Illustration von Coronaviren © Picture Alliance/ZUMA Press Foto: Cdc/Cdc

NDR MV Live: Teilweise mehr Impfstoff als Impfwillige

Stand: 23.06.2021 17:40 Uhr

Langes Warten auf die Erstimpfung - das ist in einigen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns offenbar vorbei. So gibt es im Landkreis Rostock derzeit offenbar mehr Impfstoff als Impfwillige. Vielfach erscheinen Impflinge zu ihren Impfterminen einfach nicht.

Im Landkreis Rostock sei derzeit mehr Impfstoff verfügbar als impfwillige Personen erreicht werden können, sagte der stellvertretende Landrat Stephan Meyer (CDU) am Mittwoch bei NDR MV Live. Der Landkreis will deshalb seine Sonderimpfaktionen mit sogenannten hybriden Impfteams in kleineren Orten weiterführen. Impfstoff und auch die Impfärzte kommen dabei aus dem zentralen Impfzentrum in Laage. Die Logistik übernimmt die Bundeswehr und stellt beispielsweise in Turnhallen Tische und Stellwände auf. Die Nachfrage könne allerdings höher sein, so Meyer. An einigen Tagen würden die Teams mit nicht-verimpften Dosen zurückfahren. Gründe dafür könnten die Lockerungen und die beginnende Ferienzeit sein.

In einigen Impfzentren werden bis zu 40 Prozent der Impftermine nicht wahrgenommen

Mecklenburg-Vorpommern Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hatte bereits am Dienstag darauf hingeweisen, dass der Impfmotor im nordosten ins Stottern geraten sei. In den Impfzentren des Landes fallen laut Glawe terminierte Impfungen vermehrt aus, weil keiner kommt. Die Terminabsagen schwankten tageweise zwischen 15 und 40 Prozent. "Das mag mit der Urlaubszeit zusammenhängen oder damit, dass auch Termine bei niedergelassenen Ärzten wahrgenommen werden", so Glawe. Dies sei eine Momentaufnahme, die sich hoffentlich nicht verstetige. Impfstoff sei jetzt vorhanden, Termine über das Online-Tool oder über die Hotline buchbar, hieß es.

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Ein Tropfen hängt an der Nadel einer Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Staatssekretärin Hilgemann: Impflinge erscheinen einfach nicht

Auch die Staaatssekretärin im Gesundheitsministerium, Frauke Hilgemann, bestätigte bei NDR MV Live, dass in einigen Impfzentren bis zu 40 Prozent der Termine ausfallen würden. "Im Durchschnitt sind es aber ungefähr 15 Prozent der Termine, die nicht wahrgenommen werden." Es seien oftmals auch keine Terminabsagen, sondern Impflinge würden einfach nicht erscheinen, so Hilgemann. "Das ist sehr schade. Denn diese Termine könnten andere, die noch auf einen Impftermin warten, wahrnehmen."

33,8 Prozent der Bevölkerung in MV vollständig geimpft

In Mecklenburg-Vorpommern wurden den Angaben zufolge bislang mehr als 1,35 Millionen Impfungen gegeben. Als vollständig geimpft gelten demnach 34,6 Prozent der Bevölkerung. Das sei noch zu wenig. "Auch wenn die Temperaturen steigen, die Inzidenzen sinken und wir uns alle auf ein paar Tage Erholung freuen, ist es wichtig, den Impfschutz gegen das Coronavirus nicht aus den Augen zu verlieren". Die Pandemie sei nicht vorbei, sagte Glawe. Um Maßnahmen dauerhaft zu lockern oder zu streichen, sei die Herdenimmunität notwendig.

Corona-Mutationen erschweren Situation

Wann diese Herdenimmunität bei Covid-19 erreicht ist, darüber gehen die Meinungen unter Wissenschaftlern auseinander. Sie reichen von 60 bis mehr als 80 Prozent Durchimpfungsrate. Glawe wies auf das Auftreten von Corona-Mutationen, wie aktuell die Delta-Variante, hin. Dies mache die Situation nicht einfacher. Die Impfung sei das wirksamste aktuell zur Verfügung stehende Mittel, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.

Kinderschutzbund: Kinderärzte sollen aufklären und impfen

Auch beim Impfen von Kindern und Jugendlichen gehen die Meinungen von Experten auseinander. Carsten Spies vom Kinderschutzbund Mecklenburg-Vorpommern sagte NDR MV LIVE, die Impfung von Kindern müsse verstärkt in den Blick genommen werden. Dabei seien die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) maßgeblich. "Ich denke, ein guter Weg wäre es, wenn die Eltern jetzt verstärkt durch die Kinderärzte über die Impfmöglichkeiten und die Risiken aufgeklärt werden. Und für die Kinder und Jugendlichen, die geimpft werden können, müsste es dann eine eindeutige Priorisierung geben. Das heißt, die Kinderärzte sollten dann bevorzugt mit den entsprechenden Impfstoffen versorgt werden. Das wäre quasi eine Impfkampagne für Kinder und Jugendliche".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung war die Rede davon, dass mehr Impfstoff im Landkreis Rostock verfügbar wäre, weil es zu wenig Hausärzte gäbe, die beim Impfen unterstützen. Das stimmt so nicht. Wir haben den Beitrag dahingehend korrigiert und bitten den Fehler zu entschuldigen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 23.06.2021 | 15:35 Uhr

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