Stand: 26.09.2018 15:29 Uhr

Bischof aus MV marschiert mit Abtreibungsgegnern

von Maike Gross, NDR 1 Radio MV
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Bischof Abromeit nahm am "Marsch für das Leben" teil. In der Vergangenheit hatten AfD-Politiker die Aktion in die Nähe ihrer Partei gerückt.

Der Greifswalder Bischof Hans Jürgen Abromeit gerät wegen seiner Teilnahme am "Marsch für das Leben" in die Kritik. Die Protestaktion in Berlin zieht jedes Jahr mehr Menschen an. Aber der Protest der Abtreibungsgegner ist nicht unumstritten. Am vergangenen Sonnabend gingen rund 5.000 Menschen gegen Abtreibungen und für den Schutz des ungeborenen Lebens auf die Straße. Bischof Abromeit hielt die Predigt beim Abschlussgottesdienst vor dem Berliner Hauptbahnhof.

Demonstration ist beliebt bei der AfD

Kritiker werfen den Organisatoren der Veranstaltung, dem Bundesverband Lebensrecht, vor, sich nicht klar gegen rechts abzugrenzen. So ist etwa 2015 die AfD-Politikerin Beatrix von Storch in vorderster Reihe mitmarschiert. Auch in diesem Jahr haben sich unter anderem der Vorsitzende der Christen in der AfD, Joachim Kuhs, und der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz, an dem Marsch beteiligt. Nach Angaben der Organisatoren ist die Veranstaltung überparteilich und überkonfessionell.

Organisatoren distanzieren sich von Hass und Gewalt

In einer Stellungnahme hieß es: "Welches Parteibuch und welche Konfession die Teilnehmer des Marschs haben, wird von uns nicht überprüft. Jede einzelne Person, die sich für das Lebensrecht einsetzen möchte, ist herzlich eingeladen, dies mit uns gemeinsam zu tun." Von Hass und Gewalt würden sie sich distanzieren.

Landesbischof von Berlin-Brandenburg lehnt "Marsch" ab

Martin Dröge, Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, hat sich allerdings in Zeitungsinterviews deutlich vom "Marsch für das Leben" abgegrenzt. Die Kirche trage zwar das Anliegen der Veranstalter. Den Marsch selber hält Dröge allerdings - mit Verweis auf die Teilnahme von AfD-Politikern - für rechtspopulistisch unterwandert. Deshalb lehnt Dröge eine Teilnahme an der Veranstaltung ab.

Nordkirche: "Unterschiedliche Akzente bei Christen"

Die Nordkirche als Landeskirche des Greifswalder Bischofs Abromeit hat offenbar eine andere Haltung. Auf Anfrage von NDR 1 Radio MV heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Nordkirchenleitung, die mit Abromeits Bischofskanzlei abgestimmt wurde: "Dass Christen bei diesem wie auch anderen Anliegen zum Teil unterschiedliche Akzente setzen, ist nicht ungewöhnlich. Das gilt nicht nur innerhalb der EKD, sondern auch bei der Nordkirche, in der es eine breite Vielfalt an theologischen Traditionen und christlichen Lebensformen gibt." Landesbischof Gerhard Ulrich hat sich zu den Vorgängen nicht persönlich geäußert.

Kirchenvertreter warnen vor "fließendem Übergang zum Rechtsextremismus"

Dagegen teilt der Deutsche Evangelische Kirchentag die Einschätzung des Berliner Landesbischofs Dröge. Das Kirchentagspräsidium hat am Mittwoch mitgeteilt: Repräsentanten der AfD würden auf Podien und Diskussionsveranstaltungen des Kirchentages in Dortmund (19. bis 23. Juni 2019) nicht eingeladen. In der Begründung des Präsidiums heißt es: "Es gibt mittlerweile in der AfD einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken." Und genau da sei mit Blick auf die Gründungsidee des Kirchentages im Jahr 1949 Deutlichkeit geboten.

Christliche Autorin: "Erschüttert über Teilnahme von Abromeit"

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Abtreibungsgegnerin Bednarz nimmt nicht am "Marsch für das Leben" teil - wegen der Nähe zu rechten Gruppen.

Und diese Auffassung teilt auch die Publizistin Liane Bednarz. Die Juristin und Autorin sagt über sich selber, sie sei eine konservative Christin und auch Abtreibungskritikerin. Am "Marsch für das Leben" würde sie allerdings auch nicht teilnehmen, erklärte sie dem NDR. Liane Bednarz hat das Buch "Die Angstprediger - wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern" geschrieben und sieht gerade in der Thematik Abtreibung eine besondere Schnittstelle zwischen konservativen Christen und rechten Gruppierungen. "Deshalb hat mich der Auftritt von Bischof Abromeit überrascht und erschüttert", so Liane Bednarz.

"Abtreibung wird mit demografischen Aspekten verquickt"

Gerade bei den Abtreibungsgegnern müsse eine Abgrenzung nach rechts erfolgen, fordert die Publizistin. "Natürlich ist man als konservativer Christ kritisch gegenüber Abtreibung, weil das werdende Leben im Fokus steht und man dieses schützen möchte." Aber: Rechte Bewegungen würden dies oft mit demografischen Aspekten verquicken. "Das heißt, es ist gemeint, dass zu wenig deutsche Kinder geboren werden, weil sie abgetrieben werden." Genau diese Kombination finde man auch bei der AfD, so Bednarz: "Die AfD verhält sich in ihrem Grundsatzprogramm zwar generell kritisch zu Abtreibung, aber sie schreibt in einem Passus, in dem sie sich über die hohen Abtreibungszahlen beklagt, dass sie sich stattdessen für eine aktivierende Familienpolitik zugunsten der einheimischen Bevölkerung ausspricht", kritisierte die Publizistin. Dass nun ein evangelischer Bischof auf einer Veranstaltung predigt, an der sich auch prominente AfD-Politiker beteiligen, hält Bednarz gerade "angesichts der zunehmenden Radikalisierung der AfD" für bedenklich.

SPD: Abromeits Teilnahme adelt "Marsch für das Leben"

Auch der Sprecher der Christen in der SPD Mecklenburg-Vorpommern, Christopher Denda, zeigte sich verwundert über Abromeits Teilnahme am Protest der Abtreibungsgegner in Berlin. Seine Anwesenheit adelte den Marsch regelrecht, meint Denda. Und genau das trage dazu bei, die Debatten zu radikalisieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.09.2018 | 17:10 Uhr

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