Stand: 07.09.2018 14:57 Uhr

Neustrelitz: Kompromiss im Schlosskeller-Streit?

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Im abgesperrten Keller des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosses lagern heute Müll und historische Fliesen des alten Schlosses. (Archivbild)

Im Streit um die geplante Verfüllung des Schlosskellers in Neustrelitz mit Spezialsand bahnt sich ein Kompromiss an. Das Finanzministerium als Eigentümer der Fläche prüft einen neuen Vorschlag der Stadt, der auf einer Stadtvertretersitzung am Donnerstagabend vorgelegt wurde.

Stahlbetondecke statt Sand?

Laut bisherigen Plänen sollte der denkmalgeschützte Keller unter dem ehemaligen Schlossanbau mit wiederentfernbarem Sand verfüllt werden. Die von der Stadt präsentierte Alternative sieht dagegen vor, eine Stahlbetondecke über den Keller zu legen, wodurch die Räume weiterhin begehbar wären.

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Streit um das Neustrelitzer Schlossareal

17.12.2017 19:30 Uhr
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Wie soll mit dem einsturzgefährdeten Keller des ehemaligen Neustrelitzer Schlosses umgegangen werden? Das Land möchte ihn zuschütten und sorgt damit für Proteste. Video (02:46 min)

Ministerium: Vorschlag denkbar, aber teurer

Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte, der Vorschlag aus Neustrelitz sei bereits baufachlich geprüft worden und wäre durchaus denkbar. Allerdings müsste dann der Entwurf der Oberflächengestaltung modifiziert werden, wodurch höhere Kosten entstünden.

Vorschläge werden geprüft

Ein weiterer Vorschlag ist, einen Turm in Anlehnung an die frühere Bebauung zu errichten, um verloren gegangene historische Sichtachsen wiederherzustellen. Beide Seiten prüfen derzeit die Umsetzung der Vorschläge. Bis zum Januar wollen sich die Stadtvertreter positionieren, um dann einen Förderantrag zu stellen.

Bei Kriegsende 1945 abgebrannt

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Im Krieg in Brand gesetzt, danach gesprengt: Das Schloss in Neustrelitz. (Archivbild)

Das Neustrelitzer Schloss wurde zwischen 1726 und 1731 gebaut und später erweitert. Es war Hauptresidenz der regierenden Herzöge und Großherzöge des Landesteils Mecklenburg-Strelitz. 1918 wurde das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz aufgelöst und 1933 in der NS-Herrschaft mit Mecklenburg-Schwerin zwangsvereinigt. Seitdem war das Schloss Landesmuseum und Landesbibliothek.

Zum Kriegsende 1945 brannte das Schloss ab. Leuchtgeschosse deutscher Flugzeuge, die die anrückenden sowjetischen Panzer bekämpfen wollten, trafen das Dach und setzten es in Brand. Die Ruine des Schlosses wurde 1949 auf Veranlassung der SED-Herrschaft gesprengt. Nur der Keller war geblieben.

Schloss war historisches und kulturelles Zentrum der Stadt

Der Verlust des Schlosses habe der Stadt ihr historisches wie kulturelles Zentrum genommen, hatte Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) bereits erklärt. Es müsse gelingen, den "ewigen Streit" zwischen Neustrelitz und Schwerin zu beenden. Das Land wollte den Keller mit seinen rund 40 Räumen verfüllen lassen. Dabei sollte die Kelleroberfläche so gestaltet werden, dass Schlossumrisse erkennbar werden. Rund 1,2 Millionen Euro waren eingeplant. Doch gegen die Verfüllung regte sich Widerstand. Laut Experten ist die gesamte denkmalgeschützte Architektur der Stadt auf den Park mit Schlossanlage abgestimmt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.09.2018 | 11:00 Uhr

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