Das Verlegeschiff "Audacia" des Offshore-Dienstleisters Allseas verlegt in der Ostsee vor der Insel Rügen Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2. (Luftaufnahme mit einer Drohne/Copter) © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Nord Stream 2: Pipeline-Bau mit Störgeräuschen

Stand: 19.11.2020 16:23 Uhr

Als die Ostsee-Pipeline Nord Stream um zwei Röhren erweitert werden sollte, rechnet vielleicht schon der eine oder andere Verantwortliche mit mehr Gegenwind. Einen Baustopp kurz vor Schluss hat aber wohl niemand erwartet. Ein Rückblick.

von Robert Schubert, NDR 1 Radio MV

Am 15. Mai 2018 beginnt die Nord Stream 2 AG im Greifswalder Bodden mit dem Bau einer weiteren Erdgaspipeline quer durch die Ostsee. Zu diesem Zeitpunkt ahnt wohl keiner der Verantwortlichen im Mutterkonzern Gazprom, dass sich die geplante Inbetriebnahme mindestens um ein Jahr verzögern wird. Mehr noch, dass die neue Ostseepipeline vielleicht nie fertig werden könnte.

Investitionen im Vorfeld

Rund acht Milliarden Euro planen die Projektpartner für die neue Ostsee-Pipeline, deren Trasse annähernd parallel zum ersten Doppelstrang aus dem Jahr 2011 verläuft. Noch bevor eine einzige Baugenehmigung erteilt ist, werden in Mukran tausende Röhren mit Beton ummantelt - aus logistischen Gründen heißt es. Gleichzeitig heben Taucher ein historisches Schiffswrack auf der Boddenrandschwelle, um Platz für die neue Trasse zu schaffen.

Verlegeschiffe beginnen

Für die Einwohner von Lubmin gibt es im Mai 2018 darauf ein Wiedersehen mit der Castoro 10. Der italienische Verleger ist speziell für Arbeiten im Flachwasser geeignet. Als touristisches Highlight beschreibt Bürgermeister Axel Vogt (CDU) damals die Lichter des Spezialschiffes in der Abenddämmerung. Unter dem Küstenstreifen werden zwei riesige Tunnel gebohrt. Durch sie führen später die Leitungen zur neuen Anlandestation, die parallel zur ersten auf der anderen Seite des Hafenbeckens Formen annimmt.

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Mit einem Spezialkran werden im Hafen von Sassnitz-Mukran Rohre der Erdgastraße Nord Stream auf einem Lagerplatz transportiert. (Archiv 06.12.2016) © dpa-Zentralbild Foto: Jenns Büttner/dpa

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Umweltschäden nach Schiffshavarie

Große Aufregung, als eines Morgens eine gelbe, schmierige Masse am Strand von Lubmin gefunden wird. Und nicht nur dort, auch in Eldena und in Thiessow. Ein Zulieferschiff hatte Schmieröl verloren. Nord Stream 2 bemüht sich um Schadensbegrenzung und finanziert die Aufräumarbeiten. Wirbel gibt es um die Ausgleichmaßnahmen: Rügener Landwirte sollen fruchtbare Flächen renaturieren. Die Kanzlerin vermittelt - als Kompromiss werden in Kläranlagen Filtersysteme eingebaut, durch die weniger Phosphor ins Boddengewässer gelangt.

Juristische Auseinandersetzungen

Während der Bau auf See zügig voranschreitet, muss sich Nord Stream 2 mit anderen Fragen juristisch auseinandersetzen. Unter anderem mit einer Klage zweier Umweltverbände vor dem Oberverwaltungsgericht Greifswald - NABU und WWF zweifeln die wirtschaftliche Notwendigkeit der Leitung an und wollen den Bau verhindern. Auch die neue EU-Gasmarktrichtline und die damit verbundenen Folgen beschäftigen noch Gerichte, wie den Europäischen Gerichtshof.

Baustopp nach US-Sanktionsandrohungen

Bis Dezember 2019 sind rund 94 Prozent der neuen Ostseepipeline fertig - das Projekt scheint auf der Zielgeraden zu sein. Doch dann kommen erste Androhungen der US-Regierung gegen die Schweizer Verlegefirma Allseas - der Bau stoppt. Schließlich wird der Ton aus den USA schärfer und hierzulande werden Personen, Behörden und Gesellschaften wie der Mukran Port mit Sanktionen bedroht, wenn sie weiterhin am Bau der Pipeline mitwirken. Ob, wann und wie Nord Stream 2 dieses Projekt beenden wird, ist offen - noch immer fehlen rund 150 Kilometer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.11.2020 | 16:00 Uhr

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