MV hinkt beim Impfen hinterher - Probleme mit der Impf-Hotline

Stand: 30.03.2021 09:36 Uhr

In der Impfstatistik ist Mecklenburg-Vorpommern bundesweit derzeit Vorletzter. Ein Grund dafür: Probleme bei der Terminvergabe über die zentrale Impf-Hotline. Dort sollte das Personal verdoppelt werden - doch davon ist man noch ein Stück entfernt.

Beim Impfen ist der einstige Musterknabe Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile nach hinten durchgereicht worden. Derzeit rangiert das Land mit einer Quote von 10 Prozent bei den Erst- und 4,4 Prozent bei den Zweitimpfungen (Stand: Dienstagmorgen) im Bundesvergleich auf dem vorletzten Rang. Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) meldete Zweifel an den offiziellen Zahlen an. "Wir glauben, dass viele, die geimpft sind in den Pflegeheimen, nicht in der Statistik drin sind", so Glawe zu NDR 1 Radio MV. Wären sie das, stünde MV in der Statistik besser da.

Kein Durchkommen bei der Impf-Hotline des Landes

Ein Grund für das schleppende Impftempo könnte die Terminvergabe über die zentrale Landes-Hotline sein. Ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim sagte NDR 1 Radio MV, dass täglich Leute direkt beim Kreis anrufen und sich darüber beschweren würden, dass sie bei der Landes-Hotline keine Chance haben. Die möchten dann oft einen Termin direkt beim Landkreis vereinbaren, aber das gehe nicht. Der 76-jährige Walter Klokow aus Parchim versucht seit einer Woche vergeblich, einen Termin für sich und seine Frau zu bekommen.

76-Jähriger wird immer wieder vertröstet

Doch wenn er anruft, hört er immer dasselbe - eine aufgezeichnete Bandansage: "Alle unsere Mitarbeiter sind derzeit in Gesprächen. Bitte kontaktieren sie uns für einen Impftermin ab morgen erneut." Klokow sagt, dass er selbst bei Anrufen um 8:01 Uhr nicht durchkommt. "Es kann eigentlich nur sein, dass in dem Callcenter entweder nur eine Arbeitskraft sitzt oder gar keiner." Er und seine Frau gehörten zur Gruppe 2. "Wir haben Angst, dass wir Corona kriegen. Wir wünschen uns, dass wir geimpft werden", so Klokow.

Mitarbeiterzahl sollte verdoppelt werden

Bei der Impf-Hotline des Landes hatte es von Anfang an gehakt - es sollte nachgebessert werden. So versprach das Gesundheitsministerium, die Anzahl der Callcenter-Mitarbeiter zu verdoppeln. Von einer Verdopplung der ursprünglich 150 Mitarbeiter ist man jedoch noch ein gutes Stück weit entfernt. Laut Ministeriumsangaben vom Montag wurde die Zahl der Mitarbeiter im Callcenter auf 200 Personen aufgestockt - und es sollen noch mehr werden. Ein Ministeriumssprecher verwies gegenüber NDR 1 Radio MV jedoch darauf, dass es nicht so einfach sei, geeignete Mitarbeiter zu finden.

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Täglich 35.000 Anrufe - viele ohne Impfberechtigung

Täglich gehen bei der Impf-Hotline bis zu 35.000 Anrufe ein. Da komme es unweigerlich zu Wartezeiten, hieß es. Wie der Sprecher weiter erklärte, rufen viele Menschen bei der Hotline an, die eigentlich noch gar keine Impfberechtigung haben. Diese unnötigen Anrufe würden zusätzlich die Leitung verstopfen. Vor einigen Tagen wurde deshalb eine Extra-Hotline für die Über-80-Jährigen eingerichtet, Diese habe sich bereits bewährt, weil diese Altersgruppe nun schneller durchkomme.

Online-Portal soll bald an den Start gehen

Außerdem soll es bald ein Online-Portal für die Terminvergabe geben. Das war auch schon vor ein paar Wochen angekündigt worden. Nun hieß es, dass es am Mittwoch mit der Möglichkeit der Registrierung losgehen soll - zunächst für die Prioritätsgruppe 1 und nach und nach dann für alle anderen. "Das wird dann so laufen, dass derjenige, der einen Termin braucht, eine Anfrage stellt, seinen Wunschtermin angibt und er kriegt dann innerhalb von zwei Stunden eine Antwort", sagte Glawe. Weitere Entlastung erhofft er sich von den Hausärzten, die bald ins Impfen einsteigen und die Termine selbst machen. Glawe versprach, dass es künftig deutlich schneller gehen werde: "Wir werden jetzt die nächsten 14 Tage deutlich zulegen. Es werden pro Tag mindestens 5.000 Impfwillige geimpft in Mecklenburg-Vorpommern. Und das auch über Ostern - zumindest Ostersonnabend und auch Ostermontag."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 30.03.2021 | 06:30 Uhr

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