Das Grab von Leonie © Tilo Wallrodt Foto: Tilo Wallrodt

Noch keine Zulassung der Anklage gegen Leonies Mutter

Stand: 07.10.2020 15:08 Uhr

Seit Ende April liegt die Anklage gegen die Mutter der sechsjährigen Leonie aus Torgelow wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen beim Landgericht Neubrandenburg. Über die Zulassung ist noch nicht entschieden.

Über die Zulassung der Anklage gegen die Mutter der sechsjährigen Leonie aus Torgelow ist noch immer nicht entschieden worden. Die Anklage der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen liegt bereits seit dem 30. April beim Landgericht Neubrandenburg. Nach Auskunft einer Gerichtssprecherin haben sich die zuständigen Richter noch nicht ausgiebig mit den Akten beschäftigen können. "Es gibt wichtigere Fälle", so die Sprecherin weiter.

Anwalt glaubt nicht an Anklage-Zulassung in diesem Jahr

Sie verwies auf mehrere sogenannte Haftsachen. So verhandle das Gericht beispielsweise schon seit Monaten gegen einen Vater und seinen Sohn aus Malchin, die im Sommer vergangenen Jahres gemeinsam einen Menschen getötet haben sollen. Außerdem laufe ein Verfahren gegen zwei junge Männer aus dem Raum Feldberg und Neubrandenburg, die eine junge Frau gefangen gehalten haben sollen, um von ihrem Vater Geld zu erpressen. Auch der Anwalt von Leonies Mutter geht nicht davon aus, dass gegen seine Mandantin noch in diesem Jahr noch verhandelt wird.

Vorwurf: Nicht rechtzeitig Hilfe geholt

In der Anklageschrift heißt es, dass Leonies Mutter hinreichend verdächtig sei, es am 12. Januar 2019 unterlassen zu haben, rechtzeitig Hilfe für ihre Tochter zu holen - obwohl sie erkannt habe, dass die Sechsjährige erheblich verletzt war. Leonie war an jenem Tag tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Ihr Steifvater war im Januar 2020 unter anderem wegen Mordes durch Unterlassen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Urteil gegen Stiefvater in Teilen aufgehoben

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil gegen den 28-Jährigen Anfang der Woche in Teilen jedoch wieder aufgehoben. Laut Gericht war das Mädchen Opfer einer Bestrafung geworden, vermutlich als es mit dem Puppenwagen der Mutter zum Einkaufen hinterher gehen wollte. Der Stiefvater habe Leonie mit einem Sicherungsbügel mehrfach gegen den Kopf geschlagen und schwer verletzt. Als die Mutter vom Einkauf zurückgekommen sei, soll der Stiefvater verhindert haben, dass sofort Hilfe geholt wurde.

Mutter machte sich schwere Vorwürfe

Leonies Mutter soll derzeit mit ihrem jüngsten Kind in einer Wohneinrichtung in der Region Stettiner Haff leben. Dort soll sie rund um die Uhr betreut werden. Mehr ist nicht bekannt. Ihr Verteidiger hatte kurz nach der Urteilsverkündung gegen den Stiefvater von Leonie gesagt, dass sich Leonies Mutter große Vorwürfe wegen des schrecklichen Todes ihrer Tochter mache.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.10.2020 | 16:10 Uhr

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