Stand: 22.01.2020 11:12 Uhr

Leiser Riese: Neues Forschungsschiff für Thünen-Institut

Das Forschungsschiff "Walther Herwig" fährt auf dem Meer. © Damen-Werft, Niederlande/Designbüro Skipsteknisk A/S, Norwegen
So wird es aussehen: Um die geräuschempfindlichen Fische nicht zu vertreiben, wird das Schiff mit hochmoderner Technik fahren.

Nach etlichen Anläufen beginnt der Bau des neuen Forschungsschiffes "Walther Herwig" im Frühjahr 2020. Dann wird auf einer rumänischen Werft die erste Stahlplatte zugeschnitten. Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostsee-Forschung, spricht von einem "Flüsterschiff". Mit 90 Metern Länge ein Riese, der bei aller Power, über die er verfügt, keinen Krach macht: "Die Fische, denen wir hinterher sind, sind sehr geräuschempfindlich. Das heißt, es besteht immer die Gefahr, dass wir mit unserem Schiff, wenn wir viel Lärm machen, unsere Untersuchungsobjekte vertreiben. Deswegen müssen alle neuen Schiffe so leise sein wie zum Beispiel ein Kriegsschiff." Kurioser Fakt: Da die englischen Forschungskollegen die römische Drei des Vorgängerschiffes wie das englische "ill", also "krank" gelesen haben, wird bei dem jetzigen Nachfolger auf die Ziffer gänzlich verzichtet. Es wird einfach "Walther Herwig" heißen.

Erste Fahrt ins Sprottengebiet

Knapp 100 Millionen Euro lässt sich der Bund das Hightech-Schiff kosten um herauszufinden, wie es Dorsch, Hering & Co von der Ostsee bis in den Nordatlantik hinein geht. Bekannt ist aus vergangenen Forschungsreisen, dass die Bestände vieler Arten deutlich zurückgegangen sind. Eine Ausnahme sind Sprotten. Damit das so bleibt, soll Vorsorge getroffen werden. So wird vermutlich gleich die erste Fahrt der neuen "Walther Herwig" in ein Sprottengebiet führen.

Echolot statt Netzfang

Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei
Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, sieht die Entwicklung des Fischbestandes auf einem guten Weg.

Doch gerade bei dieser vergleichsweise kleinen Fischart ist es schwer, die Bestandsituation detailliert zu anlaysieren. Denn zugleich sollen die innere Struktur und der Ernährungszustand einzelner Schwärme untersucht werden. Netzfänge kommen da nicht infrage, wie Zimmermann erklärt: "Dafür verwenden wir Echolote. Wo wir kontinuierlich bestimmte Routen abfahren und mit dem Echolot ins Meer reinschallen, und das, was wir von den Schwimmblasen dieser Fische als Signal zurückbekommen, können wir solange berechnen, bis wir wissen, wie viele Sprotten in der Ostsee leben."

Schiff soll 2023 fertiggestellt werden

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Umweltsituation: Was ist an Pflanzen, was an Nahrung vorhanden, was fehlt womöglich? Macht sich der Klimawandel auch unter Wasser bemerkbar und wenn ja, wie? Die hochmoderne Technik an Bord bietet die Voraussetzung dafür, alles genau unter die Lupe zu nehmen. Läuft alles planmäßig, soll das rund 90 Meter lange Forschungsschiff 2023 erstmals in See stechen. Bis dahin werden die drei bisherigen schwimmenden Labore Aufschluss über die Fisch-Bestandsentwicklung liefern.

Fisch ist klimafreundlich und ethisch "gut"

Für die Fischer konnte das Institut jetzt nach jahrelanger Talfahrt für so manche Fischart eine positive Tendenz vermelden: "Wir sind noch lange nicht da, wo wir gerne hin wollen. Aber wir sind immerhin von einer 90-prozentigen Überfischungsrate runter und diesen Weg sollten wir weiter beschreiten. Fisch ist ein klimafreundliches Nahrungsmittel und auch aus ethischen Gründen ein gutes Nahrungsmittel", so Zimmermann. Dazu gehörte auch die Makrele mit dem aktuell wertvollsten und größten Speisefischbestand in Europa.

 

Weitere Informationen
Das Forschungsschiff "Clupea" © Thünen-Institut für Ostseefischerei

Auch die Clupea ist für das Institut im Einsatz

Auf dem Forschungsschiff "Clupea" testen Wissenschaftler in der Ostsee nachhaltige Netze. Ziel ist, unerwünschten Beifang wie Schweinswale und Seevögel zu vermeiden. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.01.2020 | 12:00 Uhr

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