollen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 19.09.2019 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

05:16
Nordmagazin
00:24
Nordmagazin