Stand: 17.08.2017 17:26 Uhr

Lehrerbedarf in MV größer als vorhergesagt

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"Das Land unternimmt nichts", kritisiert Linksfraktionschefin Simone Oldenburg.

Mecklenburg-Vorpommern steuert in den kommenden Jahren auf einen deutlichen Lehrermangel zu. Der Bedarf an neuen Lehrkräften fällt noch größer aus als bisher vorhergesagt. Grund sind deutlich steigende Schülerzahlen. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Im Schuljahr 2021 rechnet das Bildungsministerium mit 6.000 bis 7.000 zusätzlichen Schülern im Vergleich zum Jahr 2015. Ein Grund sind auch die Flüchtlingskinder. Nach Berechnungen der Linksfraktion müssten wegen der steigenden Schülerzahlen rund 480 Lehrer zusätzlich eingestellt werden.

Prognose des Landes ist offenbar veraltet

Hinzu kommen die ohnehin erforderlichen Neueinstellungen wegen der bevorstehenden Pensionierungswelle. Mehr als 60 Prozent der Lehrer sind heute älter als 50 Jahre. Rund 1.500 Pädagogen gehen bis 2021 in Rente. Allein im Jahr 2021 müssen deshalb 700 neue Lehrer eingestellt werden. Das geht aus der Lehrerbedarfsprognose des Ministeriums hervor, die fast zwei Jahre alt und damit nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

Oldenburg: "Regierung unternimmt nichts"

Allein um diese Pensionierungslücke auszugleichen, müssten demnächst deutlich mehr neue Lehrer eingestellt werden, meint die Fraktionschefin der Linken, Simone Oldenburg. Dem Land sei das Problem bekannt, es unternehme aber nichts. Die Lernbedingungen dürften nicht weiter verschlechtert werden, im Gegenteil: der Lehrerberuf müsse attraktiver werden, unter anderem durch eine niedrigere Pflichtstundenzahl - sie liegt derzeit bis 27 Stunden. Angesichts der knappen Ausbildungskapazitäten an den Universitäten im Land, den hohen Abbrecherzahlen und der vergleichsweise langen Lehrerausbildung müsse sich das Land noch stärker um Bewerber von außen kümmern. Oldenburg wirbt gleichzeitig dafür, die Lehrer-Ausbildung zu entschlacken.

Mehr als 160 Stellen sind noch offen

Das Ministerium steht jedoch vor einem Problem: der Arbeitsmarkt gibt den Nachwuchs nicht her, trotz einer aufwändigen Lehrerkampagne. Die für das kommende Schuljahr ausgeschriebenen 370 Stellen sind bisher nur gut zur Hälfte besetzt, mehr als 160 Stellen sind rund zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres noch offen. Das Land hat deshalb in der Vergangenheit  immer mehr Seiteneinsteiger ohne pädagogische Ausbildung eingestellt. Ein Sprecher sagte, die Lehrer-Neueinstellung sei in allen Bundesländer eine große Herausforderung: "Das wissen wir." Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) hatte im Juli darauf hingewiesen, dass sich die steigenden Schülerzahlen regional sehr ungleich verteilen würden - besonders die Städte verzeichneten schon jetzt mehr Schüler. Hesse wartet zunächst neues Datenmaterial ab: Die Landesregierung erarbeite derzeit eine regionalisierte Bevölkerungsprognose. "Auf dieser Grundlage werden wir dann die Schülerzahlprognose aktualisieren", erklärte sie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.08.2017 | 12:00 Uhr

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