Stand: 27.09.2019 15:36 Uhr

Leonie-Prozess: Zeugen aus nahem Umfeld gehört

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Der Anwalt des Angeklagten hatte am ersten Prozesstag angekündigt, dass dieser im Verlauf noch aussagen will. (Archivbild)

Am dritten Prozesstag um den Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) haben am Landgericht Neubrandenburg heute Zeugen aus dem Umfeld der Familie ausgesagt. Geladen waren ein Nachbar, eine Ex-Freundin des Angeklagten und die Leiterin der Kindertagesstätte in Torgelow.

Schon früher gewalttätig

Die Ex-Freundin des 28-jährigen Beschuldigten berichtete von einem gewalttätigen Übergriff. Nach deren Trennung im Jahr 2016 habe sie der Angeklagte heftig durch die Wohnung gestoßen, sodass sie mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus behandelt werden musste. Dafür erhielt der 28-Jährige laut Gericht einen Strafbefehl, den er aber nicht bezahlte und stattdessen eine Ersatzfreiheitsstrafe absaß.

Früher mit leiblichem Vater befreundet

Bei den Vernehmungen stellte sich heraus, dass der Angeklagte früher mit Leonies leiblichem Vater befreundet war. 2016 wohnte er zeitweise bei ihm in Wolgast, wie die Ex-Freundin sagte. Dort habe der Angeklagte nach der Trennung von ihr auch Leonies Mutter kennengelernt. Später habe diese Leonies Vater verlassen und sei zum jetzigen Angeklagten gezogen. "Sie hat aber beide Männer immer gegeneinander ausgespielt, wie bei Gelddingen", erklärte die 23-Jährige.

Oft aggressives Geschrei aus der Wohnung

Der Nachbar konnte zum Tag, an dem Leonie starb, keine Angaben machen. Der Bundeswehrsoldat habe aber aus der Wohnung der Familie oft lautes aggressives Geschrei des Angeklagten gehört. In der Öffentlichkeit sei der Angeklagte aber stets freundlich mit den Kinder umgegangen. Dagegen habe man Leonies Mutter als zurückgezogen, zeitweise überfordert und auch mal grob mit den Kindern erlebt, berichtete die Ex-Freundin.

Kita-Leiterin hat keinen Verdacht geschöpft

In der Kindertagesstätte gab es keine Anhaltspunkte für Misshandlungen, sagte die Kita-Leiterin. Beide Kinder hatten vor dem Tod der Sechsjährigen allerdings monatelang in der Kita gefehlt. Das Mädchen und ihr damals zweijähriger Bruder kamen im September 2018 nur acht Tage und dann nicht mehr, sagte die Zeugin aus. Einen Anlass, das Jugendamt einzuschalten, habe es jedoch nicht gegeben.

Notarzt belastete Angeklagten

Am vorherigen Verhandlungstag hatte der Notarzt und die Rettungssanitäter den Angeklagten schwer belastet. Sie schätzten, dass das Kind bei ihrem Eintreffen schon etwa eine Stunde lang tot gewesen sein muss. Der Angeklagte hätte den Treppensturz des Mädchens vorgetäuscht, um ein Gewaltverbrechen zu vertuschen, so die Vermutung. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte Leonie schon fünf Tage vor ihrem Tod geschüttelt, getreten und anderweitig misshandelt hat. Dem Angeklagten wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen vorgeworfen. Der Prozess wird am 16. Oktober fortgesetzt. Mit einem Urteil wird frühestens Ende November gerechnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 27.09.2019 | 19:00 Uhr

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