Stand: 18.07.2019 11:48 Uhr

Mittelalterliche Skelette bei Bauarbeiten entdeckt

Bild vergrößern
Auf der Baustelle in Stralsund legen Archäologen nun die menschlichen Knochen frei.

In Stralsund ist bei Bauarbeiten in der Tribseer Vorstadt ein mittelalterlicher Friedhof mit etwa 100 menschlichen Skeletten entdeckt worden. Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich vermutlich um die Überreste Verstorbener, die etwa im 14. Jahrhundert auf dem Klosterfriedhof Mariakron beigesetzt wurden.

Archäologen bergen die Funde

Derzeit sind Archäologen auf der Baustelle, um die Funde zu bergen. Anschließend sollen sie untersucht und dokumentiert werden, so Landesarchäologe Detlef Jantzen in Schwerin. Der Friedhof gehörte zum einstigen Kloster Mariakron, das im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. Nach Angaben der Stadt entstehen auf dem Gelände Wohnungen.

Funde sollen zur Auswertung ins Depot

Anwohner und Augenzeugen berichten von großen Säcken, in denen die Skelette gesammelt und verstaut wurden. Das sei eine "ganz normale Bergungspraxis", so Jantzen, wenn die Überreste aus den oberen Bodenschichten stammen. Einige der menschlichen Überreste waren beschädigt und unvollständig, so waren beispielsweise die Schädel eingeschlagen. Die Skelette seien in tieferen Schichten noch unversehrt, so Jantzen. Er schätzte die Funde als "nicht besonders spektakulär" ein, Bergungen mittelalterlicher Friedhöfe gebe es immer wieder, so Jantzen.

In den oberen Erdschichten seien nur wenige Knochen gefunden worden, dort sei die Erde in den vergangenen Jahrhunderten bewegt worden, so Jantzen. Diese würden wieder bestattet. Die Knochen, bei denen eine Auswertung möglich ist, sollen im Depot gelagert werden.

Die Geschichte hinter der "Gretchentragödie"

Bild vergrößern
Im Stadtarchiv Stralsund ist eine Lithographie zu sehen, die die Gerichtssitzung der Maria Flint abbildet.

Gerüchte, nach denen das historische Vorbild hinter Goethes Gretchenfigur dort begraben gewesen sein könnte, wies der Landesarchäologe zurück. Die Kindsmörderin und Näherin Maria Flint soll 1765 von einem schwedischen Offizier bedrängt und nach dem Tod ihres Kindes schließlich enthauptet worden sein. Ihr Schicksal griff Johann Wolfgang von Goethe mit der Figur des Gretchens im "Faust" auf. Der Landesarchäologe erklärte, wo genau Flint nach ihrer Verurteilung in Stralsund begraben wurde, darüber gebe es keine Informationen. Eine wissenschaftliche Auswertung der Skelette sei kostspielig, außerdem fehle für eine eindeutige Zuordnung belastbares, genetisches Vergleichsmaterial. Desweiteren gebe es bei den bisher geborgenen Überresten auch keine Anzeichen für eine Enthauptung, so Jantzen. Ob sich die Gebeine von Maria Flint tatsächlich unter den Überresten befinden, bleibe daher "reine Spekulation".

Weitere Informationen

Stralsund: Welterbe an der Ostseeküste

Einst war sie eine mächtige Hansestadt, heute gehört Stralsund mit seinen prächtigen Backsteinbauten zum UNESCO-Welterbe. Auch Meeresmuseum und Ozeaneum lohnen einen Besuch. mehr

Welches Museum bekommt den Blauzahn-Schatz?

Vor einem Jahr wurde auf Rügen ein Silberschatz gefunden, der von Dänenkönig Blauzahn aus dem 10. Jahrhundert stammen könnte. Aber wann und wo wird der Schatz nun ausgestellt? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.07.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

05:53
Nordmagazin